Grasgeflüster: Allein und doch nicht
11. März 2026An Loch sieben lerne ich wieder etwas: auf den Wind achten.
Gemeinsam am Abschlag. Aus einer Einzelrunde wird ein schönes Spiel. Foto: Roksana Leonetti
Sonntag, 8. März 2026, 9.50 Uhr. Ich stehe am ersten Abschlag von Loch Blau. Startzeit 10.00 Uhr. Mein Flight ist voll gebucht – zumindest laut der Buchungs-App. Ich warte. Niemand kommt. Keine Abmeldung.
Das ist schade. Für mich, weil ich lieber mit anderen spiele. Und für diejenigen, die vielleicht gerne mitgespielt hätten, wenn sie gewusst hätten, dass drei Plätze frei sind. Sich kurz abzumelden gehört eigentlich zur Etikette im Golf.
Der Morgentau liegt noch über dem Platz. Gänse schnattern über mir und ziehen ihre Kreise. Ich beschließe: Auch allein ist es ein guter Sonntag zum Golfspielen. Ich habe mich die ganze Woche darauf gefreut.
Am zweiten Loch gelingt mir ein Traumabschlag. Zwei Putts später ist der Ball im Loch. Bogey. Ein guter Start.
An Loch drei bin ich dicht hinter einem Dreier-Flight. An Loch vier winken sie mich heran. Auch bei ihnen ist ein Mitspieler nicht erschienen. Glück für mich.
Amir, Bernd und Georg. Alle drei spielen deutlich besser als ich. Aber das ist im Golf eigentlich egal. Man spielt ja vor allem gegen sich selbst. Ich brauche ein paar Schläge mehr, halte die Gruppe aber nicht auf.
Bernd und Georg kennen sich von der Arbeit, Amir spielt seit zwei Jahren mit ihnen. Die drei sind ein eingespieltes Team. Die Sprüche fliegen nur so über den Platz.
Die Gänse begleiten uns weiter über den Platz. An Loch sechs sage ich zu Georg: „Dein Fanclub ist schon da.“
Bernd ergänzt trocken: „Das sind Bio-Drohnen.“
Amir beendet es mit: „Die scheißen nur.“
Herrlich ehrlich.
An Loch sieben lerne ich wieder etwas: auf den Wind achten. Beim letzten Loch bin ich entsprechend vorsichtig.
An Loch acht landen die Bälle von Amir und Georg im Wasser. Georg sagt: „Wir beide gehen heute wieder angeln.“ Von irgendwo kommt der Kommentar: „Ihr Rundenscheißer.“ Und kurz darauf fällt noch ein Spitzname: „Man nannte ihn den Kurzen.“

Neben Abschlag, Chippen, Pitchen und Putten gibt es im Golf offenbar noch eine zweite Sprache. Eine aus Sprüchen und Sticheleien. Ich habe heute wieder ein paar neue Wörter gelernt.
Am Anfang stand ich allein am Abschlag. Am Ende war es meine bisher beste Runde. Vielleicht ist das das schöne Spiel: Man startet allein und begegnet unterwegs Menschen, die die Runde leichter machen.
Schönes Spiel, Amir, Georg und Bernd.



