Luxus, Handwerkskunst und ein Hauch von Tradition neu interpretiert: Bei der Fahmoda Show 2025 präsentierten junge Designer ihre Abschlusskollektionen, die Vergangenheit und Moderne miteinander verbinden. Alexandra Bobrowski beeindruckte mit „Rodina Remains“, inspiriert von russischer und slawischer Tradition. Alina Lagemann und Mariesa Plewinski ließen sich von barocken Gärten und heimischem Dorfleben inspirieren. Mathilda Friedrichs fing das Feuer Spaniens mit „Cielo roja“ ein, während Zoe Grätz mit „Mother of Pearl“ Barock-Perlen ehrte. Leonard Giese setzte auf Hip-Hop-Kultur, und Anna Munz sowie Tom Runge überraschten mit Drag-Kollektion und surrealistischen Designs.
Märchenhaft schön
Luxus, Handwerkskunst und ein Schuß Tradition neu interpretiert: Die Kollektion „Rodina Remains“ von Alexandra Bobrowski ist nicht nur märchenhaft schön, sie verbindet Vergangenheit mit Moderne und ist so zukunftsweisend. Während der Fahmoda Show 2025, die in diesem Jahr unter dem Titel „Vogue votes“ stand, zeigte die junge Designerin mit ihrer Abschlusskollektion wie schön Tradition sein kann, wenn man sie auf ein neues Level bringt.
Voluminöse, aufwendig gearbeitete Ärmel an cremeweißen Jacken, schwingende, mehrlagige Tüllröcke und schwarze sowie rote Akzente prägen ihre Arbeit, die aufwendig, luxuriös und edel ist. „Rodina Remains“ ist inspiriert von der russischen und slawischen Tradition und ehrt damit auch eine Kultur, die durch Migration und Wandel geprägt ist.
Die Schönheit des Gartens
Wie gemacht für das üppig ausgemalte Galeriegebäude in Herrenhausen sind zwei Kollektionen. Zum einen „La beauté du jardin baroque“, was übersetzt „die Schönheit des barocken Gartens“ heißt. Schon mit der Wahl eines französischen Titels für ihre Kollektion weist Alina Lagemann auf eine Tradition im Barock hin: die gängige Sprache an den Höfen war Französisch. Sie hat sich von der Pracht des barocken Gartens inspirieren lassen und zeigt Kleider und Mäntel in sanften Pastellfarben, die mit Blütenblättern oder vollständigen Blumen geschmückt sind.
Die andere Kollektion, die vom Garten inspiriert ist, stammt von Mariesa Plewinski. Sie heißt „Sommerkompott“ und spiegelt die Sehnsucht nach Heimat, Dorfleben und Natur wider. Aus robusten Jeansstoffen fertigt sie Hosen – und sogar die Latzhose ist wieder da. Auch sie verziert ihre Teile mit Blumen.
Leidenschaft und Reichtum
Das Feuer und die Tradition Spaniens fängt Mathilda Friedrichs mit ihrer Kollektion „Cielo roja“ ein. Korsagen, üppige, mehrstufige Volantröcke, von Torreros inspirierte Blusen und Jacken – wer das Land im Süden liebt, wird von dieser Kollektion angetan sein. Burgunderrot, Schwarz, schimmerndes Dunkelgrün – die Farben der Stoffe versprechen Sinnlichkeit und Leidenschaft.
Perlen hatten im Zeitalter des Barock eine ganz besondere Bedeutung. Sie waren nicht nur extrem teuer. Da sie extrem selten waren, waren sie gleichzeitig Ausdruck von Macht und Erhabenheit. „Mother of Pearl“ hat Zoe Grätz ihre Kollektion genannt, die mit einem weiteren Aspekt spielt: die harte Hülle, die die zarte Perle umhüllt. So wirkt ein Mantel in Beige und Schwarz wie eine Schutzhülle für die Trägerin, während ein zartes Kleidchen aus besticktem, fast durchsichtigem Stoff die Haut des Models und dessen Zartheit durchscheinen lässt.
Hip-Hopp- und Drag-Kollektion
Ganz und gar nicht zart ist die Kollektion von Leonard Giese „Mind/Raise of Maniacs“. Sie ist geprägt von der Hip-Hopp-Kultur. Sein Streestyle ist immer oversize. Manchmal lässt er seine Models quasi in den Sachen verschwinden, manchmal sind Graffitis wie mahnende Demo-Plakate auf Shirts und Kleider gesprüht.
Noch einen Schritt weiter geht Anna Munz mit „Waves of Allure“. Ihre Drag-Kollektion ist geprägt von körperbetonten Schnitten wie man sie von klassischen Abendkleidern kennt. Korsagen, enge, trompetenförmige Röcke, weite High-Low-Abendröcke, die sich beim Gehen divenhaft aufblähen – ihre Models sind die Drag-Queens des Abends.
Surreale Klassiker
Tom Runge hat sich für seine Kollektion „Threads beneath the Surface“ von Carl Gustav Jung inspirieren lassen. Er setzt auf präzise Schnitte und setzt überraschende Akzente. So gibt es an seinen Hemden nicht nur einen, sondern gleich drei Krägen, ein Anzug wird zur Hose oder zahlreiche Knöpfe schillern auf der Schulterpartie eines Hemdes wie die Schuppen eines Fischs. Seine Kleidungsstücke nehmen Klassiker auf und setzen sie neu wie surrealistische Gemälde zusammen.
„Lost Acceptance“ nennt sich die Kollektion von Alina Strecker, die sich mit dem Tod beschäftigt. Dementsprechend düster fallen ihre Entwürfe aus. Schwarz und Dunkelgrün dominieren. Die Schnitte sind vom viktorianischen Zeitalter inspiriert. Meriyam Zbib greift mit „Eternal Glory“ die klassische griechische Mythologie auf. Sie fertigt ihre Kleidungsstücke aus Samt und Leder. Korsagen hat sie aus Epoxidharz gefertigt, was den Charakter und die Anlehnung an griechische Skulpturen unterstreicht.
Die Macht des Hutes
Und wer sich dann im Galeriegebäude umgesehen hat, fand eine Menge Mythologie auch an den Wänden des Raumes selbst. Der ehemalige Gartendirektor der Herrenhäuser Gärten, Ronald Clark, erklärte Moderatorin Luisa Verfürth und dem Publikum, was es mit den Wandmalereien im Galeriegebäude auf sich hat. Dort wird nämlich die Geschichte von Dido und Aeneas erzählt. Sie sind nicht nur kunsthistorisch wertvoll, sondern waren damals auch ein politisches Statement – ebenso wie der ganz besondere Hut, der über der Tür gemalt ist, die zum Großen Garten führt: Der Hut des Kurfürsten ist quasi zum Kleidungsstück gewordener Ausdruck der Macht. Und so war diese Show eine ganz besondere in einem ganz besonderen Ambiente.
Text: Heike Schmidt
Fotos: Tobi Wölki