Das „XII Apostel“ im Pelikanviertel
31. August 2026 | von Maja HenschelEigentlich wollte sie nie ein Restaurant übernehmen. Heute führt Helena Sitnikov eines der bekanntesten Häuser Hannovers.
Helena Sitnikov (2. v. l.) und ihr Team vom 12 Apostel. Foto: Maja Henschel
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Als Helena Sitnikov vor einigen Jahren zum ersten Mal im XII Apostel saß, war sie selbst noch Gast. Die hohen Räume, die religiösen Details, die besondere Atmosphäre. Etwas an diesem Ort ließ sie nicht mehr los. „So ein Restaurant hätte ich gern gehabt“, erinnert sie sich heute an ihren ersten Eindruck. Damals arbeitete sie noch in einer anderen Branche, doch der Besuch blieb ihr im Gedächtnis. Kurz darauf fing sie selbst im Restaurant an.

Das XII Apostel gehört seit 20 Jahren zur hannoverschen Gastronomielandschaft. Viele Gäste verbinden mit dem Restaurant Familienfeiern, Geschäftsessen oder besondere Anlässe. Weniger bekannt ist, dass die Idee zum Interieur ursprünglich aus Italien stammt. Mehrere Kaufleute, die späteren Gründer des XII Apostel, sollen während einer Reise in Verona ein Lokal besucht haben, dessen Atmosphäre sie so beeindruckte, dass daraus das Konzept für das spätere Apostel-Restaurant entstand.
Der Moment der Entscheidung
Vor rund zwei Jahren drohte dem Standort in Hannover das Aus, denn der damalige Betreiber wollte sich auf andere Projekte konzentrieren. Eine Übernahme durch ein anderes Gastronomiekonzept stand bereits im Raum. Für viele Mitarbeiter hätte das vor allem eines bedeutet: Unsicherheit.
Für Sitnikov war diese Vorstellung schwer zu ertragen. Acht Jahre hatte sie bereits im XII Apostel gearbeitet, Veranstaltungen organisiert und miterlebt, wie Gäste hier Hochzeiten feierten, Jubiläen begingen oder sogar Heiratsanträge machten. „Ich hatte einfach das Bedürfnis, das Restaurant zu retten“, sagt sie.
Mehr als Gastronomie
Gemeinsam mit einem Investor gelang schließlich die Übernahme. Für die Mitarbeiter war das eine Erleichterung. Viele von ihnen arbeiten seit Jahren, manche sogar seit Jahrzehnten im XII Apostel. Dass sie geblieben sind, wertet Sitnikov als eines der größten Komplimente.

Wer mit ihr spricht, merkt schnell, dass sie weniger über Zahlen und Konzepte erzählt als über Menschen. Über Kollegen, die nach einem zwischenzeitlichen Jobwechsel wieder zurückkamen. Über Stammgäste, die mehrmals pro Woche vorbeischauen. Über die Hotels und Unternehmen in der Nachbarschaft, mit denen über die Jahre enge Verbindungen entstanden sind.
Auch kulinarisch hat sich das XII Apostel über die Jahre einen Namen gemacht. Bekannt ist das Restaurant vor allem für seine knusprigen Steinofenpizzen, die bis heute zu den beliebtesten Gerichten des Hauses zählen. Darüber hinaus bietet die Küche eine große Auswahl italienischer Klassiker. Von frischen Pasta-Gerichten über Fisch- und Fleischspezialitäten bis hin zu hochwertigen Steaks.

Das Prinzip Persönlichkeit

Trotz seiner Größe soll das XII Apostel kein anonymer Gastronomiebetrieb sein. Gerade deshalb werde bewusst darauf geachtet, ausreichend Personal einzuplanen und den persönlichen Kontakt zu pflegen. „Wir wollen, dass die Gäste sich willkommen fühlen“, sagt sie.
Und am Ende ist es das, was das XII Apostel über Jahre ausmacht. Nicht die Größe der Räume oder die lange Geschichte, sondern die Menschen, die geblieben sind, als es schwierig wurde.
Für Helena Sitnikov ist das Restaurant deshalb weit mehr als ein Arbeitsplatz. Es ist der Ort, den sie einst als Gast entdeckte und später vor dem Verschwinden bewahrte. Dass die Geschichte weitergeschrieben wird, zeigt sich auch hinter den bekannten Gasträumen: Die Apostelhalle, die in den vergangenen Monaten umfassend modernisiert wurde, ist heute wieder Schauplatz von Hochzeiten, Firmenfeiern und anderen Veranstaltungen. Während sich Konzepte und Trends in der Gastronomie verändern, entstehen hier weiterhin Erinnerungen und vielleicht ist das der Grund, warum das 12 Apostel auch nach 20 Jahren für viele Hannoveraner mehr ist als nur ein Restaurant.


