Pique Dame: Das Glück ist eine Falle

21. September 2026 | von Roksana Leonetti

Tschaikowskis „Pique Dame“ erzählt von Geld, Aufstieg und der Frage, wie viel ein Mensch für vermeintliches Glück zu opfern bereit ist.

Bühnenszene aus der Oper Pique Dame mit Sängerin auf beleuchteter Treppe Foto: Bettina Stöß

Eigentlich könnte alles gut ausgehen. Hermann liebt Lisa, Lisa liebt Hermann. Dass sie Fürst Jelezki heiraten soll, scheint das klassische Hindernis einer großen Opernliebe zu sein. Doch in „Pique Dame“ liegt die eigentliche Konkurrenz woanders: zwischen Liebe und Geld.

Szenenbild aus der Oper Pique Dame im Finale mit dramatischer Bühnenbeleuchtung und zwei Darstellern auf einer Treppe
Hermann und Lisa zwischen großer Liebe und dem Wunsch nach einem anderen Leben. Foto: Bettina Stöß

Hermann ist Außenseiter in einer Welt, in der gesellschaftliche Zugehörigkeit vor allem eine Frage des Vermögens ist. Als er erfährt, dass Lisas Großmutter, die Gräfin, das Geheimnis dreier Gewinnkarten kennen soll, beginnt sein Absturz. Drei, sieben, As, mehr braucht es scheinbar nicht für ein anderes Leben. Und irgendwann geht es Hermann längst nicht mehr darum, reich genug für Lisa zu sein. Es geht nur noch ums Gewinnen.

Eine opulente Inszenierung

Gerade darin liegt die Stärke von Roland Schwabs Inszenierung. Hermann ist nicht einfach der Wahnsinnige, auf den alle zeigen können. Die Gesellschaft um ihn herum ist mindestens ebenso verstörend. Sie schaut zu, spielt mit ihm und findet an seinem Untergang beinahe Gefallen. „Wer ist hier eigentlich wahnsinniger?“, fragte Dramaturg Daniel Menne schon bei der Einführung, Hermann mit seiner Fixierung auf Geld und gesellschaftlichen Aufstieg oder die Gesellschaft um ihn herum?

Szenenbild aus dem Finale der Oper Pique Dame mit einem Mann, der Spielkarten in der Hand hält
Drei, sieben, As werden für Herrmann zur Obsession. Foto: Bettina Stöß

Piero Vinciguerras Bühnenbild findet dafür ein starkes Bild: eine monumentale, scheinbar endlose Treppe. Immer höher will Hermann hinaus und kommt doch nirgendwo an. Dazu mehr als 200 Kostüme von Gabriele Rupprecht, Chor, Kinderchor und ein großes Ensemble: Diese „Pique Dame“ darf opulent sein, ohne ihren psychologischen Kern zu verlieren.  

Extreme Kontraste

Szenenbild aus dem Finale der Oper Pique Dame mit älterer Frau auf der Bühne
Die Gräfin hütet das Geheimnis der drei Gewinnkarten. Foto: Bettina Stöß

Tschaikowskis Musik tut ihr Übriges. Sie rauscht und funkelt, wird plötzlich intim und kippt im nächsten Moment ins Bedrohliche. Francesco Angelico gibt mit der Premiere seinen Einstand als neuer Generalmusikdirektor und führt das Niedersächsische Staatsorchester durch diese extremen Kontraste.

Besonders ist auch Helen Donath als Gräfin: Die international gefeierte Sängerin kehrt für ein Rollendebüt auf die hannoversche Bühne zurück. Hermann glaubt derweil bis zuletzt, sein Glück erzwingen zu können. Doch als statt des Asses die Pik Dame vor ihm liegt, ist längst mehr verloren als nur Geld.

Drei, sieben, As versprechen Hermann das Glück. Dass es längst vor ihm steht, erkennt er erst, als es zu spät ist.