Hannovers Reise zurück in die Zukunft
12. Mai 2026 | von Stefanie NickelDer Unternehmer Oliver Blume will parallel gleich zwei Problem-Immobilien in Hannovers Innenstadt zu echten Hinguckern machen.
Foto: The Box Group
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Er war die Zukunft: Der Fernsehturm hinter Hannovers Hauptbahnhof wurde Ende der 1950er-Jahre gebaut, um hannoversche Haushalte mit Radio und Fernsehen zu versorgen. Der Koloss aus Beton, in der Stadt liebevoll Telemoritz genannt, war Zeichen von Größe, Aufbruch, Möglichkeiten. Oliver Blume hat den Turm schon als Kind bewundert. „Der Telemoritz hat für mich auch einen emotionalen Wert, er ist ein Wahrzeichen der Stadt“, sagt er. Doch seit gut 30 Jahren steht der Turm nur noch herum, seit dem Bau des neuen Fernsehturms war der Telemoritz lange nur noch Werbetafel mit seinem riesigen VW-Logo. Dann fiel ein großer Betonstein auf den Boden. Und die Stadt stand vor ihrem mittlerweile denkmalgeschützten Turm und fragte: Und nun?
Oliver Blume liebt solche Fragen. Wie kann man es anders machen? Mit Antworten auf diese Frage hat der Hannoveraner Oliver Blume schon so manchen geschäftlichen Erfolg erzielt. „Ich bin ein disruptiver Unternehmer“, sagt er. Das zeigte er Anfang der 2000er Jahre: Da erkannte er die Umbrüche in der bis dahin stark traditionell geprägten Apothekenbranche und setzte dem System die Discounterapotheke mit Franchiseelementen entgegen. Die Easy-Apotheken war geboren. Auch seine Box-Hotels in Hannover und Göttingen waren umstritten, denn es gibt in den Zimmern mit zwei Einzelbetten auf vier Quadratmeter keine Fenster, dafür ist die Übernachtung günstig und unkompliziert. Nun will der 60-Jährige etwas umbauen, was noch eine Nummer größer ist: Hannovers Innenstadt.
Visionen für die Innenstadt
Aus Schandflecken Ikonen machen – das ist das, was Oliver Blume mit Blick auf die herausfordernden Immobilien vorschwebt, die er zuletzt erworben hat. 2024 wurde er Besitzer des ehemaligen Fernsehturms, 2025 kaufte er das Gebäude der ehemaligen Galeria-Kaufhof-Filiale an der Marktkirche in der hannoverschen Altstadt. „Ich schaue mir solche Immobilien an und sehe Möglichkeiten“, sagt er. Möglichkeiten sieht er nicht nur in Immobilien. Seine Unternehmungen reichen von Niemand Gin, wo er Geschäftsführer ist, bis zum internationalen Quantencomputer-Projekt in Hamburg, in das er investiert ist. Sein Ziel für seine Heimatstadt Hannover: Mehr Leben in die Innenstadt bringen. „Es soll bunter, vielfältiger und aufregender werden“, sagt er. Blume fordert: Hannover sollte wieder größer denken, schauen, wie andere Städte mit einzelnen, herausstehenden Immobilien ihre Attraktivität erhöht haben – und damit Nachahmern Mut machen.

Gerade hat das Schweizer Architekturbüro Herzog & de Meuron den Wettbewerb um die Gestaltung der ehemaligen Kaufhausimmobilie gewonnen. Hoch aufragende, rot geklinkerte Streben fassen das Gebäude ein, kombiniert mit viel Glas verleiht das dem etwas gestaucht wirkenden Gebäude neue Leichtigkeit. Das renommierte Büro hat die Elbphilharmonie in Hamburg gestaltet. Oliver Blume ist sich sicher: „Das wird spektakulär“. In die mittleren Etagen des rund 48.000 Quadratmeter umfassenden Gebäudes sollen rund 4000 Berufsschüler einziehen. Sie erhalten eine große offene, sich über zwei Etagen erstreckende Aula. Die Miete zahlt die Region Hannover. Ins Erdgeschoss kommen Handel und Gastronomie, in die oberen Etagen Wohnungen – vom Einraumapartment für Studierende bis hin zur großzügig gestalteten Mansardenwohnung.
Ein Turm wird neu gedacht

Und der Telemoritz? Aus dem ehemaligen Fernsehturm könnte ein Leuchtturm-Projekt werden: Der Turm soll eine Ummantelung mit 150 Mini-Apartments bekommen. Blume will Dachgärten anlegen lassen, Kultur- und Eventflächen aufbauen – und so Wohnraum und Kultur miteinander verbinden. Wenn die Baugenehmigung vorliegt, könnte es ganz schnell gehen. Die Bauzeit soll etwa neun Monate betragen. Baustart könnte 2027 oder 2028 sein.
Oliver Blumes Ideen enden nicht beim ehemaligen Kaufhof oder dem Fernsehturm. Zuletzt brachte er die Idee ein, das Ihmezentrum zu einer Hochschule für Künstliche Intelligenz umzubauen: „Es reizt mich, einer Immobilie, die eigentlich nicht mehr gebraucht wird, eine neue Identität zu geben.“


