Gekommen, um zu bleiben
12. März 2026 | von Klaus RitgenSeit 20 Jahren prägt Hinnerk Baumgarten das „Rote Sofa“ – mit Charme, Haltung und der Kunst, Gespräche leise groß zu machen.
Foto: KUNSTLADEN
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Es gibt Männer, die altern laut. Und es gibt jene, die mit den Jahren leiser werden und genau dadurch interessanter. Das Rote Sofa ist seit zwanzig Jahren die Bühne eines solchen Mannes: Hinnerk Baumgarten, Baujahr 1968, norddeutscher Dauer-Beau, berufsjugendlich mit Haltung, gehört zu denen, die nicht beeindrucken müssen, um zu wirken. Sein Jubiläum ist kein Fernsehereignis, sondern ein angenehm unterhaltender Dauerzustand.
Zwanzig Jahre Talk im Fernsehen sind eine ungewöhnliche Leistung. Nur wenige Formate aber vor allem wenige Moderatoren überstehen derart lange Zeiträume, ohne sich zu verbiegen. Baumgarten ist geblieben, weil er sich nicht an den Zeitgeist verkauft hat. Zwei Gespräche aus dieser Ära haben sich ins digitale Gedächtnis eingeschrieben und werden bis heute wahrscheinlich millionenfach geklickt: Katja Riemann und Heino. Zwei sehr unterschiedliche Gesprächspartner und ein Moderator, der beides trägt.

Momente, die bleiben
Wenn Heino beiläufig erwähnt, die Erdbeeren (in der Garderobe) seien früher immer etwas schlecht zu kriegen gewesen, dann ist das mehr als Folklore. Es ist ein Moment, in dem das Gespräch augenzwinkernd kippt, vom Erwartbaren ins Intime. Und wenn ein Dialog, wie bei Katja Riemann, Widerstand entwickelt, bleibt Baumgarten charmant, wach und beharrlich. Er verliert nicht den Faden, beantwortet notfalls seine eigenen Fragen, nicht aus Eitelkeit, sondern um zu zeigen: So wenig substantiell, wie seine Frage hingestellt werden soll, ist sie gar nicht.
Viele saßen bei ihm auf dem Sofa: Sarah Connor, Klaus Meine, Heinz Rudolf Kunze, aber auch Atze Schröder oder Lang Lang. Baumgarten kommt mit ihnen nicht nur ins Gespräch, er zieht sie auf seine Seite. Das Gespräch dabei: elegant, humorig und leichtfüßig, dabei jedoch nie belanglos. Vielleicht liegt es an seiner Schlagfertigkeit. Vielleicht an seiner Offenheit. Sicher aber an seiner Fähigkeit zur Selbstironie und daran, über sich selbst lachen zu können.
Älter werden mit Selbstironie
Seit er fünfzig ist, zählt er die Jahre bis neunzig rückwärts. Vierzig. Neununddreißig. Achtunddreißig... Eine Rechenart, die mehr über Lebenslust verrät als über Zahlen. Baumgarten fühlt sich offenkundig wohl in diesem Abschnitt seines Lebens, in guter Form, nicht nur äußerlich. Fragen nach Disziplin, Ernährung, Sport, nach Männlichkeit, Mut und Selbstkritik begleiten ihn ebenso wie die Rollen als Vater, Partner und Mann unter Männern. Aber vor allem Haltung und die Bereitschaft, sich selbst nicht zu ernst zu nehmen.
Vor gut drei Jahren erschien sein Buch „Younger Sän Ewer“. Leichtfüßig, offen und oft sehr komisch. Als Leser, besonders als männlicher, erkennt man sich wieder. Leserinnen werden von seiner unschlagbaren aber nie unangenehmen Offenheit angezogen. Zwischen Selbstironie und Demut zeigt sich ein Selbstbewusstsein, das nichts beweisen will.
Heimspiel in Hannover
Am 25. März kommt Hinnerk Baumgarten in seine Geburtsstadt, nach Hannover, zum Talk in den Kunstladen. „Hannover ist meine Heimat, insofern habe ich immer ein warmes Gefühl zu der Stadt, in der ich viele Erfahrungen gemacht habe, in der ich viele unfassbar schöne Erlebnisse hatte. Es wird ein Gespräch über Nähe, Zeit und das Privileg, bei sich zu bleiben. Und über ein Sofa, das mehr gesehen hat als viele Bühnen.


