Im Theaterlabor

17. August 2026 | von Karen Roske

Die Theatergruppe Prinzip Rauschen bereitet sich mit Workshops und Shows auf die Leitung des Kindertheaters im Alten Magazin vor.

Performer im Theaterlabor mit futuristischer Beleuchtung und Kostüm, experimentelle Theaterkunstszene Malte Andritter im Stück "Unsichtbar" über Menschen, die sonst oft übersehen werden. Foto: Neele Herrmann

 

Am Sonntagvormittag ist es in der Stadtbibliothek an der Hildesheimer Straße noch stiller als sonst. In der offenen Tür zur Kinderbibliothek empfängt Hans Peters die Gäste zum monatlichen Kreativ-Workshop der Theatergruppe Prinzip Rauschen. Nach und nach tröpfeln etwa 20 Kinder im Grundschulalter herein und verteilen sich unbefangen im weitläufigen Raum: Die einen erkunden das Spielhaus in der Mitte, andere ziehen Bilderbücher aus dem Regal und verkrümeln sich in die Leseecken.

Fast unmerklich sind ein Cellist und eine Geigerin hereingekommen und beginnen auf ihren Instrumenten zu zupfen. Hans Peters verteilt bunte Sitzkissen auf dem Fußboden, die Kinder kommen ganz von selbst und setzen sich dazu. Er erklärt das heutige Thema: „Wir suchen ein Maskottchen für unser Kindertheaterhaus. Wissen alle, was das ist?“

Neues Leitungsteam für Kindertheater

In den folgenden eineinhalb Stunden gibt es spielerische Aufwärmübungen zur Musik, eine Action-Painting-Session und kreative Mal- und Bastelarbeiten in Kleingruppen. Heraus kommt ein zusammengesetztes Maskottchen auf Papier, die einzelnen Körperteile sind beklebt mit Federn und Flitter, bunt bemalt zum Beispiel mit Tattoos, einem blonden Rapunzelzopf und Sprechblasen.

Der Theatermacher und Sounddesigner Hans Peters bildet zusammen mit Theresa Frey, Malte Andritter und Nico Franke die Theatergruppe Prinzip Rauschen. Im vergangenen Jahr haben sie den Zuschlag von der Stadt Hannover bekommen, als neues Leitungsteam das Kindertheaterhaus im Alten Magazin an der Kestnerstraße zu übernehmen. Und sie haben das hannoversche Treppenhausorchester mit ins Boot geholt, das auch beim Maskottchen-Workshop mitgewirkt hat.

Gruppe von vier lachenden Menschen beim Theaterlabor
Nico Franke, Hans Peters, Malte Andritter und Theresa Frey sind Team von Prinzip Rauschen. Foto: Prinzip Rauschen

Co-kreative Forschungsarbeit

Darin zeigt sich ihre Arbeitsweise und Ästhetik: Ihr fantasievolles Objekttheater entsteht in co-kreativer Forschungsarbeit mit Kindern und Jugendlichen. „Dafür lauschen wir Stimmen und Erlebnissen der Menschen und bringen sie auf die Bühne – als zeitgenössisches Theater für junges Publikum, Hör-Ausflüge oder Theaterlabore. Unsere Inszenierungen leben von einer starken visuellen und atmosphärischen Sprache, die durch Technikaffinität und Bastel-Charakter geprägt sind.“

Ihr erstes Kinderstück „Wetterleuchten” über den Umgang mit der Welt wurde 2024 zum BEST-OFF-Festival der Stiftung Niedersachsen eingeladen. Ihr aktuelles Stück „Alpha“ dreht sich um Männlichkeit: „Wir kennen alle den großen Bruder, den fiesen Typen, den coolen Youtuber und den starken Superheld. Doch was gibt es noch?“ Es ist unter anderem mit Kindern der Grundschulen Alemannstraße und Mühlenberg entstanden. Ab September wird es in hannoverschen Schulen, in den Freizeitheimen Linden und Vahrenwald sowie beim Kulturbüro Südstadt gezeigt.

Kinder und Erwachsene beim Theaterlabor-Workshop auf einer Bühne mit Mikrofon und Bett im Hintergrund
Hans Peters bei der kreativen Forschungsarbeit mit Kindern. Foto: Prinzip Rauschen

Spielzeiteröffnung im September

Die Spielzeiteröffnung wird dezentral gefeiert. Denn anders als geplant, kann das neue Kindertheater noch nicht ins Alte Magazin einziehen, weil die Stadt mit den ehemaligen Betreibern im Rechtsstreit liegt. Prinzip Rauschen ist derweil in einem Büroraum beim städtischen Kulturbüro untergekommen und macht das Beste daraus: Die Theatermacher gehen dorthin, wo Kinder sind, und knüpfen Kontakte zu weiteren Schulen.

In der hannoverschen Kulturszene seien sie solidarisch aufgenommen worden, berichten sie. Und auch privat sind sie angekommen: Hans Peters ist mit seiner Familie aus Essen nach Hannover gezogen, Projektleiterin Theresa Frey hat zuletzt in Stuttgart gelebt, Kulturvermittler und Gamedesigner Malte Andritter in Brunsbüttel. Der Szenograf und Erlebnispädagoge Nico Franke bleibt mit Familie in Hildesheim wohnen – dort hatten sich die vier Mittdreißiger in den 2010er-Jahren beim gemeinsamen Studium kennen gelernt.