Orientierung in unsicheren Zeiten: Der Jahresauftakt der IHK Hannover
13. Januar 2026 | von Roksana LeonettiWirtschaft, Politik und Sicherheit im Fokus: Der IHK-Jahresauftakt bot Einordnung, Austausch und Impulse für die Region.
Der IHK-Jahresauftakt 2026 brachte Vertreterinnen und Vertreter aus Wirtschaft, Politik und Gesellschaft im HCC Hannover zusammen. Foto: Roksana Leonetti
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Der Jahresauftakt der IHK Hannover am 12. Januar 2026 war gut besucht. Auch winterliche Straßenverhältnisse hielten viele Interessierte nicht davon ab, ins HCC zu kommen. Moderator Martin Brüning begrüßte die Gäste mit einem kurzen Augenzwinkern und wünschte ein gesundes neues Jahr, bevor er den Ton der Veranstaltung setzte: Wie gelingt Orientierung in Zeiten wirtschaftlicher Unsicherheit, geopolitischer Spannungen und gesellschaftlicher Verunsicherung? Seine Antwort fiel persönlich aus. Humor dürfe sein, sagte Brüning, aber nicht um jeden Preis. „Wir lachen, wir weinen. Und dann müssen wir wieder laufen.“
Deutliche Worte zur Lage: Oppermann fordert Reformtempo
IHK-Präsident Gerhard Oppermann dankte zu Beginn den Unternehmerinnen und Unternehmern für ihr Kommen – ein Signal, das er ausdrücklich würdigte. Inhaltlich folgte eine klare Bestandsaufnahme. Die wirtschaftliche Situation sei ernst, die vergangenen Jahre hätten deutliche Spuren hinterlassen. „Wir befinden uns in einer sehr schwierigen, dramatischen konjunkturellen Lage. Da gibt es nichts schönzureden“, sagte Oppermann. Drei Jahre Rezession, rückläufige Industrieumsätze und erste Brüche am Arbeitsmarkt stellten den Wirtschaftsstandort vor große Herausforderungen.
Sein Appell richtete sich deutlich an die Politik: „Fangen Sie an, unser Land zu reformieren. Heute, jetzt, sofort“, forderte er – andernfalls drohe, „dass Deutschland zum Industriemuseum Europas wird“. Statt wechselnder Rahmenbedingungen brauche es Verlässlichkeit, Tempo und Mut zur Entscheidung. Immer wieder kehrte Oppermann zu einem zentralen Begriff zurück: Vertrauen. „Wirtschaft braucht Entscheidungen, Umsetzung, Wirkung und Vertrauen.“

Fachkräfte sichern: Das Welcome & Business Center der IHK
Einen konkreten Lösungsansatz stellte die IHK mit dem Welcome & Business Center vor. In kurzen Filmsequenzen berichteten Unternehmen, wie sie bei der Rekrutierung internationaler Fachkräfte unterstützt werden. Die Unterstützung umfasst die Anerkennung ausländischer Abschlüsse ebenso wie die Begleitung durch komplexe Verwaltungsverfahren. Oppermann machte deutlich, wie entscheidend dieses Angebot für die Region ist: „Ohne Zuwanderung aus dem Ausland wird es für unsere Wirtschaft nicht gehen.“ Das Welcome & Business Center versteht sich als Schnittstelle zwischen Unternehmen, Fachkräften und Behörden. Das Angebot ist praxisnah, beratend und entlastend.
Olaf Lies: Respektvoll streiten, gemeinsam handeln
Niedersachsens Ministerpräsident Olaf Lies knüpfte in seiner Rede an den Vertrauensgedanken an und dankte der IHK für die enge Zusammenarbeit. Entscheidend sei, gerade jetzt den Dialog zu suchen. „Es geht nicht nur darum, uns hier zu hören, sondern miteinander zu sprechen“, betonte Lies. Politische Debatten müssten geführt werden – respektvoll und jenseits der Zuspitzungen sozialer Medien.
Mit Blick auf Hannover warb der Ministerpräsident für mehr Selbstbewusstsein. Die Landeshauptstadt sei international, wirtschaftlich stark und lebenswert. „Lasst uns auf unsere Landeshauptstadt stolz sein“, sagte Lies. Gleichzeitig machte er klar: Eine funktionierende Wirtschaft sei die Voraussetzung dafür, Integration, Infrastruktur und gesellschaftlichen Zusammenhalt zu sichern.
„Sicherheit neu denken“: Europa zwischen Verantwortung und Realität
Im anschließenden Talk zur Sicherheit diskutierten Dr. Marie-Agnes Strack-Zimmermann und Cathryn Clüver Ashbrook über Europas Rolle in einer veränderten Weltordnung. Strack-Zimmermann sprach offen über die sicherheitspolitischen Herausforderungen und warnte vor falscher Zurückhaltung. „Schluss mit der Naivität. Wir müssen wehrfähig sein“, sagte sie – und warb zugleich dafür, den Menschen zu erklären, warum Resilienz notwendig ist, ohne Ängste zu schüren.
Cathryn Clüver Ashbrook lenkte den Blick auf die Verwundbarkeiten moderner Gesellschaften. Demokratie, Rechtsstaatlichkeit und wirtschaftliche Stabilität gehörten untrennbar zusammen. Entscheidend sei, Risiken früh zu erkennen und handlungsfähig zu bleiben.
Blick nach vorn: Hanseraumkonferenz 2026 in Hannover
Zum Abschluss richtete sich der Blick auf das Kommende: Vom 14. bis 17. Mai 2026 bringt die Hanseraumkonferenz in Hannover rund 700 junge Unternehmerinnen und Unternehmer sowie Führungskräfte unter 40 Jahren aus dem gesamten Hanseraum zusammen. Hanna Schunke, Christoph Kielhorn und IHK-Hauptgeschäftsführerin Maike Bielfeldt stellten das Format vor, das Austausch, Impulse und konkretes Arbeiten verbinden soll. Ziel sei es, nicht nur über Zukunft zu sprechen, sondern sie aktiv zu gestalten.

Der IHK-Jahresauftakt 2026 zeigte sich damit als das, was viele Gäste suchten: ein Ort für klare Worte, kontroverse Debatten und für das gemeinsame Ringen um Lösungen. Nicht laut, nicht pathetisch, aber deutlich.


