Ein Stern für das „Mohn“
27. September 2026 | von Frauke HansenSaisonal, regional, kreativ: Das Restaurant „Mohn“ in Hohenhorst wurde im Juni erstmals mit einem Michelin-Stern ausgezeichnet.
Seit zwei Jahren betreiben Laura Überschär und ihr Mann, Küchenchef Joris Hogervorst, in Hohenhorst bei Bad Nenndorf das Mohn. Das Restaurant im Landhaus-Stil wurde im Juni 2026 mit einen Michelin-Stern ausgezeichnet und gehört jetzt neben Jante, Votum, Handwerk und Marie zu den Spitzen-Restaurants in Hannover und Region.
Der Michelin-Guide sagt über das „Mohn“: „Man umsorgt Sie ausgesprochen freundlich und geschult, auch der Chef ist präsent. Holz und ruhige Töne schaffen dazu eine entspannte, gemütliche Atmosphäre.“ Laura Überschär hat nobilis über das Konzept ihres Restaurants erzählt.
Viele Spitzenrestaurants entstehen in Großstädten, das „Mohn“ ist in Hohnhorst. Was reizt Sie an der Ruhe und Überschaubarkeit des Landes?
Wir sind 2022 nach Deutschland gezogen, um eine Familie aufzubauen und in meinem Elternhaus zu wohnen. Es war klar, dass wir hier in der Gegend früher oder später ein Restaurant eröffnen würden. Das Führen eines Restaurants in Kombination mit einem Familienleben mit jungen Kindern ist schon herausfordernd an sich. Man muss die kostbare gemeinsame Zeit nicht noch durch Pendelzeiten unnötig verkürzen. Darüber hinaus möchten Leute aus der Gegend auch nicht immer in die Stadt fahren müssen, um etwas Schönes zu erleben. Die Gäste sind genau darüber dankbar. Außerdem ist die Location genau das, was zu uns und unserem Konzept passt. Eine Location in der Art wäre in der Stadt für uns wahrscheinlich unbezahlbar.
Ihre Küche wirkt leicht und zurückhaltend, gleichzeitig sehr präzise. Wie würden Sie Ihre kulinarische Handschrift beschreiben?
Wir wollen minimalistisch kochen, aber es muss verdammt lecker sein – und der Teller soll natürlich auch ein Augenschmaus sein. Gemüse, Umami und Texturen spielen eine wichtige Rolle.

Sie verbinden klassische Techniken mit modernen Methoden wie Fermentation oder Räuchern: Wo ziehen Sie die Grenze zwischen Trend und Substanz?
Wir wollen kreativ und innovativ kochen – solange die Aromen harmonieren, kochen wir ohne Grenzen.
Sie arbeiten stark mit regionalen Produkten. Was bedeutet „Region“ für Sie konkret?
Wir arbeiten vorzugsweise mit Produkten aus einem Radius von 30km. Dazu gehören zum Beispiel Gemüse, Fleisch, Garnelen und Zander. Gerade bei den tierischen Produkten ist die Auswahl in der unmittelbaren Umgebung nicht unbegrenzt, darum haben wir dies auch auf Niedersachsen beziehungsweise Norddeutschland ausgeweitet. Es gibt natürlich Ausnahmen, da unser Wein zwar vielfach aus Deutschland, aber natürlich nicht aus Norddeutschland kommt. Auch der Käse, den wir servieren, kommt insbesondere aus den Niederlanden.
Warum haben Sie sich bewusst für ein kompaktes Menü mit vier oder fünf Gängen entschieden?
Unsere Vision ist es, den Gast mit einigen Einstimmungshäppchen zu begeistern und willkommen zu heißen, während er sich noch entscheiden muss. Die darauffolgenden Gänge sollten nicht zu viel sein, sodass der Gast sich auch am nächsten Tag noch daran erinnern kann, was er gegessen hat und angenehm gefüllt nach Hause geht. Gleichzeitig möchten wir die Gäste auf eine kulinarische Reise mitnehmen.

Sie erklären viele Gerichte persönlich am Tisch – was bedeutet Ihnen der direkte Kontakt zu den Gästen?
Es ist natürlich toll zu sehen, wie die Gäste reagieren und direkt mit ihnen ins Gespräch zu kommen. Um die Arbeit hinter den besonders ausgewählten Zutaten (regional, saisonal) und komplexen Zubereitungen zu verstehen, ist es essenziell, den Gästen davon zu erzählen. Viele Gäste sind sehr interessiert und stellen auch Rückfragen.
Hat der Michelin-Stern etwas an Ihrem Alltag verändert?
Abgesehen von der Flut an Reservierungen, Mails und Anrufen bisher nicht. Die kleinen und größeren Herausforderungen des Restaurant- und Familien-Alltags sind dadurch leider nicht über Nacht verschwunden.
Spüren Sie bereits eine andere Erwartungshaltung bei den Gästen?
Auch hierbei ist es noch ein wenig zu früh, um dies beurteilen zu können. Was uns wichtig ist, zu betonen, ist, dass wir diese besondere Auszeichnung des Michelin-Sterns bekommen haben dafür, was wir tun und nicht für etwas, was wir nicht tun oder was vermeintlich zu einem Gourmetrestaurant dazugehört (oder auch nicht).

Gibt es ein Gericht, das Ihre persönliche Geschichte besonders gut erzählt?
Wahrscheinlich die Desserts, da Joris während der Zeit, in der wir uns kennengelernt haben, in der Patisserie des Hotels gearbeitet hat und ich dort regelmäßig Desserts und Gebäck für Gäste holte. Außerdem ist Joris eine echte Naschkatze und freut sich jedes Mal, wenn Gäste noch ein zweites Dessert bestellen, was recht regelmäßig passiert.


