9 Löcher - 9 Fragen ... mit Johanna Heise
17. September 2026 | von Celia Paulina StrauchZwischen Abschlag und Clubhaus verrät Johanna Heise, was Familie, Verantwortung und Zukunft für sie bedeuten.
Der Wind spielt nur leicht mit den Fahnen, beste Bedingungen für eine entspannte Runde mit Johanna Heise. Sie ist Head of Brand & Culture bei heise, CEO heise ventures und Mitglied des heise-Vorstands. Zwischen Fairway und Grün entstehen oft die besten Gespräche über Familie, Innovation, Mut und Verantwortung.
1. Sie sind erstaunlich geduldig beim Golf. War das auch Ihr Rezept für den Einstieg in die vierte Generation der heise group?
Definitiv. Niemand übernimmt Verantwortung von heute auf morgen. Ich wollte das Unternehmen erst in Ruhe kennenlernen und meinen eigenen Weg finden. Das ist ein bisschen wie beim Golf: Man kann sich zwar den besten Driver kaufen, aber den Schwung muss man trotzdem selbst entwickeln.

2. heise galt lange als Hidden Champion. Heute sieht man das Logo im Stadion von Hannover 96. War das für Sie eher ein mutiger Drive oder längst überfällig?
Ich würde sagen: beides. Wir haben uns bewusst entschieden, sichtbarer zu werden. Nicht, weil wir uns neu erfinden wollen, sondern weil viele Menschen gar nicht wissen, wie vielfältig heise heute ist. Das Sponsoring hat unglaublich viele Emotionen ausgelöst.
3. Gibt es Parallelen zwischen Ihrem Golfspiel und Ihrer Rolle bei heise?
Wahrscheinlich schon. Beides entwickelt sich mit jeder Runde. Am Anfang denkt man noch sehr viel nach. Irgendwann kommt das Vertrauen dazu. Das gilt beim Golf genauso wie im Berufsleben.

4. Im Familienunternehmen tragen Sie gleichzeitig die Geschichte Ihrer Familie und die Zukunft der Marke auf den Schultern. Wie gelingt dieser Spagat?
Ich empfinde das gar nicht als Belastung, sondern als großes Privileg. Natürlich spürt man die Verantwortung, wenn man Teil der vierte Generation ist. Aber ich sehe vor allem die Chance, etwas weiterzuentwickeln. Die Generationen vor mir haben den Grundstein gelegt und das Unternehmen erfolgreich aufgebaut. Jetzt darf ich meine eigenen Ideen einbringen. Dabei geht es darum, das Bestehende weiterzudenken. Ich glaube, genau darin liegt die Stärke von heise: Wir bleiben unseren Werten treu und haben gleichzeitig den Mut, uns immer wieder neu zu erfinden.
5. Zwischen zwei Schlägen erzählen Sie begeistert von jungen Gründerinnen und Gründern. Wann schlagen Sie lieber zu, auf dem Golfplatz oder bei einer guten Geschäftsidee?
Tatsächlich faszinieren mich Menschen, die mit einer guten Idee und viel Leidenschaft etwas aufbauen wollen. Genau deshalb macht mir heise ventures so viel Spaß. Natürlich gehört Mut dazu, aber ich glaube nicht an blindes Risiko. Ob auf dem Golfplatz oder im Business: Man sollte seine Chancen erkennen, sie gut einschätzen und dann entschlossen handeln. Manchmal muss man einfach den mutigen Schlag wagen. Und manchmal ist es klüger, den Ball erst einmal sicher aufs Fairway zu legen. Diese Balance macht für mich gutes Unternehmertum genauso aus wie eine gute Golfrunde.

6. Sie sprechen oft über Unternehmenskultur. Ist eine gute Unternehmenskultur vielleicht wie ein gut gepflegter Golfplatz?
Das ist tatsächlich ein schöner Vergleich. Ein Golfplatz wirkt auf Spieler oft selbstverständlich, dabei steckt hinter jedem Fairway und jedem Green unglaublich viel Pflege. Unternehmenskultur funktioniert ähnlich. Sie entsteht nicht durch ein Leitbild an der Wand, sondern durch das tägliche Miteinander. Mir ist wichtig, dass Menschen gerne zur Arbeit kommen und wissen, warum sie das tun, was sie tun. Kultur ist nichts, was irgendwann fertig ist. Sie entwickelt sich jeden Tag weiter.
7. Beim Golf gibt es keine Abkürzungen. Gilt das auch für Künstliche Intelligenz?
Absolut. KI ist ein großartiges Werkzeug, aber sie ersetzt weder Erfahrung noch Verantwortung. Wir nutzen sie bei heise bewusst als Unterstützung, beispielsweise bei Recherchen oder internen Prozessen. Die Entscheidung trifft am Ende aber immer der Mensch. Das erinnert mich ans Golf: Eine App kann mir den perfekten Schläger empfehlen oder Entfernungen berechnen. Den Schlag spielen muss ich trotzdem selbst. Ich glaube, die Zukunft gehört denen, die beides sinnvoll miteinander verbinden.

8. Hannover ist Heimat. Was hat Hannover, was Berlin, Austin oder Dubai trotz aller Internationalität nicht haben?
Hannover gibt mir Bodenhaftung. Ich bin hier aufgewachsen, hier lebt meine Familie und hier schlägt das Herz unseres Unternehmens. Natürlich genieße ich Reisen und finde es unglaublich inspirierend, neue Menschen und Lebensweisen kennenzulernen. Aber genauso schön ist es, wieder nach Hannover zurückzukommen. Heimat bedeutet für mich Vertrautheit und Menschen, die einen schon lange begleiten. Vielleicht ist Hannover deshalb ein bisschen wie das Clubhaus nach einer gelungenen Runde Golf: Man freut sich auf alles, was draußen passiert. Am Ende kommt man gerne wieder zurück.
9. Stellen wir uns vor, Ihr Urgroßvater setzt sich jetzt mit an den Tisch auf der Clubterrasse. Worauf wären Sie besonders stolz, ihm heute erzählen zu können?
Dass wir neugierig geblieben sind. Dass wir den Mut haben, Neues auszuprobieren, ohne unsere Wurzeln zu vergessen. Und dass aus seinem ersten Telefonbuch ein Unternehmen geworden ist, das auch nach 76 Jahren noch jeden Tag Lust auf Zukunft hat.


