Grasgeflüster: In Bewegung bleiben
21. April 2026 | von Eine Kolumne von Roksana LeonettiDas Motto: Im Tempo bleiben, auch wenn es anstrengend wird.
Wenn das Spiel schneller wird, muss man einfach mitgehen.Foto: Roksana Leonetti
Loch Blau. Daniel begrüßt Iris und Peter am ersten Abschlag mit den Worten: „Eine Ehre, mit euch zu spielen.“ So ist er. Immer ein Spruch auf den Lippen.

Iris und Peter sind ein Ehepaar, seit drei Jahren auf dem Platz. Iris spielt aus Spaß, Peter etwas ernster. Daniel hingegen gibt heute das Tempo vor. Zackig geht es von Loch zu Loch. Wenn ich mit ihm spiele, bin ich am Ende immer mehr außer Atem als sonst. Dann wird aus Golf tatsächlich Sport.
An Bahn zwei erzählt Daniel von seinem Winterurlaub. Nach 22 Jahren stand er wieder auf Skiern. Geschwindigkeit, Risiko und Adrenalin. Er hat den Sport wieder für sich entdeckt. Man merkt ihm an, dass er Bewegung braucht.
An Bahn drei landet Iris in den „Teletubbie-Hügeln“ vor dem Grün. Während wir weitergehen, sprechen wir über Reisen. Ich erzähle von Paris, Daniel von seiner Zeit als Animateur. Die Gespräche sind so leicht wie die Runde.
An Loch vier schaffe ich es über die Brücke. Ein weiter Schlag, ich bin zufrieden. Danach wird es schwieriger, ich kämpfe mich durch das Rough. Auf dem Grün sagt Daniel: „Dieses Geräusch, wenn der Ball ins Loch fällt.“ Ich ergänze: „Da wird Dopamin freigesetzt.“ Wir nicken. Dieses Geräusch kennt jeder, der Golf spielt.
An Loch fünf fällt mir auf, dass Peter links spielt. Iris erzählt, dass er bereits bei der Platzreife so eingestellt wurde und seitdem läuft es für ihn. Daniel gibt mir einen Tipp für meinen nächsten Schlag. Er hat recht.
An Loch sechs wird es langsamer. „Wir haben da vorne drei Putting-Doktoren“, sagt Daniel trocken. Seine Kommentare treffen oft genauso gut wie seine Schläge.
An Loch sieben tanzen unsere Bälle um das Loch, ohne zu fallen. Wir schenken uns die Putts und gehen weiter.

An Loch acht gelingt mir ein besonders sauberer Schlag. „Das sieht so einfach aus“, sagt Iris. Ich lächle. Wenn sie wüsste, was vorher alles durch den Kopf geht.
Am letzten Loch bringe ich den Ball nach fünf Schlägen ins Loch. Daniel schaut mich an und fragt, ob ich noch neun Löcher dranhängen will. Ich zögere kurz. Und sage dann ja.
Vielleicht ist genau das das schöne Spiel: im Tempo bleiben, auch wenn es anstrengend wird.
Schönes Spiel Daniel, Iris und Peter.


