Zwischen Wellen und Werkbank
12. Mai 2026 | von Frauke HansenVom Surftraum zur internationalen Manufaktur: Richard Helmrich führt in Portugal den Standort der Familientischlerei in Isernhagen.
Foto: Helmrich's Interior Design
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Wenn Richard Helmrich von seinem Weg in den Süden erzählt, beginnt alles mit einer Sehnsucht – nach Sonne, Strand und atemberaubenden Wellen. Der Traum vom Surfen zieht den Isernhägener vor vier Jahren nach Ericeira in Portugal. Ein Designstudium soll die Ausbildung ergänzen und abschließen. Das ist nach neun Monaten beendet und schnell wird klar: Richard Helmrich will bleiben. Er arbeitet als Interior Designer, sammelt Erfahrungen – und erkennt das Potenzial eines Landes im Aufbruch.
Heute leitet er den Portugal-Standort der Familien-Tischlerei Helmrich. Zwischen wildem Atlantik und inspirierender Aufbruchsstimmung hat er mit Helmrich Interiors eine lokale Design-Stätte geschaffen, die mehr ist als ein klassischer Handwerksbetrieb. „Viele internationale Bauherren, Architekten und Designer investieren hier in hochwertige Projekte. Hier fehlt aber oft genau das, was wir aus Deutschland kennen: Verlässlichkeit, Präzision, Struktur“, sagt er. Eine Lücke, die Richard Helmrich füllt.
Designprozesse neu gedacht
Während in Isernhagen über Jahrzehnte gewachsene Abläufe greifen, ist Portugal dynamischer, manchmal auch unberechenbarer. Richard Helmrich ist hier nicht nur Tischlermeister, sondern Projektmanager, Schnittstelle, Problemlöser. Einer, der zwischen internationalen Architekten, Bauherren und lokalen Gegebenheiten vermittelt. „Man muss vieles neu denken – und gleichzeitig den eigenen Anspruch halten.“
Dieser Anspruch speist sich aus seiner Ausbildung: Tischlermeister, Betriebswirt, Handwerksmanager. Vor allem aber aus Erfahrung. Denn begonnen hat alles als One-Man-Show – mit Reparaturen vor Ort, Schritt für Schritt hin zu größeren Projekten. „Machen“, sagt er rückblickend. „Das hat mir das meiste beigebracht.“
In Portugal designt, in Deutschland gefertigt

Seine Projekte tragen heute die Handschrift beider Welten. Große, komplexe Arbeiten entstehen weiterhin in Deutschland – dort, wo Maschinen, Prozesse und Präzision auf höchstem Niveau greifen. In Portugal entstehen Planung, Design und Umsetzung vor Ort. Es ist ein Zusammenspiel, das funktioniert: industrielle Präzision und handwerkliche Detailarbeit aus Deutschland wird mit der Flexibilität und Nähe zum Projekt vor Ort in Portugal kombiniert.
Diese Kombination zeigt sich im Detail: Küchen aus jahrhundertealter Eiche, verarbeitet mit traditionellen Verbindungen, kombiniert mit moderner CNC-Technik. Räume, die nicht nur funktionieren, sondern ein Lebensgefühl transportieren. Denn Portugal verändert auch den Blick auf Gestaltung. „Hier wird emotionaler geplant, freier, oft mutiger“, sagt der Tischlermeister. Farbe statt Weiß, Leichtigkeit statt Strenge – aber immer mit Blick auf Funktion und Beständigkeit. Gerade die Nähe zum Meer fordert neue Lösungen.
Richard Helmrich denkt längst weiter. Der Standort in Portugal soll wachsen, Strukturen entstehen, vielleicht eine größere Werkstatt und ein Showroom. Gleichzeitig rückt auch Isternhagen wieder stärker in seinen Fokus. Ein Generationenwechsel steht an, neue Ideen warten. „Wir haben einiges vor“, sagt er und lacht.
Mehr Eindrücke auf Instagram: @hellmich.interiordesign



