Grasgeflüster: Das richtige Maß
31. August 2026 | von von und mit Roksana LeonettiVäter, Söhne und jede Menge Golf: Eine Runde über guten Rat, das richtige Maß, starken Wind und die Kunst, auch mal loszulassen.
Gemeinsam unterwegs, mit vier Spielern und einem Nachwuchsgolfer. Foto: Roksana Leonetti
8.30 Uhr, Loch Rot. Mit mir spielen Christian, sein Sohn Yannick und Erhan. Dessen Sohn Miran läuft mit, denn fünf Spieler sind einer zu viel für einen Flight. Was mich viel mehr beschäftigt: Wie bekommt man einen Halbwüchsigen um diese Uhrzeit freiwillig auf den Golfplatz?
Offenbar mit väterlicher Überzeugungskraft. Frühstück gab es jedenfalls für keinen der vier Männer. Vielleicht sagt Erhan deshalb schon an Loch zwei nach zwei verlorenen Bällen: „Das ist kein Golf, was ich hier spiele.“
Christian und Erhan haben vor acht Jahren gemeinsam angefangen. Heute stehen ihre Söhne mit ihnen auf dem Platz. Yannick hat erst seit zwei Monaten die Platzreife und bekommt von Christian Tipps zu Schlägern, Haltung und Schlag. Mal helfen sie, mal muss Yannick erst einmal sortieren. Ich beobachte das interessiert. Golf und Kindererziehung haben offenbar etwas gemeinsam: Man möchte helfen, sollte aber wissen, wann man den anderen einfach machen lässt.
Auch Miran bekommt seine Lektionen. Etwas subtiler, aber nicht weniger bestimmt. Erhan erwartet Disziplin, wenn er sich die Zeit nimmt, mit seinem Sohn auf den Platz zu gehen. Christian sieht das ähnlich. Und plötzlich diskutieren wir mitten auf dem Fairway über Erziehung. Ich halte mich lieber an meine Herdplatten-Theorie: anfassen, merken, dass es wehtut, daraus lernen.
An Loch fünf übernimmt wieder der Golf. Es ist extrem windig. Erhan prüft die Richtung mit ein paar Grashalmen und zeigt kurz darauf, warum es in der Runde offenbar den „Erhan-Schlag“ gibt. Der Ball sieht zunächst völlig verloren aus, fliegt über den Raisbunker in den Bunker und springt von dort aufs Grün. Hätte ich es nicht gesehen, würde ich es nicht glauben.
Der Wind trägt uns durch die Runde. Mal schiebt er, mal hält er dagegen. Genau wie die Väter an diesem Morgen.
Vielleicht liegt die Kunst bei beidem im richtigen Maß: Richtung geben, loslassen und schauen, wo der Ball landet.
Schönes Spiel, Christian, Yannick, Erhan und Miran.




