Grasgeflüster: Ein schönes Spiel
02. März 2026 | von und mit Roksana Leonetti„Mach erst den Kopf hoch, wenn du getroffen hast.“
Sonntag. Wind. Und ein schönes Spiel. Detlef und ich vor dem ersten Abschlag. Foto: Roksana Leonetti
Sonntag, 1. März. Zwölf Grad, Sonne und ein Wind, der nichts beschönigt. Ich habe mich die ganze Woche auf diese Runde gefreut. Noch mehr, als ich gesehen habe, dass sich Detlef in meine Startzeit eingebucht hat.
Wir treffen uns auf dem Parkplatz. Feste, warme Umarmung. Wir haben schon ein paar Mal zusammen gespielt und immer gelacht. „Mittlerweile spiele ich lieber mit Frauen, die sind entspannter“, sagt er. Am Sonntagvormittag gehe es nicht um Wettbewerb, sondern um das „schöne Spiel“.
Der Wind begleitet uns vom ersten Abschlag an. Am zweiten Loch höre ich: „Guck auf den Ball.“ Und: „Mach erst den Kopf hoch, wenn du getroffen hast.“ Ich sage mir das bei jedem Schlag. Gerade wenn die Böen einen verleiten, dem Ball sofort hinterherzusehen. Das Schöne ist: Er sagt es auch zu sich selbst.
Ich spiele noch nicht lange Golf. Vielleicht lerne ich deshalb gerade, wie viel dieses Spiel mit Reife zu tun hat. Man zählt selbst. Man bleibt ehrlich. Man tritt gegen sich an. Nicht gegen den anderen.

Mehr als die Hälfte meiner Abschläge landen heute erstaunlich nah bei seinen. Wenn wir gemeinsam Richtung Fairway gehen, sagt er nur: „Hauptsache einen Meter vor dir.“ Manchmal sind es auch drei Meter. Ich lache. Es ist kein Wettbewerb. Es ist ein Spiel mit Augenzwinkern.
Zwischen Bahn fünf und sechs erzählt er von seinem Sommerurlaub am Comer See und Gardasee. Beide hätten ihren Charme, sagt er. Ich denke: Wie auch du. Am sechsten Loch erfahre ich, dass er früher Chemielaborant war, später Wirtschaftsinformatiker wurde und als Eishockey-Torwart in der zweiten Bundesliga stand. Er bereut, Golf lange für elitär gehalten zu haben. Heute mag er, dass hier Menschen unterschiedlichster Herkunft zusammenkommen. Allein habe er noch nie gespielt.
Am siebten Loch landet mein Ball nur einen Meter neben seinem im Rough. „Du sollst das doch nicht nachmachen“, ruft er lachend. Beim nächsten Schlag treffe ich sauber. „Du solltest immer mit mir reden, wenn du schlägst.“ Ich lächle. Du alter Charmeur, denke ich.
Als wir uns später auf dem Parkplatz verabschieden, ruft er noch aus dem fahrenden Auto: „Eros Ramazotti, was will man mehr?“ Und „Più bella cosa“ begleitet seinen Abschied.
Ein schönes Spiel ist vielleicht nicht das mit den wenigsten Schlägen. Sondern das, bei dem man sich begegnet, nicht misst.
Schönes Spiel, Detlef.


