Mit Energie für Hannover

11. September 2026 | von Frauke Hansen

enercity-Finanzvorstand Marc Hansmann spricht mit der nobilis über Familie, Energiewende und warum Hannover eine unterschätzte Stadt ist.

Hansmann in der modernen Umgebung des enercity Gebäudes, Porträtfoto, aufgenommen am 06.08.2026

Über Lehraufträge an verschiedenen Hochschulen und die hannoversche Kommunalpolitik ins Management: Marc Hansmann ist seit 2017 Vorstandsmitglied für Finanzen und Infrastruktur bei enercity. Im nobilis-Interview verrät er, was ihn antreibt und bewegt. 

Herr Hansmann, wenn Sie sich selbst in drei Worten beschreiben müssten: Welche wären das?

Wir haben gestern tatsächlich in der Familie darüber diskutiert. Meine Frau sagte, ich sei „zielstrebig“. Dazu würde ich „humorvoll“ nennen. Und als drittes Wort vielleicht „authentisch“.  Auch „engagiert“ würde passen.

Was treibt Sie morgens an?

Vor allem die Aufgabe, die Energie- und Wärmewende in Hannover erfolgreich zu gestalten. Das ist ein Thema, das mich wirklich bewegt. Gleichzeitig freue ich mich jeden Tag auf die Menschen bei enercity. Wir haben außergewöhnlich engagierte Kolleginnen und Kollegen. Oft beschäftigen wir uns mit Problemen und schwierigen Entscheidungen, trotzdem wird viel gelacht. Außerdem sind die Aufgaben intellektuell äußerst spannend. Die Energiebranche befindet sich im Wandel, und genau das macht die Arbeit so reizvoll.

Sie kommen aus der Wissenschaft. Was davon hilft Ihnen heute in Ihrer Arbeit?

Ich lese bis heute sehr viel, besonders Studien zur Energie- und Wärmewende sowie deren Finanzierung. Ich versuche, Entscheidungen und Projekte möglichst fundiert abzusichern. Beim Kohleausstieg oder bei der kommunalen Wärmeplanung greifen wir beispielsweise auf wissenschaftliche Erkenntnisse zurück. Außerdem arbeiten viele sehr qualifizierte Absolventinnen und Absolventen der Leibniz Universität Hannover bei uns, die wichtige Impulse geben.

Hansmann im Gespräch, Porträt eines Mannes mit Brille und blauem Anzug
Marc Hansmann im Gespräch über Energie, Hannover und die Herausforderungen der Wärmewende.

Wenn Sie auf Ihre berufliche Laufbahn zurückblicken: Gibt es einen roten Faden?

Ja, eindeutig. Es sind das Engagement und meine Verbundenheit mit Hannover. Mich treibt der Wunsch an, diese Stadt mitzugestalten.

Gab es Momente in Ihrer Karriere, in denen Sie Ihre Komfortzone verlassen mussten?

Besonders beim Wechsel von der Stadtverwaltung zu enercity. Kommunalfinanzen waren mein Spezialgebiet. In der Energiewirtschaft musste ich vieles neu lernen. Mir wurde bewusst, wie wenig ich eigentlich wusste. Das war herausfordernd. Eine zweite Phase war die Zeit, in der wir vorübergehend keine Vorstandsvorsitzende hatten. In dieser Zeit habe ich sehr viel gearbeitet und meine Arbeitsweise komplett umstellen müssen. Für vertiefte Analysen blieb kaum Zeit. Alles musste effizient und sehr strukturiert ablaufen. Das war weit außerhalb meiner Komfortzone.

Hansmann im modernen Büro vor dem enerci-Logo, Porträt am 06.08.2026
Seit 2017 im enercity-Vorstand: Marc Hansmann.

Viele Menschen empfinden die Energiewende als abstraktes Konzept. Wie erklären Sie sie am Beispiel Hannover?

Eigentlich ist sie gar nicht mehr abstrakt. Wer derzeit durch Hannover fährt, sieht die vielen Baustellen für die Fernwärme. Genau dort wird die Wärmewende sichtbar. Wir bauen das Fernwärmenetz massiv aus und verfolgen dabei einen sehr konsequenten Weg. Ziel ist es, einen Großteil der Mehrfamilienhäuser an Fernwärme anzuschließen. Gleichzeitig steigen wir aus der Kohle aus. Einen Block unseres Kohlekraftwerks in Stöcken haben wir bereits stillgelegt. Schritt für Schritt wird die Wärmeversorgung klimafreundlicher. 

Sie sagen, Hannover sei dabei Vorreiter. Warum?

Weil wir die Wärmewende in einer Konsequenz angehen, die man nur selten findet. Das gelingt allerdings nur durch die enge Zusammenarbeit mit der Stadtverwaltung. Jede Baustelle, jede Straßensperrung und jedes Bauprojekt müssen sorgfältig abgestimmt werden. Hannover hat sich über Jahre auf diesen Weg vorbereitet.

Gibt es technische Ideen, die in Zukunft eine größere Rolle spielen werden?

Wir prüfen beispielsweise den Einsatz von Kunststoffrohren in bestimmten Fernwärmenetzen. In Deutschland ist das noch eher ungewöhnlich, in Dänemark hingegen längst etabliert. Die Rohre lassen sich schneller verlegen, sind kostengünstiger und inzwischen technisch sehr leistungsfähig. Überhaupt können wir viel von anderen Ländern lernen.

Welche Themen faszinieren Sie privat?

Am meisten fasziniert mich meine Rolle als Vater. Meine Tochter wird bald 15 Jahre alt, und sie auf ihrem Weg zu begleiten, gehört zu den spannendsten Erfahrungen meines Lebens. Ich habe damals lange Elternzeit genommen und war immer ein sehr präsenter Vater. Darüber hinaus interessiere ich mich sehr für Wirtschaftsgeschichte. Das war bereits im Studium mein Schwerpunkt, und ich lese bis heute viel dazu.

Ist die Familie für Sie der wichtigste Ausgleich zum Berufsalltag?

Ja, unbedingt. Kinder holen einen in eine ganz andere Welt. Meine Tochter interessiert sich naturgemäß nicht besonders für meinen Job, hat ihre eigenen Themen und Gedanken. Wenn wir Zeit miteinander verbringen, hilft mir das enorm beim Abschalten. 

Wie entspannen Sie sonst?

Sehr gern im Kino. Mit meiner Tochter schaue ich viele Actionfilme. Demnächst steht „Spider-Man“ auf dem Programm. 

Hansmann im Gespräch, Porträtaufnahme mit unscharfem Stadtbild im Hintergrund
Marc Hansmann über seine Motivation: Hannover mitgestalten und die Wärmewende voranbringen.

Wie blicken Sie auf die junge Generation, die vor Ihren Augen heranwächst?

Ich mag das Selbstbewusstsein das Engagement für Umwelt und Gesellschaft. Positiv sehe ich auch die Selbstverständlichkeit, mit der viele junge Männer Verantwortung für ihre Familien übernehmen. Elternzeit und Teilzeit sind heute normal. Als ich Vater wurde, war das noch eher eine Ausnahme. Diese Entwicklung bringt uns bei der Gleichberechtigung deutlich voran.

Welche drei Orte mögen Sie in Hannover besonders?

Das Neue Rathaus, wo wir auch geheiratet haben. Dann die enercity-Zentrale mit ihrer offenen und transparenten Architektur. Und schließlich die Herrenhäuser Gärten mit dem Berggarten. 

Haben Sie ein Lieblingsrestaurant?

Ich esse sehr gern japanisch. Deshalb schwanke ich zwischen Sushi Gim und Sindo. Beide mag ich sehr.

Warum leben Sie so gern in Hannover?

Weil die Stadt eine besondere Mischung aus Gelassenheit und Funktionalität besitzt. Das ist ein großer Vorteil für die Lebensqualität und auch für Familien.

Was macht die Hannoveraner aus?

Wir sind vielleicht nicht so überschwänglich wie andere Regionen, aber wir sind freundlich, verlässlich und hilfsbereit.

Was sollte in Hannover bleiben und was darf sich verändern?

Bleiben sollte der konsequente Kurs bei der Energie- und Wärmewende. Er wird langfristig für Versorgungssicherheit und bezahlbare Energie sorgen. Verändern dürfte sich unser Selbstbild. Wir sind oft zu bescheiden und zu wenig stolz auf unsere Stadt. Hannover hat viele Qualitäten, die von außen häufig unterschätzt werden. Vielleicht sollten wir alle gemeinsam stärker dazu beitragen, diese Stadt nach außen sichtbar zu machen.