Pilze sammeln in und um Hannover: Wo sich die Suche jetzt lohnt

29. September 2026 | von Roksana Leonetti

Raus in den Wald: Wo rund um Hannover Pilze wachsen, was beim Sammeln wichtig ist und welche Gerichte sich aus den Funden zaubern lassen.

Frisch gesammelte Pilze im Wald mit Korb – 01-pilze-sammeln-foto-magnific Foto: Magnific

Steinpilze im Deister, Maronen in der Wedemark oder eine geführte Pilzsuche mitten in Hannover: Im Herbst beginnt für Pilzfans eine der schönsten Zeiten des Jahres. Wir zeigen, wo sich die Suche in und um Hannover lohnt, wann die Chancen besonders gut stehen, was in den Korb gehört und was besser im Wald bleibt. Dazu gibt es aktuelle Termine für Pilzwanderungen und drei Rezepte für die Ausbeute aus dem Wald.

Es gibt diese Herbstmorgen, an denen sich frühes Aufstehen tatsächlich lohnt. Die Luft ist kühl, der Waldboden noch feucht und zwischen Moos, Laub und Farn zeigt sich plötzlich ein brauner Hut. Wer einmal einen schönen Steinpilz entdeckt hat, versteht schnell, warum Menschen Jahr für Jahr mit Korb und Messer in den Wald ziehen.

Rund um Hannover gibt es dafür reichlich Gelegenheit. Deister, Wedemark, Hildesheimer Wald und die Wälder im Neustädter Raum gehören zu den klassischen Pilzregionen. Selbst im Stadtgebiet lassen sich Pilze entdecken, wobei nicht jeder Fund auch in der Pfanne landen sollte.

Wann ist Pilzsaison in Hannover?

Die klassische Pilzsaison beginnt im Spätsommer und erreicht meist im September und Oktober ihren Höhepunkt. Einen festen Starttermin gibt es allerdings nicht. Entscheidend sind vor allem Regen und Temperatur.

Pilze mögen es feucht und vergleichsweise mild. Nach längeren Trockenperioden braucht der Waldboden zunächst ausreichend Niederschlag. Champignons können nach ergiebigem Regen bereits nach zehn bis 14 Tagen erscheinen, Steinpilze und Maronen brauchen häufig zwei bis drei Wochen.

Deshalb lohnt sich ein Blick aus dem Fenster manchmal mehr als einer in den Kalender: Folgen auf mehrere Regentage milde Temperaturen, kann es Zeit werden, den Korb hervorzuholen. Wie lange die Saison dauert, entscheidet ebenfalls das Wetter. Stärkere Fröste setzen vielen klassischen Herbstpilzen ein Ende.

Pilze sammeln im Wald – Foto von Magnific mit Pilzen am Baumstamm
Foto: Magnific

Wo kann man rund um Hannover Pilze sammeln?

Besonders interessant sind abwechslungsreiche Mischwälder mit unterschiedlichen Baumarten und Altersstufen. Und davon gibt es rund um Hannover einige.

Deister

Der Deister ist wohl das bekannteste Pilzrevier in der Region Hannover. Buchen, Eichen und Fichten sowie feuchtere Waldabschnitte bieten Lebensräume für zahlreiche Arten. Je nach Wetter und Standort lassen sich unter anderem Maronenröhrlinge, Steinpilze und andere Röhrlinge finden.

Wer zum ersten Mal loszieht, sollte allerdings nicht erwarten, direkt neben einem beliebten Wanderparkplatz fündig zu werden. Ein wenig Geduld gehört zur Suche dazu.

Wedemark

Nördlich von Hannover ist die Wedemark eine weitere gute Adresse. Pilzkenner empfehlen die Wälder bis in Richtung Heidekreis. Die Mischung aus Laub-, Nadel- und Mischwald schafft unterschiedliche Lebensräume.

Auch der NABU Wedemark bietet regelmäßig geführte Pilzexkursionen mit fachkundiger Bestimmung der gefundenen Exemplare an.

Neustädter Land

Rund um Neustadt am Rübenberge gibt es ausgedehnte Waldgebiete, in denen sich die Suche lohnen kann. Interessant sind vor allem Mischwälder abseits intensiv genutzter Flächen.

Wer in Richtung Steinhuder Meer unterwegs ist, sollte besonders auf Schutzgebiete achten. Der Naturpark selbst ist nicht automatisch für Pilzsammler tabu, in Naturschutzgebieten gelten jedoch strengere Regeln.

Wälder rund um das Steinhuder Meer

Der Naturpark Steinhuder Meer umfasst große Wald- und Landschaftsflächen. Grundsätzlich dürfen Pilze dort in geringen Mengen für den persönlichen Bedarf gesammelt werden, sofern keine besonderen Schutzbestimmungen dagegen sprechen.

Im Toten Moor und im Naturschutzgebiet Westufer Steinhuder Meer dürfen die offiziellen Wege jedoch nicht verlassen werden. Damit scheidet dort auch die Pilzsuche abseits der Wege aus. Vor dem Sammeln also immer auf Beschilderung und die jeweiligen Schutzbestimmungen achten.

Misburger Wald

Wer nicht weit aus Hannover hinausfahren möchte, findet östlich der Stadt mit dem Misburger Wald ein weiteres traditionell genanntes Pilzgebiet.

Pilze aus stark städtisch geprägten Bereichen, von belasteten Standorten oder aus unmittelbarer Nähe viel befahrener Straßen sollte man allerdings besser stehen lassen.

Hildesheimer Wald

Etwas weiter südlich beginnt der Hildesheimer Wald. Das große Waldgebiet mit seinen Laub- und Mischwaldbeständen wird ebenfalls regelmäßig als Pilzrevier genannt und lohnt sich für einen herbstlichen Ausflug.

Saupark und Wälder rund um Springe

Auch die Waldlandschaft rund um Springe bietet gute Bedingungen für zahlreiche Pilzarten. Im und um den Saupark gelten allerdings Schutz- und Nutzungsregelungen. Vor dem Sammeln sollte deshalb geprüft werden, ob es am jeweiligen Standort erlaubt ist.

Und egal, wohin die Suche führt: Ein guter Pilzwald ist keine Garantie für einen vollen Korb. Niederschlag, Temperatur, Boden, Baumbestand und der richtige Zeitpunkt entscheiden darüber, was tatsächlich zu finden ist.

Pilze sammeln im Wald – Nahaufnahme eines Pilzes, Foto von magnific
Foto: Magnific

Was landet typischerweise im Korb?

Zu den begehrtesten Funden gehören Steinpilze, Maronenröhrlinge und Pfifferlinge. Je nach Standort kommen Birkenpilze, Rotkappen, Hexenröhrlinge, Parasole und weitere Speisepilze hinzu.

Gerade Anfänger sollten sich nicht zu viele Arten auf einmal vornehmen. Röhrlinge sind für den Einstieg häufig leichter zu unterscheiden als Lamellenpilze. Bei Champignons und anderen Lamellenpilzen gibt es dagegen gefährliche Doppelgänger.

Die wichtigste Regel lautet deshalb:

Nur Pilze essen, die zweifelsfrei bestimmt wurden.

Eine Bestimmungs-App oder ein Pilzbuch können Hinweise liefern, ersetzen aber keine sichere Pilzbestimmung. Wer unsicher ist, sollte zunächst an einer geführten Pilzwanderung teilnehmen.

Was gehört zur richtigen Ausstattung?

Viel braucht es für die Pilztour nicht: einen luftigen Korb, ein kleines Pilzmesser, wetterfeste Kleidung, festes Schuhwerk und gegebenenfalls eine kleine Bürste zur ersten Reinigung.

Eine Plastiktüte gehört dagegen nicht zur Pilzausrüstung. Darin werden die empfindlichen Funde gedrückt und können durch Wärme und fehlende Luftzirkulation schneller verderben.

Unbekannte Pilze zur späteren Bestimmung sollten getrennt von den Speisepilzen transportiert werden, damit keine Bruchstücke eines möglicherweise giftigen Exemplars dazwischen geraten. Auch ein aktuelles Pilzbestimmungsbuch gehört zur sinnvollen Ausstattung.

Abschneiden oder herausdrehen?

Darüber wird unter Pilzsammlern gern diskutiert. Für eine fachgerechte Bestimmung ist es sinnvoll, einen unbekannten Pilz vorsichtig vollständig aus dem Boden zu entnehmen, denn auch die Stielbasis kann wichtige Merkmale liefern. Anschließend sollte die Stelle wieder mit Erde oder Laub bedeckt werden.

Wer eine Art sicher kennt und nur für die Küche sammelt, kann den Fruchtkörper sauber entnehmen und bereits im Wald grob von Erde befreien.

Wichtiger als die Frage „Schneiden oder Drehen?“ ist ohnehin, den Waldboden möglichst wenig zu beschädigen und nicht großflächig im Laub oder Moos herumzuwühlen. Der eigentliche Pilz lebt als feines Geflecht, das Myzel, überwiegend im Boden oder Holz. Was wir sammeln, ist sein Fruchtkörper.

Jung, fest und frisch sollte er sein

Der riesige Steinpilz macht auf dem Foto vielleicht besonders viel her, kulinarisch ist er aber nicht unbedingt der beste Fund.

Alte, weiche oder stark angefressene Pilze gehören nicht mehr in den Korb. Gibt beispielsweise der Hut eines Steinpilzes auf Druck deutlich nach und bleibt eine Mulde zurück, ist das Exemplar häufig bereits zu alt.

Solche „Pilz-Opas“ dürfen im Wald bleiben und dort ihre Sporen verbreiten. Ganz junge Exemplare sollte man ebenfalls stehen lassen, weil wichtige Merkmale zur sicheren Bestimmung möglicherweise noch nicht vollständig ausgeprägt sind.

Wie viel darf gesammelt werden?

Das Bundesnaturschutzgesetz erlaubt, Pilze an Stellen, die keinem Betretungsverbot unterliegen, in geringen Mengen für den persönlichen Bedarf pfleglich aus der Natur zu entnehmen. Wer große Mengen sammelt, um sie anschließend zu verkaufen, kann sich darauf nicht berufen.

Für bestimmte Arten und Schutzgebiete können weitere Regeln gelten. Deshalb gilt unabhängig vom Gesetz als gute Faustregel: Nur so viel mitnehmen, wie tatsächlich zeitnah verarbeitet und gegessen wird.

Wo man besser nicht sammelt

Nicht jeder Standort eignet sich für den Kochtopf. Direkt an stark befahrenen Straßen und Autobahnen, auf belasteten Industrieflächen sowie in Bereichen mit möglicher Schadstoffbelastung sollte man auf das Sammeln verzichten. Ähnliches gilt in unmittelbarer Nähe intensiv bewirtschafteter landwirtschaftlicher Flächen.

Betretungsverbote, Naturschutzgebiete und örtliche Beschilderungen sind selbstverständlich zu beachten.

Was tun, wenn man einen Pilz nicht kennt?

Im Zweifel bleibt er stehen. Besonders für Einsteiger ist eine geführte Pilzwanderung eine gute Möglichkeit, Arten und ihre typischen Standorte kennenzulernen.

Denn zur Bestimmung gehört weit mehr als die Farbe des Hutes: Lamellen oder Röhren, Stiel, Basis, Geruch, Verfärbungen und Standort können entscheidend sein.

Pilzvergiftung: Im Zweifel sofort reagieren

Treten nach dem Verzehr selbst gesammelter Pilze Beschwerden auf, sollte umgehend medizinischer Rat beziehungsweise ein Giftinformationszentrum hinzugezogen werden. Nicht darauf warten, ob die Beschwerden von selbst verschwinden.

Reste der gesammelten Pilze und der zubereiteten Mahlzeit sollten aufbewahrt werden. Sie können Fachleuten helfen, die verantwortliche Art zu bestimmen.

Das gilt übrigens nicht nur für Menschen: Auch Hunde können sich durch das Fressen giftiger Wildpilze vergiften.

Pilzwanderungen und Pilztermine 2026 in Hannover und der Region

Wer noch wenig Erfahrung hat, muss nicht allein losziehen. Für den Herbst 2026 gibt es mehrere Möglichkeiten, gemeinsam mit Fachkundigen auf Pilzsuche zu gehen.

10. Oktober 2026, 11 bis 14 Uhr, Stadtpilzsuche Hannover
Das Stadtteilzentrum Ricklingen lädt zur Stadtpilzsuche ein. Treffpunkt ist vor dem Stadtteilzentrum Ricklingen, die Teilnahme kostet 7,- €. Eine Anmeldung ist erforderlich.

24. Oktober 2026, 10 bis ca. 13 Uhr, Pilzexkursion in der Wedemark
Der NABU Wedemark geht gemeinsam mit einem Pilzexperten auf die Suche. Anschließend werden die Funde bestimmt, essbare Exemplare dürfen mitgenommen werden. Teilnahme: 8,- €, Kinder bis 14 Jahre kostenlos. Anmeldung über den NABU Wedemark.

7. November 2026, 10 bis ca. 13 Uhr, Pilzexkursion in der Wedemark
Ein weiterer Termin des NABU Wedemark: Gemeinsam sammeln, bestimmen und lernen, worauf es bei der Unterscheidung der Arten ankommt. Teilnahme: 8,- €, Kinder bis 14 Jahre kostenlos.

Pilze sammeln im Wald – Person reinigt frisch gesammelten Pilz, Foto von magnific
Foto: Magnific

Und was machen wir jetzt mit den Pilzen?

Der schönste Teil kommt nach dem Waldspaziergang. Wer ausschließlich sicher bestimmte Speisepilze im Korb hat, kann daraus unkomplizierte Herbstgerichte kochen.

Schnelles Pilzomelett

Für vier Personen:
8 Eier, 300 bis 400 g sicher bestimmte Speisepilze, 1 Zwiebel oder einige Frühlingszwiebeln, etwas Butter, Salz, Pfeffer, Schnittlauch oder Petersilie und nach Geschmack etwas Parmesan.
Pilze putzen, in Stücke schneiden und kräftig anbraten. Zwiebeln dazugeben. Die Eier verquirlen, mit Salz und Pfeffer würzen und in einer zweiten Pfanne in Butter stocken lassen. Pilze darauf verteilen, Kräuter und nach Geschmack Parmesan dazugeben und das Omelett zusammenklappen.

Cremiges Pilzrisotto

Für vier Personen:
350 g Risottoreis, etwa 400 g Pilze, 1 Zwiebel, 1–2 Knoblauchzehen, Gemüsebrühe, etwa 100 ml trockener Weißwein, Olivenöl oder Butter, Parmesan, Thymian, Salz und Pfeffer.

Zwiebel und Knoblauch fein schneiden und anschwitzen. Reis kurz mitrösten und mit Weißwein ablöschen. Nach und nach heiße Gemüsebrühe hinzufügen und regelmäßig rühren, bis der Reis cremig, aber noch bissfest ist.

Die Pilze separat kräftig anbraten und mit Thymian, Salz und Pfeffer würzen. Gegen Ende unter das Risotto heben und mit Parmesan abrunden.

Heiße Pilzsuppe

Für vier Personen:
500 g Pilze, 1 Zwiebel, 2 Knoblauchzehen, 2 EL Butter, etwa 1 Liter Gemüsebrühe, 200 ml Sahne, frischer Thymian, Salz und Pfeffer.

Pilze putzen und klein schneiden. Zwiebel und Knoblauch hacken und in Butter glasig dünsten. Pilze dazugeben und einige Minuten kräftig anbraten. Mit Gemüsebrühe aufgießen, Thymian hinzufügen und etwa 15 Minuten köcheln lassen.

Anschließend fein pürieren, Sahne einrühren und mit Salz und Pfeffer abschmecken. Einige separat gebratene Pilzscheiben machen sich zum Servieren besonders gut auf der Suppe.

Noch ein wichtiger Küchentipp

Wildpilze sollten möglichst frisch verarbeitet und ausreichend erhitzt werden. Und auch beim Kochen gilt die wichtigste Regel des ganzen Ausflugs: Was nicht eindeutig als essbar bestimmt wurde, kommt nicht in die Pfanne.

Dann steht einem ziemlich perfekten Herbsttag nichts mehr im Weg: morgens durch einen feuchten Wald rund um Hannover streifen, mittags mit einem Korb nach Hause kommen und abends landet der Herbst auf dem Teller.