Wo kreative Ideen wachsen dürfen
21. April 2026 | von Interview: Frauke HansenNeue Ideen, starke Netzwerke, mehr Gründerinnen: hannoverimpuls zeigt, warum Stadt und Region für Start-ups immer attraktiver werden.
Doris Petersen (l.) und Vivica Bree. Foto: Frauke Hansen
Hannover gilt als starker Wirtschafts- und Wissenschaftsstandort – doch auch für Start-ups und speziell Gründerinnen wird die Region zunehmend sichtbar. Doris Petersen, Geschäftsführerin bei hannoverimpuls, und Vivica Bree, Leiterin des Gründerinnen-Consult Teams, sprechen über Innovation, Netzwerke und darüber, warum Vielfalt ein entscheidender Motor für unternehmerischen Erfolg ist.
Frau Petersen, was genau macht hannoverimpuls?
Doris Petersen: Als Wirtschaftsförderungsgesellschaft für Stadt und Region Hannover ist es unsere Aufgabe, unternehmerisches Engagement zu fördern und gleichzeitig den Wirtschaftsstandort strategisch weiterzuentwickeln. Das reicht von individueller Gründungsberatung – diese ist übrigens kostenlos – bis hin zum Netzwerken zwischen Wirtschaft, Wissenschaft und Start-ups.
Welche Themen prägen diese Arbeit besonders?
Doris Petersen: Hannover hat einige starke Schwerpunkte. Ein wichtiger Bereich ist zum Beispiel die Gesundheitswirtschaft. Dafür haben wir die Dachmarke Health Innovation Hannover Region, kurz HIHR, aufgebaut. Darunter bündeln wir Akteure aus Medizin, Forschung, Pflege, Start-ups und Industrie. Ziel ist, dass diese Bereiche stärker zusammenarbeiten und neue Innovationen entstehen.
Ein weiterer Fokus liegt auf Produktionstechnologien – etwa in der Science Area 30X in Marienwerder, wo Unternehmen und Forschungseinrichtungen rund um optische Technologien arbeiten oder auch am benachbarten Maschinenbau Campus. Solche Stärken wollen wir auch bundesweit sichtbarer machen.
Sie setzen dabei auch auf Veranstaltungen und Wettbewerbe.
Doris Petersen: Ja, Netzwerke und Austausch sind enorm wichtig. Ein Highlight ist unser Gründungswettbewerb „Startup-Impuls“. Er ist mit insgesamt 100.000 Euro Preisgeld einer der höchstdotierten regionalen Gründungswettbewerbe in Deutschland. In vier Kategorien vergeben wir jeweils 25.000 Euro – echtes Preisgeld, das Start-ups direkt nutzen können.
Außerdem haben wir mit „Unleash“ eine große Konferenz aufgebaut, die die gesamte Start-up-Szene zusammenbringt – mit Workshops, Panels und vielen Möglichkeiten zum Austausch. Ein weiteres Format ist „Knowledge Move“. Dabei geht es um Technologietransfer: Wie schaffen wir es, Forschungsergebnisse schneller in wirtschaftliche Anwendungen zu bringen?

Warum ist Technologietransfer so wichtig?
Doris Petersen: Deutschland ist hervorragend in der Forschung – aber bei der Umsetzung in marktfähige Produkte haben wir noch Luft nach oben. Deshalb wollen wir Wissenschaft und Wirtschaft stärker vernetzen. Innovation entsteht häufig genau dort, wo unterschiedliche Perspektiven zusammenkommen.
Frau Bree, Sie leiten den Gründerinnen-Consult. Warum gibt es spezielle Angebote für Frauen?
Vivica Bree: Zunächst einmal zeigt sich, dass Frauen sehr stark gründen – der KfW-Gründungsmonitor weist etwa 44 Prozent Gründerinnen aus. Das ist ein sehr guter Wert. Wir sehen in der Praxis, dass Frauen ihre Gründung häufig sehr bewusst planen und dabei ihre gesamte Lebensrealität mitdenken. Sie erleben andere Ausgangsbedingungen und stellen andere Fragen. Unser Ansatz ist deshalb auf dieses Potential speziell einzugehen.
Unser Ansatz ist deshalb nicht, Defizite zu betonen, sondern das wirtschaftliche Potenzial sichtbar zu machen. Frauen bringen oft neue Perspektiven in Märkte, entwickeln andere Geschäftsmodelle oder erschließen Zielgruppen, die bisher wenig beachtet wurden.
Wie begleiten Sie Gründerinnen konkret?
Vivica Bree: Wir bieten spezialisierte Beratung, Veranstaltungen und Netzwerke an. Wichtig ist uns, dass Frauen sich verstanden fühlen und früh miteinander in Austausch kommen. Formate wie „Gründen ohne Filter“ zeigen zum Beispiel ganz realistische Gründungsgeschichten – mit Erfolgen, aber auch mit Herausforderungen.
Viele Frauen sind in ihrem Umfeld die ersten, die gründen. Dann entstehen natürlich Zweifel und Fragen. Genau deshalb sind Netzwerke so wichtig.
Welche Rolle spielen Zweifel im Gründungsprozess?
Vivica Bree: Zweifel sind völlig normal – und sie können sogar eine Stärke sein. Sich auf den Weg zu machen ist das Entscheidende und die Zweifel für Reflektion zu nutzen. Diese bewusste Herangehensweise kann langfristig ein großer Vorteil sein.
Trotzdem gibt es Unterschiede beim Zugang zu Kapital.
Doris Petersen: Ja, das ist tatsächlich ein Thema. Studien zeigen, dass nur etwa ein Prozent des Wagniskapitals an rein weibliche Start-ups geht, während gemischte Teams etwa neun Prozent erhalten. Das steht in keinem Verhältnis zur Qualität vieler Geschäftsmodelle.
Deshalb entwickeln wir Programme wie Mentoringformate für Gründerinnen, die sich speziell mit Kapitalakquise beschäftigen. Gleichzeitig bauen wir Netzwerke von Business Angels auf, um Finanzierungsmöglichkeiten in der Region zu erweitern.

Welche Trends sehen Sie aktuell bei Start-ups?
Vivica Bree: Wir beobachten viele nachhaltige Geschäftsmodelle und innovative Lösungen für die gesellschaftlichen Herausforderungen. Ein Beispiel ist ein Start-up, das einen algenbasierten Schwangerschaftstest entwickelt hat. Andere beschäftigen sich mit Themen wie Midlife-Gesundheit oder nachhaltigen Produkten.
Solche Ideen entstehen häufig aus persönlichen Erfahrungen – und genau darin liegt oft ihre Stärke.
Was wünschen Sie sich für die Zukunft des Gründungsstandorts Hannover?
Doris Petersen: Innovation ist ein wichtiger Motor für eine Stadt und ich wünsche mir, dass noch mehr Menschen ihre Ideen umsetzen. Hannover ist ein starker Wissenschaftsstandort und bietet ein enormes Potential für erfolgreiche Startups.
Vivica Bree: Weibliche Perspektiven sind der Hebel für gesellschaftlichen und damit wirtschaftlichen Erfolg eines Standortes. Und ich wünsche mir deshalb, dass Unternehmerinnendasein für alle zur Selbstverständlichkeit wird.


