Hannovers verborgene Geschichte: Die Sportstadt Hannover

18. August 2026 | von Vanessa Erstmann

Ein Blick in die sportliche Stadtgeschichte Hannovers zeigt: Der Ruf der ambitionierten Sportstadt reicht weit zurück.

Historische Aufnahme einer Kraftsport-Gruppe mit Kettlebells, vermutlich aus dem 19. Jahrhundert Gruppenfoto junger Turner aus Linden um 1890. Foto: Historisches Museum Hannover

 

Die sportlichen Wettkämpfe, die sich in jenem Sommer ereigneten, gingen als ein Sportspektakel der Superlative in die Geschichte Hannovers ein. Rund 300.000 Gäste aus dem In- und Ausland waren in die Leinestadt gereist, um an einer groß angelegten Sport- und Festwoche teilzunehmen. Für Hannover war das sportliche Ereignis zweifellos eine der ersten großen Imageaktionen.  

Es war der Sommer des Jahres 1913, in dem Hannover in Anwesenheit von Kaiser Wilhelm II. sein gerade erst fertiggestelltes Neues Rathaus mit einem sportlichen Begleitprogramm einweihte. Der Name Hannover sollte nach Wunsch der Organisatoren „in jedes Deutschen Munde“ liegen. Tatsächlich entpuppte sich das Sportevent als mediengestütztes Großereignis.

Zahlreiche Sportvereine und Meisterschaften

Hannover bot schon früh die Voraussetzungen, sich den Ruf einer Sportstadt zuzulegen. Um 1900 existierten bereits mehrere hundert Turn- und Sportvereine in der Stadt, dazu zählten neben dem ältesten Rasensportverein Deutschlands diverse Ruderclubs, Radfahr-, Schwimm- und Rugbyvereine. Zugleich konnte sich Hannover als Austragungsort von Meisterschaften und durch sportliche Wettbewerbe wie Pferderennen, Ruderregatten und Radrennen ein überregionales Ansehen erkämpfen.  

Historische Schwarzweiß-Aufnahme einer großen Frauengruppe in Badeanzügen in einem Hallenbad, vermutlich Anfang 20. Jahrhundert
Die Damen des Schwimm-Vereins „Vineta“ zeigten sich begeistert vom Goseriedebad, dem modernsten Schwimmbad des Landes. Foto: Historisches Museum Hannover

Keine andere Stadt nutzte den Sport zu Beginn des 20. Jahrhunderts derart ausgiebig als städtischen Werbefaktor wie Hannover. „Sport war modern, und eine sich modern und dynamisch gebende Großstadt unterstützte diese Entwicklung baulich und auch touristisch“, erklärt Prof. Bernd Wedemeyer-Kolwe vom Niedersächsischen Institut für Sportgeschichte. Vor allem der sportbegeistere Stadtdirektor Heinrich Tramm witterte in der allgemeinen Sportbewegung eine Chance zur Stadtvermarktung. Durch den Bau moderner Sportstätten konnte Heinrich Tramm den von ihm reklamierten Anspruch Hannovers als „die deutsche Sportstadt“ untermauern. Einen systematischen Plan zum Ausbau des hannoverschen Sportwesens gab es damals allerdings nicht, weshalb die Stadt ihren Vorsprung bald verspielte.

Historische Aufnahme der neuen Rennbahn in Hannover mit Tribüne und Besuchern
Die neue Rennbahn auf der Großen Bult zählte zu den beliebten Sportstätten des frühen 20. Jahrhunderts. Foto: Historisches Museum Hannover

Von der „Sportstadt Nr.1“ zum „Sportdorf“?

Erst Ende der 1950er Jahren erlebte der alte Titel „Sportstadt“ eine Renaissance. Hannover feierte sich als Deutschlands „Sportstadt Nr. 1“ – bis Anfang der 1970er Jahre aufgrund des drohenden Bundesliga-Abstiegs von Hannover 96 der Niedergang zum „Sportdorf“ gefürchtet wurde. Diese Furcht erwies sich als unbegründet: Die sportliche Identität der Stadt ist nicht allein abhängig von der Spielklasse der Profifußballer, sondern bis heute geprägt von einer hohen Vereinsdichte, sportlichen Großveranstaltungen und der sportlichen Vielfalt und Qualität. Längst haben die erfolgreichen Teams der Recken oder der TKH Luchse ihrerseits großes Ansehen für den Sport und die Stadt erspielt. Vom 23. bis 26. Juli kann sich Hannover dann einmal mehr vor großem Publikum als eine der ambitioniertesten Sportstädte Deutschlands präsentieren. 

Historisches Schwarzweiß-Foto von Menschenmenge bei Ballonstart mit Pelikan-Ballon, Anfang 20. Jahrhundert
Auf dem Waterlooplatz starteten Ballonwettfahrten anlässlich der Sport- und Festwoche. Foto: Historisches Museum Hannover