Hannovers visuelles Gedächtnis
15. Juni 2026 | von Vanessa ErstmannMartin Arp Duncker wacht seit einem Jahr über mehr als 2,4 Millionen historische Bilddokumente im Archivbestand des Historischen Museums.
Foto: Maja Henschel
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Der Weg zum Bildarchiv führt entlang der Vahrenwalder Straße. Kurz vor Ende des hannoverschen Stadtgebiets haben die zahlreichen Objekte des Historischen Museums zusammen mit den Sammlungen des Kestner Museums, des Sprengel Museums und des Stadtarchivs eine neue Heimat gefunden. Von seinem Bürofenster aus blickt Martin Arp Duncker auf das gelbe Ortsschild der unmittelbar angrenzenden Stadt Langenhagen. Doch zumeist ist sein Blick auf digitale oder analoge Bilddokumente und ein Mailpostfach voller Anfragen gerichtet. Seinen Job beschreibt er selbst als eine Kombination aus dem Bearbeiten von Anfragen und dem Verwalten der riesigen Sammlung des Archivs.

Hunderte Suchanfragen pro Jahr
Knapp 300 Suchanfragen hat der Museologe allein im vergangenen Jahr bearbeitet, wobei die reinen Recherche-Anfragen hier nicht mitgerechnet sind. Darunter befanden sich Hilfegesuche von Studenten und Wissenschaftlern, die nach historischen Abbildungen für ihre Publikationen suchten, aber auch eilige Suchaufträge von Journalisten, die einen Artikel oder Fernsehbeitrag bebildern wollten. Auch Privatpersonen, die auf der Suche nach einer bestimmten Straßenansicht sind, gehören zur Stammkundschaft des Bildarchivs.
Das Bildarchiv als Lebensaufgabe
Längst sind nicht alle Fotografien, Fotopostkarten, Gemälde, Stadtpläne und Werbemittel aus dem riesigen Bestand des Museums inventarisiert, geschweige denn digitalisiert. Dies sei eine Lebensaufgabe für mehrere Mitarbeitende, so Duncker. Immerhin wächst die Sammlung seit ihren Anfängen im Jahr 1903 beständig und beinhaltet mehrere umfangreiche Fotonachlässe wie denjenigen des bekannten Pressefotografen Wilhelm Hauschild, der einige der beliebtesten Momente aus Hannovers jüngerer Geschichte festhielt. In der städtischen Datenbank sind bislang etwa 122.000 Abbildungen auffindbar. Wenn der Museologe hier nicht fündig wird, folgt die detektivische Suche in der Objektdatenbank und in den langen Regalreihen des Archivs.

Ein Blick in die Herzkammer des Archivs

Für den Laien muten die unzähligen Regale, Schränke und Schubladen mit ihren knappen Beschriftungen und Nummerierungen rätselhaft an. Doch hinter den eintönigen Stahltüren verbergen sich wahre Schätze: Ortsansichten Hannovers aus vergangenen Zeiten reihen sich hier an Porträts von Fürsten, Künstlern und Architekten. Großformative Schubladen enthüllen Film- und Wahlplakate sowie Konzertankündigen, die allesamt das gesellschaftliche Leben der vergangenen Jahrzehnte bezeugen. Bunte Werbemittel von Continental, Hanomag und Pelikan erzählen derweil von Hannovers vielseitiger Industriegeschichte.
Noch befindet sich ein großer Teil des Bildarchivs in Umzugskartons. Regelmäßig kommen große Pakete im Sammlungszentrum an, die zunächst im Quarantäneraum einer Stickstoffbehandlung unterzogen werden, damit sich keine Schädlinge einschleichen. Nach ihrer Behandlung werden die Bestände von Martin Arp Duncker persönlich gesichtet und schließlich Stück für Stück im Depot aufgenommen – in der Tat eine Lebensaufgabe und ein großer Dienst für das visuelle Gedächtnis unserer Stadt.


