Tradition im Cut - Bruchmeister beim Schützenfest Hannover
18. Juni 2026 | von Johanna AhrbeckerSeit 1710 repräsentieren die Bruchmeister das Schützenwesen und die jahrhundertalte Geschichte, dessen Wurzeln bis ins Mittelalter reichen.
Foto: Thomas Schirmacher
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Fahrgeschäfte, bunt blinkende Lichter und ein eindrucksvoller Umzug: Daran dürften viele denken, wenn vom Schützenfest Hannover die Rede ist. Jedes Jahr im Juli hallt wieder „Die nächste Runde geht rückwärts!“ über den Schützenplatz. Und mittendrin: Menschen in schwarzen Cut und glänzenden Zylindern, die Bruchmeister. Wer sie bislang übersehen hat, wird sie nach diesem Beitrag vermutlich überall entdecken.
Eine Tradition seit dem Mittelalter
Bereits 1303 tauchten die sogenannten „Magistris discipline“, die Ordnungsherren, im Bürgerbuch der Stadt Hannover auf. Damals sorgten sie bei Festlichkeiten für Ordnung, sprachen Rügen aus und konnten sogar Stadtverweise verhängen. Heute übernehmen Sicherheitsdienste diese Aufgaben. Dafür etablierten sich im Laufe der Jahrhunderte neue Traditionen, mit dem vordergründigen Ziel, das Schützenwesen und die Landeshauptstadt Hannover zu repräsentieren.
Mit vier verschiedenen Standarten (früher Fahnen) führen die Bruchmeister heute wie vor rund 200 Jahren die vier Züge des Schützenausmarschs an. So repräsentiert jeder Bruchmeister mit der jeweiligen Standarte einen der damaligen Stadtbezirke und ihre zugehörigen Hauptstraßen: Osterstraße (weiß), Marktstraße (rot), Leinstraße (gelb) und Köblinger Straße (grün).

Wie wird man Bruchmeister?

Selbst einige Auswahlkriterien stammen noch aus vergangenen Jahrhunderten. „Ledig sein, unbescholten im strafrechtlichen Sinn, guter Charakter und Leumund“, erklärt Marko Tatomirovic, Vorsitzender des Collegium ehemaliger Bruchmeister. „das gehört zur Tradition.“ Außerdem müssen die Bewerber einem Schützenverein angehören.
Gleichzeitig hat sich das Amt weiterentwickelt. Seit 2022 prägen auch Frauen das Bild der Bruchmeister, angestoßen durch Hannovers Oberbürgermeister Belit Onay.
Wer Bruchmeister werden möchte, muss mehr mitbringen als einen sicheren Auftritt im Cut. Die Auswahl ist anspruchsvoll. „Alle müssen einen Test ablegen“, erzählt Tatomirovic. „Man betritt den Raum, stellt sich vor. Dann folgt ein schriftlicher Test mit Fragen zur Stadtgeschichte, zum Schützenwesen und zum Schießsport.“ Außerdem verfassen die Bewerber einen Aufsatz darüber, warum sie das Amt übernehmen möchten. Für Tatomirovic, der Teil der Jury ist, zählt dabei vor allem eines: „Wichtig ist für mich der Grund, warum man Bruchmeister werden möchte – und ob die vier auch zusammenpassen.“ Je nach Jahrgang bewerben sich unterschiedlich viele Interessierte. „Dieses Jahr gab es vier Bewerber, die alle in der Prüfung einen sehr guten Eindruck gemacht haben“, sagt er.
Ein Tag als Bruchmeister
Mit dem Start des diesjährigen Schützenfestes werden die neuen Bruchmeister verpflichtet. Anwärter sind in diesem Jahr Falk Stegmann (weiße Standarte), Celina Hoch (rote Standarte), Leon Hakemeyer (gelbe Standarte) und Nils Burkhardt (grüne Standarte). Sie alle werden täglich auf dem Schützenplatz anzutreffen sein. Dort begleiten sie Rundgänge und offizielle Termine wie die Ausgabe der Schützenhauspokale oder einen Handwerkerabend. „Wer die Bruchmeister anspricht, kann Hilfsbereitschaft erwarten“, verspricht Tatomirovic, „auch wenn es um die Frage geht, wie man Lüttje Lage richtig trinkt.“

Die besondere Erfahrung ist es, die auch Celina Hoch motiviert, als Bruchmeister zu amtieren. „Ich wollte das Schützenwesen von einer neuen Seite kennenlernen und viele neue Kontakte knüpfen“, sagt sie. Von ehemaligen Bruchmeistern habe sie immer wieder gehört, dass diese Zeit ein „einmaliges Erlebnis“ sei.


