Wie hat sich unser Alltag durch Smart-Home-Technologien verändert? Dinge, die früher manuell erledigt wurden, sind jetzt digital vernetzt und per Smartphone steuerbar. Fast die Hälfte aller Deutschen nutzt diese Anwendungen bereits und profitiert von mehr Sicherheit, Energieeinsparungen und Komfort. Besonders beliebt sind smarte Lautsprecher und Haushaltsroboter, die sogar eigene Namen bekommen. Doch nicht jeder ist gleichermaßen begeistert: Die jungen Menschen sind weit vorne, während Senioren eher auf Selbstbestimmung im eigenen Zuhause setzen. Mit einem Milliardenmarkt im Rücken ist die Zukunft des Wohnens digital und vernetzt.
Smart Home: Die Revolution des Wohnens
Ist zu Hause alles in Ordnung? Ist das Wohnzimmer schön warm? Und was haben wir eigentlich noch im Kühlschrank?“ Fragen wie diese konnten früher erst bei der Ankunft daheim geklärt werden. Die Jalousien mussten noch per Hand bedient und ebenso das Heizungsventil hochgedreht werden. Und ungebetene Gäste bemerkte man möglicherweise erst spät. Früher war dies Alltag, heute ist es dank Smart Home eher die Ausnahme.
Was 1975 ganz einfach mit dem X-10-Schaltkreis des schottischen Unternehmens Pico Electronics zur intelligenten Steuerung und Vernetzung von Schaltsignalen über die bestehende Hausinstallation begonnen hat, boomt seitdem. Heute ist es ein weltweites Milliardengeschäft. Für 2025 wird im Smart-Home-Markt in den USA mit umgerechnet 39,1 Milliarden Euro Umsatz gerechnet, für Deutschland sind es rund 8,8 Milliarden Euro.
Steuerung übers Smartphone
Fast die Hälfte aller Deutschen (46 Prozent) hat im vergangenen Jahr im eigenen Haushalt bereits Smart-Home-Anwendungen genutzt. Dies sind 20 Prozent mehr als noch 2018. Gründe dafür gibt es zahlreiche und über alle Altersklassen verteilt: Dazu gehören zum einen das gestiegene Sicherheitsbedürfnis sowie das Ziel, Energie und somit Geld zu sparen. Zum anderen ist es aber auch der Wunsch nach mehr individuellem Komfort und Lebensqualität.
Durchschnittlich sieben Anwendungen werden pro Haushalt und in allen heimischen Räumen gesteuert. Zu 90 Prozent läuft dies über ein Smartphone, rund zwei Drittel auch per Sprachbefehl, beispielsweise mit Alexa, Siri und Co. Es folgen Tablets und Bedienungsmodule an den Wänden.
Auch Videoüberwachung ist möglich
Dank Internet und mobiler Apps hat die Gebäudetechnik den Heizungskeller verlassen: Die meisten Anwendungen finden sich im Energiebereich. Hier vor allem zur intelligenten Steuerung von Lampen und Leuchten, Heizkörper-Thermostaten und Solaranlagen auf dem Dach, ebenso für Rollläden, Fenster und Markisen, Herd, Kühlschrank und Waschmaschine. Bis zu 16 justierte Messpunkte im Wohnobjekt sind dies pro Schalter. Auch der Wunsch nach heimischer Sicherheit dominiert: Smarte Videoüberwachung und intelligente Alarmanlagen informieren bei Abwesenheit auf Wunsch per SMS über die heimische Ruhe, und programmierte Lichtschaltprogramme täuschen während einer Reise die Anwesenheit vor. Vor allem Jüngere schätzen außerdem die vernetzten Komponenten der Unterhaltungselektronik wie smarte Lautsprecher.
Im Haus- und Gartenbereich sind es Roboter zum Staubsaugen und Rasenmähen, die verstärkt zum Einsatz kommen. Bei einem Viertel aller Nutzer sogar mit eigenem programmiertem Namen: Rasimir und Dolly, R2D2, Saugus Rex und Heinzelmann. Darüber hinaus werden oft die Kohlenstoffmonoxid-Konzentration und Luftbelastung durch Pollen per Smart-Home-Sensoren gemessen.
Vor allem Jüngere nutzen die Technik
Unterschiede zeigen sich in der Affinität der Altersgruppen zur digital gesteuerten Welt: Von den 16- bis 29-Jährigen nutzen 60 Prozent Smart Home – vor allem im Bereich der Unterhaltungselektronik –, von den über 65-Jährigen sind es nur rund 20 Prozent. Vor allem Ältere nutzen Smart-Home-Anwendungen, um länger selbstbestimmt in ihren eigenen vier Wänden zu leben. Je nach Größe von Wohnung und Haus sowie dem gewünschten Ausstattungsstandard werden dafür durchaus bis zu 40.000 Euro investiert.
Zwei Drittel aller Befragten möchten nach ihren bisherigen Erfahrungen nie wieder auf ein Zuhause mit Smart-Home-Anwendungen verzichten. Manchmal wohl auch aus kindlicher Freude daran. „Während ich hier in Hannover sitze, kann ich meiner Frau zu Hause in Laatzen einfach mal per Smartphone-App aus Spaß kurz das Licht ausschalten“, verrät ein gutgelaunter Nutzer
Text und Fotos: Torsten Lippelt