Kommunalwahl 2026 in Hannover: Was entscheiden Oberbürgermeister:in und Regionspräsident:in?

27. August 2026 | von Roksana Leonetti

Wer entscheidet was in Hannover? Wir erklären, was Oberbürgermeister:in und Regionspräsident:in bewegen können und wo ihre Grenzen liegen.

Oberbürgermeister-Kandidaten bei einer Podiumsdiskussion zur Wahl 2026 in Hannover, mit Maren Kaminski, Peter Karst, Belit Onay und Axel von der Ohe Hannover vor der Wahl: Bei Civilia stellten sich die Kandidaten für das Oberbürgermeisteramt den Fragen zur Zukunft der Stadt. Foto: Roksana Leonetti

Lebenswerte Quartiere, Kultur, gute Schulen, funktionierende Bahnen, sichere Straßen oder eine starke Wirtschaft: Vieles von dem, was das Leben in Hannover ausmacht, wird kommunal entschieden. Doch von wem eigentlich? nobilis schaut kurz vor der Wahl hinter die Kulissen von Stadt und Region.

Wer durch Hannover fährt, begegnet Politik, ohne es zu merken. Der gepflegte Park, die Kita um die Ecke, das Theater am Abend, die Stadtbahn nach Hause, das Krankenhaus im Notfall. All das gehört zu dem, was eine Stadt lebenswert macht und damit durchaus zu den Themen, die uns beschäftigen.

Nur: Wer entscheidet darüber?

Die Antwort ist komplizierter, als man denken könnte. Denn Hannover ist nicht nur die Landeshauptstadt. Hannover ist auch eine Region aus 21 Städten und Gemeinden mit rund 1,2 Millionen Menschen. Am 13. September werden deshalb gleich mehrere politische Ebenen neu bestimmt: Regionsversammlung, Regionspräsident, Oberbürgermeister, Rat der Stadt Hannover und die 13 Stadtbezirksräte. Im Umland werden zudem Gemeinderäte, Ortsräte und Bürgermeister gewählt.

Der Chef der Stadt, aber nicht ihr Alleinentscheider

Am meisten Aufmerksamkeit bekommt traditionell die Wahl des Oberbürgermeisters. Er wird direkt gewählt, leitet die Stadtverwaltung und repräsentiert Hannover nach außen. Aber er entscheidet keineswegs allein darüber, wohin sich die Stadt entwickelt.

Über den Haushalt, große Bauprojekte, Schulen, Kitas, Wirtschaftsförderung oder Kultur entscheidet grundsätzlich der Rat. Der Oberbürgermeister führt die Verwaltung, bereitet Entscheidungen vor und sorgt dafür, dass Beschlüsse umgesetzt werden.

Wie unterschiedlich dieses Amt interpretiert werden kann, war bei einer Kandidatenrunde zu erleben, die wir besucht haben. Peter Karst (CDU) sprach viel über Sicherheit, Sauberkeit und eine effizientere Verwaltung. Axel von der Ohe (SPD) warb unter anderem für eine „One-Stop-Agency“ für Unternehmen. Maren Kaminski (Die Linke) setzte Akzente bei Wohnen und sozialer Teilhabe. Amtsinhaber Belit Onay (Grüne) verteidigte seinen Kurs bei Klimaschutz, Wärmewende und Verkehr.

Vier Kandidaten, vier Schwerpunkte. Doch für jeden, der ins Neue Rathaus einzieht, gilt: Ohne Mehrheiten im Rat lässt sich vieles anstoßen, aber längst nicht alles durchsetzen.

Kandidatenrunde zur Regionsprsidentenwahl in Hannover bei einer Podiumsdiskussion
Hannover fragt nach: Beim Kandidatencheck der Neuen Presse stellten sich die Bewerberinnen und Bewerber um die Regionspräsidentschaft der Debatte. Foto: Roksana Leonetti

Die Region ist näher, als man denkt

Spätestens beim Blick über die Stadtgrenze kommt die Region ins Spiel. Sie verbindet die Landeshauptstadt mit 20 weiteren Städten und Gemeinden. Dort gibt es eigene Bürgermeister und Räte – von Burgdorf über Garbsen bis Springe.

Die Region übernimmt Aufgaben, die über einzelne Stadtgrenzen hinausgehen: etwa Busse und Bahnen, Abfallentsorgung, Kliniken, Rettungsdienst, berufsbildende Schulen und Regionalplanung. Die Regionsversammlung trifft die grundlegenden politischen Entscheidungen. Der ebenfalls direkt gewählte Regionspräsident führt die Verwaltung und setzt die Beschlüsse um.

Wie sehr diese Themen unseren Alltag berühren, brachte Sinja Münzberg (Grüne) bei einer von uns besuchten Kandidatenrunde auf den Punkt: Die Menschen hätten täglich mit der Region zu tun, häufig ohne es überhaupt zu wissen. Eine hohe Lebensqualität sei zugleich gute Wirtschaftsförderung. 

Andere Kandidaten setzen andere Akzente. Robert Reinhardt-Klein (FDP) fordert für Unternehmen einen festen Ansprechpartner und qualifizierte Antworten innerhalb von 14 Tagen. Dr. Oliver Junk (CDU) möchte die Rathäuser der 21 Kommunen stärken. Mizgin Çiftçi (Die Linke) nennt einen besonders handfesten Auftrag der Region: einen ÖPNV, mit dem Menschen zuverlässig zur Arbeit kommen. 

Politik beginnt vor der Haustür

Und selbst innerhalb Hannovers ist nicht alles Sache des Neuen Rathauses. Die Stadt ist in 13 Stadtbezirke gegliedert. Ihre Bezirksräte kümmern sich um Angelegenheiten, die unmittelbar das jeweilige Quartier betreffen. Die Bezirksbürgermeister werden dabei nicht direkt gewählt, sondern von den jeweiligen Bezirksräten bestimmt.

So entsteht ein Geflecht aus Zuständigkeiten, das kompliziert klingt, unseren Alltag aber unmittelbar prägt. Und Stadt und Region müssen dabei immer wieder zusammenspielen. Verkehr, Wirtschaft, Wohnen, Gesundheit oder Fachkräfte halten sich schließlich nicht an Verwaltungsgrenzen.

Für uns ist deshalb vielleicht weniger interessant, wer welches politische Amt gewinnt, als die Frage, was diejenigen daraus machen. Ob Hannover attraktiv bleibt, Menschen gerne in der Innenstadt sind, Kultur Raum bekommt, Unternehmen investieren, Familien gute Bedingungen finden und man zuverlässig ans Ziel kommt, all das entscheidet mit darüber, wie schön es sich hier leben lässt.

Am 13. September haben die Menschen in Hannover und der Region die Wahl, wer diese Entwicklung in den kommenden Jahren mitgestaltet. Ob bei der Wahl zur Oberbürgermeisterin oder zum Oberbürgermeister oder zur Regionspräsidentin beziehungsweise zum Regionspräsidenten: Jede Stimme zählt. Also: hingehen, Kreuz machen, mitentscheiden. Denn wie wir morgen in Hannover leben, geht uns alle an.