Florian Battermann: 30 Jahre Bühnenleidenschaft

18. August 2026 | von Johanna Ahrbecker

Mit Beharrlichkeit, Optimismus und Humor prägt Florian Battermann seit drei Jahrzehnten die Bühnenlandschaft Hannovers.

Mann sitzt entspannt auf grauem Sofa vor Regal mit Dekoration, Szene fr nobilis web Florian Battermann im Bühnenbild "Eine geniale Idee" im Neuen Theater. Foto: Johanna Ahrbecker

Etwas versteckt, direkt gegenüber der Staatsoper Hannover, befindet sich ein schmaler Eingang. Zwischen Cafés und Geschäften übersieht man es schnell, das Tor in andere Welten. „Hier steigen die Leute für zwei Stunden aus dem Hamsterrad aus“, sagt Florian Battermann, der zu seinem 30. Bühnenjubiläum da auf der Bühne steht, wo alles für ihn begann: im Neuen Theater.  

Zwischen Studium und Bühne  

Damals studiert Battermann an der Leibniz Universität Hannover Germanistik und Geschichte. Gleichzeitig ist er Teil einer Studierendentheatergruppe und lernt schließlich eine Schauspielerin kennen, die eine entscheidende Idee ausspricht: „Bewirb dich doch mal als Regieassistent im Neuen Theater“.  

Er greift zum Telefon und erhält … eine Absage. Es werde aktuell niemand gesucht. „Rufen Sie später wieder an“, erinnert sich Battermann an die Antwort. Sein Gesicht verrät heute keine Spur der damaligen Enttäuschung. Kleine Lachfältchen umspielen seine Augen. „Aber was ist später? Also habe ich jeden Monat angerufen.“  

Theaterszene mit zwei Darstellern, ein Mann im Anzug und eine Frau mit Schürze, aus dem Nobilis-Web-Auftritt
Battermann an der Seite von Renate Bopp in "Boeing! Boeing!". Foto: Neues Theater

Entscheidende Hartnäckigkeit  

Heute ist der gebürtige Hannoveraner Künstlerischer Leiter des Neuen Theaters und Inhaber der „Komödie am Altstadtmarkt“ in Braunschweig. Die Hartnäckigkeit hat sich ausgezahlt. Ein halbes Jahr hat es gedauert, schätzt Battermann, bis er schließlich seine erträumte Stelle bekam.  

„Ich wollte nicht nur schauspielern“, erklärt er. „Ich wollte auch Regie führen – und mein Studium abschließen.“ So kommt eine klassische Schauspielausbildung damals nicht für ihn infrage. Doch das Neue Theater unterstützt seinen Wunsch und ermöglicht ihm vier Jahre Schauspielunterricht bei verschiedenen Schauspiellehrern, alles während des Studiums. Nach und nach lässt Battermann schließlich rund 70 Komödien, Krimis und Schauspiele entstehen und wird zu einem der meistgespielten Bühnenautoren in Deutschland.  

Was Theater kann  

Sein bislang größter Erfolg als Bühnenautor ist „Oskar Schindlers Liste“. Ein Stück über einen jüdischen Jungen, der den Holocaust mithilfe eines Buchhändlers überlebt. Bereits Aristoteles sah im Theater einen Ort der Katharsis (altgriechisch für „Reinigung“), also eines Mitfühlens, das verdrängte Gefühle im Zuschauer hervorruft und dadurch befreiend wirken kann.  

Der Bühnenautor hat jedoch auch eine große Vorliebe für Stücke, die das Publikum herzhaft zum Lachen bringen. Im Theater sollen sich die Zuschauer zwei Stunden lang wohlfühlen können. „Auch lachen befreit. Und das Leben ist so viel schöner, wenn man lacht“, sagt er.  

Schwarzweißfoto mit drei Personen, die sich um ein kunstvoll bemaltes Möbelstück versammeln – bilder-nobilis-web-7
Battermann in "Nicht schwindelfrei". Foto: Joachim Giesel

Ein Ort zum Wohlfühlen  

Für drei Jahre wurde Bonn zur Bühne seines Lebens. Dort arbeitete er als stellvertretender Theaterleiter am „Kleinen Theater Bad Godesberg“. Doch „das Neue Theater war immer da“. Mit seinen 150 Plätzen ist es verhältnismäßig klein, Publikum und Schauspieler sind sich sehr nah. „Du kannst den Leuten auf der Bühne die Hand geben“, beschreibt es Battermann. Eine Atmosphäre, die er sehr schätzt.  

Und so steht er auch 2026 wieder zwischen den roten Vorhängen und feiert mit dem Stück „Eine geniale Idee“ sein 30. Jubiläum.  

Modernes Theater  

In drei Jahrzehnten wandelt sich so einiges, auch das Theater. „Alles wird schneller“, sagt Battermann, meint es aber nicht wertend. Die Sehgewohnheiten der Menschen verändern sich und die Stücke werden entsprechend angepasst. Mehr „knallen“ müsse es, und weniger „plätschern“. Auch bei den Rollenbildern hat ein Umdenken stattgefunden. „Früher war Komödientheater in der Regel: Mann ging fremd, Frau merkte es nicht oder verzieh ihm großzügig“, sagt er. „Und immer haben die Männer gewonnen. Also wenn man sowas wie Gerechtigkeit möchte, dann sind jetzt auch erstmal die nächsten paar hundert Jahre Frauen dran zu gewinnen.“  

Eines Tages in den Ruhestand zu gehen, kann er sich kaum vorstellen. „Andere würden vielleicht sagen: bis 70 arbeiten, um Gottes willen! Und ich denke nur: Was mache ich dann danach?“  

Schauspieler in klassischem Anzug telefoniert an einem alten Telefon vor Bücherregal – Szene aus Nobilis Theaterstück
Battermann in "Die Mausefalle". Foto: Neues Theater