9 Löcher – 9 Fragen ... mit Dr. Jochen Köckler

30. August 2025 | von Celia Paulina Strauch

Dr. Jochen Köckler über Golf, Geisteshaltung und warum ein 5er-Eisen im Wind manchmal härter ist als jede Messe mit 100.000 Gästen.

Mann mit blauer Titleist-Kappe und blauer Jacke auf einem Golfplatz – L46cher fragen Aufmacher Lorena Kirste

Dr. Jochen Köckler, Vorstandsvorsitzender der Deutschen Messe AG, steht mit entspanntem Blick am ersten Abschlag des grünen Kurses des Golfclub Gleidingen. Zwischen den Schlägen sprechen wir über Fairways und Führungsverantwortung, über Konzentration und Karriere und warum ein 5er-Eisen im Gegenwind manchmal die größere Herausforderung ist als eine Messe mit 100.000 Besuchern. Ein Gespräch über Golf, Geisteshaltung und das richtige Timing, auf dem Platz wie im Leben.

Zwei Personen beim Golfspielen unterhalten sich auf einem Golfplatz – loecher fragen
Celia Paulina Strauch im Gespräch mit Dr. Jochen Köckler. Foto: Lorena Kirste

1. Wann haben Sie zum ersten Mal einen Golfschläger in der Hand gehalten – und warum?

Das erste Mal habe ich einen Golfschläger im Sommer 2021 in der Hand gehalten. Es war mitten in der Corona-Pandemie, die Welt stand irgendwie still, Veranstaltungen waren abgesagt, Termine verschoben, die Terminkalender plötzlich leer. Für uns Messemacher war es leider eine sehr ruhige Zeit. Gemeinsam mit meiner Frau haben wir damals den Golfsport für uns entdeckt, ein wunderbares gemeinsames Projekt in einer ansonsten sehr ruhigen Zeit. Anstelle von Flugmeilen und Messehallen standen plötzlich Grünflächen, Vogelzwitschern und die große Herausforderung „kleiner Ball, große Wirkung“ im Vordergrund.

2. Was reizt Sie am Golfplatz mehr – das Spiel oder die Ruhe? Eine Runde Golf – lieber vor oder nach dem Büro?

Ganz klar: die Auszeit vom Alltag. Für mich ist Golf eine Art aktives Innehalten. Auf dem Platz wird das Smartphone stumm, die Gedanken richten sich auf den nächsten Schlag und nicht auf die nächste Präsentation. Die Mischung aus Konzentration, Technik und der Natur ist einmalig. Und ganz ehrlich: Wenn ich morgens um 6 schon in den Golfschuhen stünde, wäre das ein schlechtes Zeichen, denn morgens wird gelaufen, das ist gesetzt. Golf ist mein „nach dem Büro“-Ritual, als Belohnung nach einem Tag voller Gespräche, Zahlen, Strategien.

Golfer beim Ausrichten eines Putts auf dem Golfplatz – loecher fragen
Der Vorstandsvorsitzender der Deutschen Messe AG würde gerne viel öfter auf den Golfplatz. Foto: Lorena Kirste

3. Wie oft schaffen Sie es tatsächlich auf den Platz – und mit wem am liebsten?

Wenn ich ehrlich bin: aktuell viel zu selten. Seit die Messen wieder richtig Fahrt aufgenommen haben und das tun sie zum Glück, bleibt der Platz häufiger leer als mein Kalender. Aber das ist gut,, denn es zeigt, dass das Messegeschäft in Hannover und auf der Welt wieder Fahrt aufgenommen hat.

Und trotzdem: Wenn ich es schaffe, dann am liebsten mit meiner Frau. Manchmal spiele ich auch mit langjährigen Freunden, das ist dann weniger sportlicher Wettkampf als vielmehr eine bewegte Gesprächsrunde in 18 Akten.

4. Business auf dem Grün – Mythos oder Realität?

Also ich selbst habe noch kein Geschäft auf dem Fairway abgeschlossen. Das meiste Business passiert bei mir immer noch in Messehallen, Konferenzräumen oder in Calls mit Teilnehmern aus drei Zeitzonen gleichzeitig. Aber: Der Mythos ist Realität. Golf bietet einen Rahmen, in dem Menschen sich abseits des Alltags begegnen können, entspannt, mit Zeit, mit echtem Interesse füreinander. Vertrauen entsteht hier ganz organisch, nicht als Strategie, sondern aus Erleben.

5. Was fordert Sie mental mehr – ein kritischer Messeauftakt oder ein verpatzter Drei-Meter-Putt?

Ein verpasster Drei-Meter-Putt tut auf eine ganz besondere Weise weh, zwar eher still, aber nachhaltig. Beim Messeauftakt weiß ich: Da stehen hunderte Kolleginnen und Kollegen bereit, die mitdenken, mitlenken und mit anpacken. Das ist Teamwork pur. Beim Golf? Da steht man ganz allein da, der Ball schaut einen provozierend an, und man denkt sich: „Wie schwer kann das bitte sein?“ Antwort: sehr. Mental ist Golf wie ein Vergrößerungsglas für die eigene Tagesform. Ein Moment der Unachtsamkeit, und schon ist das Par dahin. Messe hingegen ist immer Team Play. Jeden Tag gibt es Herausforderungen, bei denen man das Par erreichen möchte, aber immer im Team. Auf dem Grün? Da rettet einen niemand außer man selbst oder ein besonders gnädiges Break.

Zwei Personen fahren mit einem Golfcart auf dem Golfplatz Rehthar, Golfbags im Hintergrund, grüne Wiese und Bäume
Immer weitermachen, das ist das Motto von Dr. Jochen Köckler.  Foto: Lorena Kirste

6. Welche Eigenschaft braucht man sowohl als Golfer als auch in Ihrer beruflichen Position?

Man muss von Schlag zu Schlag denken und doch immer das große Ganze im Blick behalten. Konzentration ist entscheidend bei jedem Termin und jedem Ball. Es geht darum, auch nach einem schlechten Schlag nicht zu hadern, sondern weiterzumachen. Genau wie im Messegeschäft: Nicht jeder Schritt ist ein Erfolg, aber jeder Schritt bringt uns weiter. Und ganz wichtig: die Fähigkeit, Chancen zu erkennen, selbst im Rough. Wer bei Gegenwind im Bunker nur ans Scheitern denkt, verpasst die Möglichkeit, es besser zu machen. Für mich gilt beruflich wie sportlich: Fokus, Haltung und der Wille, dran zu bleiben.

7. Was ist anspruchsvoller zu managen – eine Messe mit 100.000 Besuchern oder ein 5er-Eisen im Wind?

Ich hätte nie gedacht, dass ich das mal sagen würde, aber aktuell ganz klar das 5er-Eisen im Wind! Messe mache ich seit 25 Jahren, Da hilft die Erfahrung enorm und ich kann auf ein ebenso erfahrenes und engagiertes Team vertrauen. Aber ein 120-Meter-Schlag bei Seitenwind, mit Wasser links und Bunker rechts? Da steigt der Puls. Da hilft keine PowerPoint, da hilft nur Gefühl, Präzision und Gelassenheit. Aber vielleicht ist das ja genau der Reiz: Man bleibt bescheiden. Der Ball ist der härteste Verhandlungspartner, den ich kenne.

8. Welche Entscheidung in Ihrem Leben war ein echter „Hole-in-One“?

Ganz eindeutig: das Jobangebot, vor 14 Jahren Chef der Hannover Messe zu werden. Es war eine Entscheidung, die mein Leben verändert hat, beruflich und persönlich. Die Messe ist ein Kraftwerk an Ideen, Innovation und Internationalität. Jeden Tag spürt man dort, wie Wirtschaft gemacht wird, wie Wandel entsteht, wie aus Begegnungen Fortschritt wird. Und selbst wenn man mal im Rough landet, das Team, die Partner, die Besucher holen einen zurück aufs Fairway. Für mich war das kein Karriere-Schritt, sondern ein Volltreffer. Oder wie man beim Golf sagt: mittig getroffen, perfekte Flugbahn, direkt aufs Green.

Golfspieler beim Abschlag auf einem Golfplatz mit Wasserhindernis
Für Dr. Jochen Köckler ist Golf mehr als ein Sport. Foto: Lorena Kirste

9. Wenn Sie eine Messe zum Thema Golf organisieren könnten – was wäre das Herzstück?

Das Herzstück wäre für mich nicht der neueste Driver oder der Hightech-Simulator, sondern die Verbindung zwischen Spiel und Persönlichkeit. Ich würde ein Format schaffen, bei dem Menschen nicht nur Schläger testen, sondern sich selbst begegnen. Talkrunden auf dem Grün, Walking Meetings über 9 Löcher, Live-Coachings mit Profigolfern, die gleichzeitig über Mentalstärke im Business sprechen. Und: eine kleine Anlage mitten in der Messehalle, bei der man auf 50 Quadratmetern seine innere Ruhe testen kann, mit Ball, Putter und Pulsuhr. Golf ist mehr als ein Sport, es ist ein Spiegel. Und genau das sollte man auf so einer Messe erleben.