Kunst braucht Räume

06. Oktober 2026 | von Frauke Hansen

Hannover braucht Galerien: Robert und Cornelia Drees erklären, warum Kunstorte für eine lebendige Stadt unverzichtbar sind.

Moderne Skulptur und abstrakte Kunstwerke in einer Galerie, drees-1 Foto: Roland Schmid

 

Wer die Treppe im alten Fabrikgebäude am belebten Weidendamm hinaufgeht, betritt weit mehr als einen Ausstellungsraum: Die Galerie Drees ist ein Ort der Begegnung, des Austauschs und der Inspiration. Die Galeristen Robert und Cornelia Drees haben zusammen mit Kulturwissenschaftlerin Susanne Borsch in den letzten 25 Jahren einen Ort erschaffen, an dem Kunst erlebbar wird und sind damit ein wichtiger Teil des kulturellen Lebens der Stadt.

Seit 1999, dem Gründungsjahr der Galerie, haben sie miterlebt, wie sich die Galerieszene verändert hat. Wo früher zahlreiche professionelle Galerien die Kulturlandschaft der Stadt prägten, sind heute nur noch wenige geblieben. Für Robert Drees ist das eine Entwicklung, die weit über die Kunstszene hinausreicht. „Eine lebendige Stadt braucht Orte, an denen neue Ideen sichtbar werden“, sagt er. Galerien seien solche Orte.

Das Spiel mit neuen Impulsen

Dabei versteht das Team seine Arbeit als Brücke zwischen Künstlern und Publikum. Jede Ausstellung entsteht in engem Austausch mit den Kunstschaffenden. „Es ist jedes Mal wie eine kleine Zauberei“, beschreibt Robert Drees den Prozess. Aus ersten Ideen, einzelnen Werken und vielen Gesprächen entsteht eine Ausstellung mit eigener Geschichte und Atmosphäre.

Gleichzeitig setzen die Galeristen auf Kontinuität und Erneuerung. Viele Künstler begleiten die Galerie bereits seit Jahrzehnten, zugleich werden regelmäßig junge Positionen vorgestellt. „Wir möchten Vertrautes bewahren und immer wieder Neues entdecken“, sagt Cornelia Drees. Gerade dieser Dialog zwischen verschiedenen Generationen halte die Kunst lebendig.

Zwei Personen, vermutlich Drees, stehen gemeinsam in einer modernen Galerie oder Ausstellung.
Robert und Cornelia Drees. Foto: Frauke Hansen

Kunst als Wirtschaftsfaktor

Für die Zukunft sehen beide großes Potenzial. Hannover verfügt über renommierte Museen, bedeutende Kunstvereine und eine lebendige Kulturlandschaft. Was aus ihrer Sicht fehlt, sind noch mehr Orte, an denen zeitgenössische Kunst unmittelbar erlebt werden kann. Denn hier entsteht etwas, das kein digitaler Kanal ersetzen kann: die direkte Begegnung mit einem Werk, mit den Künstlern und mit anderen Besuchern.

Hinzu kommt ein Aspekt, der häufig unterschätzt wird. Galerien sind auch ein Wirtschaftsfaktor. Sie machen Städte für Fachkräfte, Unternehmen und kreative Köpfe attraktiver. „Kultur entscheidet oft mit darüber, ob Menschen sich an einem Ort wohlfühlen“, sagt Cornelia Drees. Kunst schaffe Identität und somit auch Lebensqualität.

Mehr Raum für Kunst

Besonders ermutigend finden beide die Neugier junger Menschen. Andere Sehgewohnheiten und Perspektiven finden so ihren Weg in die Galerie. Neue künstlerische Ausdrucksformen, digitale Bildwelten und gesellschaftliche Fragen sorgen für frische Impulse. Diese Offenheit macht den Galeristen Hoffnung.
Ihr Wunsch für Hannover ist deshalb klar: mehr Raum für Kunst, mehr Sichtbarkeit für kreative Ideen und mehr Menschen, die den Mut haben, neue kulturelle Orte zu schaffen. Denn Galerien sind nicht nur Ausstellungsorte. Sie sind Impulsgeber für eine Stadt, die offen, vielfältig und lebendig bleiben will.

„UNDERCOVER – Wolfgang Flad, Jürgen Paas“ ist die aktuelle Ausstellung in der Galerie Drees, zu sehen bis 30. Oktober 2026. 
Die Kunstexperten der Galerie stehen interessierten Privatpersonen und Unternehmen auch beratend zur Seite – aus einem riesigen Portfolio lässt sich so für jede freie Wand das passende Kunstwerk finden.