Bewahrte Geschichte: Ein Bett für die Ewigkeit

22. Oktober 2026 | von Maja Henschel

Ein höfisches Prunkbett aus Schloss Urach kehrt nach aufwendiger Restaurierung an seinen historischen Ort zurück.

Barbara Helmrich vor einem kunstvoll verzierten historischen Bett in einem Ausstellungsraum Foto: Privat

Es ist ein Möbelstück, das Geschichte sichtbar macht: ein höfisches Prunkbett aus der Zeit um 1585, mit großem Baldachin, aufwendigen Schnitzereien und kunstvollen Applikationen. Einst wurde es anlässlich der Vermählung Herzog Ludwigs mit Ursula, Pfalzgräfin von Veldenz, gefertigt. Als Teil des ursprünglichen Inventars von Schloss Urach in Baden-Württemberg ist es heute wieder an seinem historischen Ort zu sehen.

Restauriert wurde das Prunkbett im Atelier der Diplom-Restauratorin Barbara Helmrich. Auftraggeber waren die Staatlichen Schlösser und Gärten Baden-Württemberg. Im Gespräch gibt ihre Tochter Carla Helmrich M.A., die ebenfalls im Atelier arbeitet, Einblicke in die Restaurierung. Als möglicher Schöpfer des Bettes wird Hans Rottenburger der Jüngere genannt. Über den Künstler selbst ist allerdings nur wenig bekannt.

Barbara Helmrich bei der Restaurierung eines historischen Holzbettes
Foto: Privat

Bewahren statt erneuern

Der Anlass für die Restaurierung war die umfassende Sanierung und Neukonzeption von Schloss Urach. Die historischen Ausstellungsstücke sollten an ihren ursprünglichen Ort zurückkehren. Dafür musste auch das Prunkbett wieder sicher aufgestellt werden können. „Es sind einige konstruktive Bereiche geschädigt gewesen, so dass das Bett besonders in diesen Bereichen gesichert werden musste“, erklärt Carla Helmrich. Mit gezielten Verleimungen wurde die Konstruktion stabilisiert.

Im Mittelpunkt stand der Erhalt der Originalsubstanz. So war es nicht  Ziel, das fast 450 Jahre alte Möbelstück in einen vermeintlichen Neuzustand zu versetzen.  Auch ältere Restaurierungen sollten möglichst sichtbar bleiben. „Die Spuren der Zeit“ gehörten zum Objekt und sollten nicht verschwinden. Zusätzlich wurden Furnier-, Einlege- und Intarsienarbeiten gesichert und die Oberfläche gereinigt. So kam die ursprüngliche Farbigkeit der verwendeten Hölzer wieder stärker zum Vorschein.

Wenn Geschichte zum Vorschein kommt

Barbara Helmrich restauriert antikes Holz-Möbelstück mit kunstvollen Verzierungen
Foto: Privat

Besonders eindrucksvoll war für Carla Helmrich die Oberflächenreinigung. Über Jahrzehnte hatte sich Schmutz auf dem historischen Material abgelagert. „Da hatte man natürlich einen tollen Effekt, der einem ganz viel Freude gemacht hat“, erzählt sie. Mit Wattestäbchen und Schwämmchen wurde nach und nach sichtbar, was darunter lag. Auch die anschließenden Retuschen verlangten Fingerspitzengefühl: Wie weit darf eine Restaurierung gehen, ohne die Geschichte des Objekts zu überarbeiten?

Rund drei Monate arbeitete das Atelier an dem Prunkbett – nicht durchgehend, denn auch Wartezeiten etwa bei Verleimungen gehören zu einer solchen Arbeit. Zur Ausstellungseröffnung entstand darüber hinaus ein Holzmodell zum Anfassen. Es zeigt einen Ausschnitt des Bettes und wurde nach historischen Techniken gefertigt. So können Besucher nicht nur das restaurierte Original betrachten, sondern auch nachvollziehen, wie handwerkliche Details einst entstanden.

Barbara Helmrich arbeitet mit einer Laubsäge an einem filigranen Holzstück auf einer Werkbank
Foto: Privat
Barbara Helmrich restauriert kunstvoll ein historisches Holzobjekt
Foto: Privat

Wissen mit den Händen

Für Carla Helmrich liegt genau darin der besondere Reiz des Restauratorenberufs: „Man sieht, was man geschafft hat mit seinen Händen und seinem Wissen.“ Gleichzeitig verlangt die Arbeit Zurückhaltung. Materialien müssen reversibel und lichtbeständig sein, die Originalsubstanz soll möglichst unangetastet bleiben. Restaurierung wird so zu einem Balanceakt zwischen Bewahren und behutsamem Eingreifen.

„Wir erhalten Kunst und Kulturgut, sodass es für die Nachwelt oder auch für das Hier und Jetzt weiter erhalten bleibt“, sagt Carla Helmrich. Das Prunkbett aus Schloss Urach erzählt damit nicht nur von höfischer Pracht vergangener Jahrhunderte. Es zeigt auch, wie viel Wissen, Geduld und handwerkliches Gespür nötig sind, damit Geschichte weiterhin sichtbar bleibt.