Sterne des Sports 2026: Wenn Sport weit mehr bewegt als Menschen
12. August 2026Sterne des Sports 2026: Die Hannoversche Volksbank zeichnet Ehrenamt aus. Der MTV Hildesheim gewinnt den Großen Stern des Sports in Bronze.
Foto: Hannoversche Volksbank/Axel Herzig
Beim „Sterne des Sports“ 2026 hat die Hannoversche Volksbank gemeinsam mit den Sportbünden das gesellschaftliche Engagement der Vereine in der Region ausgezeichnet. Fünf Projekte schafften es ins Finale – mit Ideen, die zeigen, dass Sport weit über Bewegung hinausgeht. Den Großen Stern des Sports in Bronze holte der MTV von 1848 Hildesheim.
Was kann ein Sportverein bewegen? Ziemlich viel, wenn man den fünf Vereinen zuhört, die beim „Sterne des Sports“ im Expo-Wal Hannover auf der Bühne standen. Da geht es um Kinder, die Demokratie beim Sport erleben. Um schwerkranke junge Menschen, zu denen das Fitnessstudio nach Hause kommt. Um Bewegung im Kindergarten und Sportanlagen, die zum Treffpunkt für ein ganzes Dorf werden.
Bereits zum 23. Mal zeichnete die Hannoversche Volksbank gemeinsam mit dem Stadtsportbund, dem Regionssportbund Hannover sowie den Kreissportbünden Hildesheim und Celle besonderes gesellschaftliches Engagement von Sportvereinen aus. Aus 16 Bewerbungen hatten es fünf Projekte in die Endrunde geschafft.

„Die Vereine leisten weit mehr als sportliche Arbeit. Sie schaffen Begegnungen, fördern Integration, vermitteln Werte und stärken den Zusammenhalt in unserer Region“, sagte Matthias Battefeld, Vorstandsmitglied der Hannoverschen Volksbank. Für die Genossenschaft passe dieses Engagement zur eigenen Verwurzelung in der Region: „Was einer alleine nicht vermag, das schaffen dann ganz viele.“ Ein Prinzip, das sich auch im Vereinsleben wiederfinde.

Schirmherrin Fabienne Königstein kennt die Kraft des Ehrenamts
Eine, die weiß, welchen Unterschied engagierte Menschen im Sport machen können, ist Fabienne Königstein. Die Marathonläuferin übernahm in diesem Jahr die Schirmherrschaft der „Sterne des Sports“. Kurz vor ihrem nächsten großen Wettkampf nahm sie sich Zeit für die Vereine und erinnerte an die Menschen, die ihre eigene Laufbahn begleitet haben: „Die ehrenamtlichen Trainer, die neben Beruf und Familie sich dann abends nochmal auf den Sportplatz gestellt haben“, hätten ihr bei Wind und Wetter die Freude an Sport und Bewegung vermittelt.

Der Große Stern des Sports geht nach Hildesheim
Am Ende überzeugte der MTV von 1848 Hildesheim die Jury mit seinem Projekt „Wir bewegen Kinder: Minisportabzeichen mit Kindertagesstätten“. Die Idee setzt dort an, wo sich der Alltag vieler Familien verändert hat: Kinder verbringen mehr Zeit in Kita und Ganztagsschule, Bewegung kommt dabei mitunter zu kurz. Deshalb geht der Verein dorthin, wo die Kinder sind – in die Kindertagesstätten. Beim Minisportabzeichen trainieren Drei- bis Sechsjährige spielerisch grundlegende Fähigkeiten wie Rollen, Hüpfen und Balancieren.
„Die Kinder kommen nicht mehr automatisch in den Sportverein“, erklärte Diana Welz vom MTV auf der Bühne. Genau deshalb wolle man den klassischen Weg umdrehen: „Wir wollen rausgehen, wir möchten das auch in die Kindergärten bringen, um einfach alle Kinder in der Bewegung zu fördern.“ Mit dem Großen Stern in Bronze qualifiziert sich der MTV nun für den Landesentscheid und vertritt dort die Region.

Zwei zweite Plätze und ein Projekt, das berührt
Aufgrund von Punktgleichheit vergab die Jury gleich zwei zweite Plätze. Einer ging an Herzschläger e.V. aus Hannover. Der Verein hat einen Lkw in ein mobiles Sportstudio für schwer und palliativ erkrankte Kinder und Jugendliche verwandelt. Das „Superheldenmobil“ fährt dorthin, wo die jungen Menschen sind: nach Hause, ins Krankenhaus oder ins Hospiz.
Die Geschichte dahinter berührte den Saal. Vereinsgründer Torge-Christian Wittke hatte vor Jahren ein schwer erkranktes Mädchen begleitet, das irgendwann nicht mehr zum Sport kommen konnte. Aus dieser Erfahrung entstand die Idee, den Sport zu den Kindern zu bringen. „Inklusion ist ein Recht, das wir ein Leben lang haben. Inklusion endet nicht“, sagte Wittke. Jedes Kind, das Sport machen möchte, solle diese Möglichkeit „bis zu seinem letzten Tag“ bekommen.

Ebenfalls auf Platz zwei landete der AthletikSportVerein Wunstorf Südaue mit der „MitMachZeit“. Hier entscheiden Kinder und Jugendliche selbst, was im Training passiert. Sie stimmen ab, lernen Mehrheitsentscheidungen zu akzeptieren und reflektieren anschließend gemeinsam. Sport wird so zum Lernort für Demokratie und Beteiligung. „Sport ist mehr als Bewegung, Sport ist Gemeinschaft“, brachte Jessika Dziony-Sommerhage die Haltung des jungen Vereins auf den Punkt.
Sportverein als Wohnzimmer des Dorfes
Auch die beiden weiteren Finalisten zeigten, wie Vereinsleben neu gedacht werden kann. Der SV Wilkenburg möchte seine Sportanlage stärker für alle Menschen öffnen – unabhängig von Alter, Leistungsniveau oder Vereinsmitgliedschaft. Die Idee: Türen öffnen, neue niedrigschwellige Angebote schaffen und damit Menschen erreichen, die sich im klassischen Mannschaftssport nicht wiederfinden.
Der TSV Groß Munzel wiederum versteht sich längst nicht nur als Sportanbieter. „Wir sind das Wohnzimmer des Dorfes“, hieß es auf der Bühne. Die Menschen kämen wegen des Sports, „aber sie bleiben dann wegen der Gemeinschaft“. Selbst Mitglieder, die körperlich keinen Sport mehr treiben können, bleiben Teil des Vereinslebens.

Ein Stern ging an diesem Abend nach Hildesheim. Viel Applaus aber an alle fünf Finalisten. Denn ob Minisportabzeichen, Demokratie im Training, ein mobiles Sportstudio für schwerkranke Kinder oder der Sportverein als Wohnzimmer des Dorfes: Die Projekte zeigen, wie viel gesellschaftliches Leben heute in Vereinen stattfindet und wie viele Menschen dafür ihre Zeit, ihre Ideen und nicht selten ihr Herzblut investieren. Matthias Battefeld würdigte deshalb ausdrücklich alle Teilnehmer: „Die heutige Entscheidung der Jury zeichnet einen Sieger aus. Gewinner sind jedoch alle Vereine, die sich tagtäglich für die Menschen vor Ort engagieren.“


