20, hungrig, preisgekrönt
12. Mai 2026 | von Nele SchubertZwischen Ausbildung und Auszeichnungen: Wie Clemens Schäftlein mit Talent, Ehrgeiz und nachhaltigem Arbeiten überzeugt - und Preise gewinnt.
Foto: Nele Schubert
Inhaltsverzeichnis
Der kleine Innenraum des Wirtshauses am Waldrand ist still, es ist Ruhetag. Heute bleiben die Stühle an den mit hölzerner Deko und Blumen geschmückten Tischen leer. Dennoch zieht aus der Küche der Duft von Gewürzen. In einem Topf köchelt Tomatenmarmelade, es ist warm und gemütlich – es wirkt, als würde das Restaurant nur darauf warten, morgen wieder Gäste zu empfangen.
Am Herd steht Clemens Schäftlein. Der Koch ist erst 20 Jahre alt – und erzählt seine Geschichte, die ihn schon erstaunlich angekommen wirken lässt in einer so anspruchsvollen Branche. Den Grundstein für seinen Weg in die Küche legte er früh: Bereits als Kind begeisterte ihn Arbeiten mit Lebensmitteln. „Ich habe immer bei den Großeltern mitgekocht“, erzählt er. Es folgten Praktika in Restaurantküchen und schnell war klar, dass es nach der Schulzeit dort weitergehen soll.

Der Einstieg in die Profiküche
Im August 2022 begann der damals 16-Jährige seine Ausbildung als Koch im Restaurant Schorse im Leineschloss – eine Küche, die für ihren gehobenen französischen Stil bekannt ist. Die Ausbildung war anspruchsvoll, die Verantwortung groß.
In der Gastronomie steht die Reflexion von Fehlern oft im Vordergrund, Mut und Durchhaltevermögen sind gefragt. „Da zweifelt man an sich selbst“, erinnert sich Schäftlein. Doch immer wieder fand er zurück zu seiner Motivation – die Freude am Handwerk war größer als die Unsicherheit und die Ausbildung war genau das, was er wollte.
Zwischen Druck und Erfolg

Schon bald suchte er neue Herausforderungen. Im zweiten Lehrjahr trat er bei seinem ersten Wettbewerb der BBS 2 in Hannover gegen andere Nachwuchsköche an – und gewann. Beim Zubereiten von Pilz-Tartelettes, Kaninchenrouladen und Grießdessert überzeugte er mit handwerklichem Geschick und sein nachhaltiger Umgang mit den Zutaten zeigte sich bereits hier. „Ich habe drauf geachtet, nicht so viel wegzuschmeißen” erzählt er.
Ein Jahr später folgten die Niedersachsenmeisterschaften mit einem sehr ähnlichen Menü. Er punktete mit seiner sauberen Arbeit und erreichte damit erneut den ersten Platz. Ein halbes Jahr nach der Abschlussprüfung im Juni 2025 stellte sich Schäftlein wieder der Konkurrenz: Bei den deutschen Meisterschaften bekochte er die Jury mit Kompositionen aus Lachs, Wachteleiern, Rinderhüfte und einem Dessert aus Marone und Himbeere. Wie bereits beim ersten Mal überzeugte er mit wenig Materialverlust und wurde dafür mit dem Nachhaltigkeitspreis des Wettbewerbs ausgezeichnet.
Bodenständig statt Sterneküche
Mit den Erfolgen im Rücken ging der Blick nach vorn. Sein guter Abschluss eröffnete ihm die Möglichkeit auf ein Stipendium der Region Hannover, um seinen Fachwirt im Gastgewerbe zu machen. Eine Position als Küchenmeister oder Küchenchef könnte er sich für später vorstellen. Höher hinaus zieht es ihn jedoch nicht: Ein eigenes Restaurant oder eine Karriere als Sternekoch reizen ihn wenig. „Ich möchte eine ehrliche Küche, die am selben Tag entsteht und wieder geht“, sagt Schäftlein. Monatelange Vorbereitungen, wie sie in der Sternegastronomie teilweise üblich sind, widersprechen seiner Vorstellung vom Kochen.
Heute arbeitet er in der Waldwirtschaft Bärenhöhle in Barsinghausen. Besonders gern probiert er sich in der vegetarischen Küche aus. „Mit Gemüse kann man am meisten spielen“ erzählt er. Und sein Lieblingsgericht? „Der Kartoffelsalat von Oma“. Dafür steht er allerdings ungern selbst am Herd – hier gibt er lieber den Kochlöffel ab. Ein kleiner Kontrast zu seinem Alltag, in dem er sonst andere bekocht.



