Wie aus Backen eine Berufung wurde

28. April 2026 | von Maja Henschel

Im Corona-Lockdown begann er zu backen. Heute führt Raheem Haidar eine Konditorei und verrät, welche Zutat einen guten Kuchen ausmacht.

Konditor dekoriert ein Dessert in der Pâtisserie Nobilis Foto: David Traxel
Dreistöckige Hochzeitstorte mit weißen Blumen und rosa Schleife auf Holztisch, dekoriert für eine Hochzeit, aufgenommen für Nobilis Web.
Foto: David Traxel

 

Manchmal beginnt ein neuer Lebensweg mit einem einzigen Satz. „Das ist die letzte Torte, die wir kaufen. Ab jetzt backe ich selbst.“ Als Raheem Haidar diese Worte am Geburtstag seiner Schwester aussprach, ahnte er nicht, dass sie der Auftakt zu einer neuen beruflichen Identität sein würden. In seiner Heimat Syrien hatte der 34-Jährige Jura studiert, als er 2015 nach Deutschland kam, wurde der Abschluss nicht anerkannt. Raheem arbeitete zunächst in der Gastronomie, später in der Logistik. „Mein Leben verlief ganz normal“, sagt er rückblickend ganz bescheiden.

Erst während der Corona-Zeit 2020 veränderte sich etwas. Viel Zeit zu Hause brachte Raum für neue Ideen. Der eigentliche Antrieb jedoch war ein anderer. „Mit den Torten zu unseren Geburtstagen war ich nie wirklich zufrieden. Ich wollte immer etwas Besonderes, etwas Anderes.“ Noch am selben Abend des besagten Geburtstages seiner Schwester fuhr Raheem nach Hause und backte seine erste eigene Torte.

Der Mut zur Entscheidung

Eine rechteckige Motivtorte wurde wenig später zum Schlüsselmoment. Die Umsetzung forderte Geduld und Präzision. „Das war eine große Herausforderung, aber genau das hat mir unglaublich viel Spaß gemacht.“ In diesem Augenblick begriff Raheem, dass das Backen mehr war als ein Zeitvertreib. „Ich wollte unbedingt mehr lernen und mir alles selbst beibringen.“

Ganz frei von Unsicherheit war diese Zeit nicht. „Natürlich gab es Momente, in denen ich gezweifelt habe.“ Doch sein Ehrgeiz überwog. Mit der Teilnahme und seinem Sieg bei der TV-Show „Das große Backen“ wurde er schließlich einem größeren Publikum bekannt. Die Erfahrung habe ihn geprägt. „Ich habe gelernt, unter Zeitdruck kreativ zu arbeiten und an mich zu glauben.“ Im Finale traf er eine klare Entscheidung: „Dort habe ich beschlossen, meine Leidenschaft zum Beruf zu machen.“

Festlich gedeckter Tisch mit weißen Servietten, Kerzen und Blumen bei Nobilis Event
Foto: David Traxel

Handwerk mit Handschrift

Ursprünglich träumte der Tortenbäcker von einem kleinen Café in Hannover. Durch die infa ergab sich jedoch die Möglichkeit, die Konditorei Mundus in Döhren-Wülfel zu übernehmen. „In diesem Moment wusste ich: Jetzt ist die Zeit.“ Heute ist er dankbar für diesen Schritt. „Ich habe unglaublich viel gelernt, über Verantwortung, Organisation und echtes Handwerk.“

Feine Nobilis Patisserie-Kunstwerke mit Ostermotiven, Karotten und Blumen-Dekor auf hellem Hintergrund
Foto: David Traxel

Seine Herkunft aus Syrien begleitet ihn bis heute auf subtile Weise. „Ich bringe ein Stück meiner Heimat in meine Leidenschaft.“ Orientalische Aromen fließen fein dosiert in seine Kreationen ein, ohne sich aufzudrängen. Auf die Frage nach seinem Lieblingskuchen antwortet er: „Pistazie, besonders in Kombination mit etwas Fruchtigem, liebe ich sehr.“ Entscheidend sei jedoch Qualität. „Ein guter Kuchen braucht echte Butter. Die schmeckt man einfach.“

Heute hat Raheem eine klare Antwort auf die Frage, was für ihn zählt: „Erfolg bedeutet für mich, meine Leidenschaft jeden Tag leben zu können und Menschen mit meinen Kreationen Freude zu machen.“ Und seine Geschichte fasst er selbst am treffendsten zusammen: „Was als einfache Idee begann, ist durch Leidenschaft, Mut und viel Arbeit zu meinem eigenen Weg geworden.“