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Drei Tipps zum Tag der Aktie

16. März 2024

Über Geld spricht man nicht? Wir tun es! Zum „Tag der Aktie“ haben wir einen Fachmann zu Geldanlagen gefragt: Martin Schilling, Leiter der Geschäftsstelle M.M. Warburg & CO Hannover, verrät seine drei Top-Tipps.

„Bei der erstmaligen Anlage in Aktien gibt es viele Dinge, die bedacht werden sollten. Aus meiner über 30-jährigen Berufserfahrung im Anlagebereich sind es vor allem drei Aspekte, die dabei von zentraler Bedeutung sind“, erklärt Martin Schilling. Hier seine Empfehlungen:

1. Langfristiger Anlagehorizont

Aktien sind in der Vergangenheit die renditestärkste Anlageform an den Kapitalmärkten gewesen. Genau das ist auch der Grund, warum die Bundesregierung aktuell plant, das bisherige Rentensystem durch eine langfristige Aktienkomponente zu ergänzen. Allerdings handelt es sich bei diesen langfristigen Betrachtungen stets um Durchschnittsrenditen über den gesamten Zeitraum. Einzelne Jahre können hiervon deutlich abweichen und im Fall überraschender negativer Ereignisse, wie zum Beispiel Wirtschaftskrisen (Lehmann-Pleite, Euro-Krise), Naturkatastrophen (Tsunami in Fukushima, Corona-Pandemie) oder kriegerische Auseinandersetzungen (Ukraine-Invasion, Gaza-Konflikt) können Aktienkurse auch im Extremfall über mehrere Jahre sinken. Es braucht also einen ausreichend langen Zeithorizont, in dem ein Anleger seine investierten Gelder nicht benötigt. Nach den Erfahrungen der Vergangenheit sollte dieser Zeitraum mindestens drei Jahre oder besser noch mindestens fünf Jahre betragen, um als Anleger zwischenzeitliche Kursrückgänge aussitzen zu können.

2. Die eigene Risikotragfähigkeit realistisch einschätzen

Es reicht allerdings nicht aus, nur einen genügend langen Anlagehorizont zu haben. Denn sollte ein Anleger feststellen, dass er bei Kursrückgängen an den Aktienmärkten nicht entspannt abwarten kann, sondern schlaflose Nächte hat, dann wird er es im Regelfall nicht schaffen, vorübergehende Rückschläge auszuhalten. Stattdessen wird er die Aktien zu den gesunkenen Kursen verkaufen, um das für ihn als zu hoch empfundene Risiko loswerden. Hierdurch erleidet er reale Verluste, und die hohen theoretischen Langfristrenditen sind für ihn bloße Luftschlösser. Um dieser Situation zu entgehen, ist es wichtig, sich als Investor vor dem Aktienkauf möglichst realistisch hinsichtlich der eigenen Risikotoleranz zu hinterfragen. Das Ergebnis ist in der Praxis höchst individuell und mündet in der Formulierung der maximalen Quote von Aktieninvestments am gesamten Anlegervermögen. Der Vermögensteil oberhalb dieser maximalen Aktienquote wird dann in Anlageformen mit einem geringeren Chancen-Risiko-Verhältnis, wie beispielsweise Anleihen oder Festgeld, angelegt.

3. Streuen, Streuen, Streuen

Aber auch ein ausreichend langer Anlagehorizont und die Kenntnis der eigenen maximalen Aktienquote reichen noch nicht aus. Die langfristigen hohen Renditen werden meistens für Aktienindizes berechnet, also für eine große Menge einzelner Aktien, die in einem Index repräsentiert sind. Das reale Kursverhalten einer einzelnen Aktie kann allerdings deutlich von der Entwicklung eines Aktienindexes abweichen und in der Regel sind auch die Schwankungsintensitäten einzelner Aktien spürbar höher. Der Blick in die Vergangenheit zeigt, dass auch etablierte Unternehmen mit bekannten Namen nicht vor großen Problemen und im Extremfall auch nicht Pleiten gefeit sind. So bedeuteten die Konkurse von Karstadt, Gerry Weber oder Philipp Holzmann für den Anleger in den entsprechenden Aktien stets einen Totalverlust. Um die Auswirkungen des Einzeltitelrisikos eines Aktieninvestments zu reduzieren, gilt die goldene Regel „streuen, streuen, streuen“. Das bedeutet, in eine Vielzahl verschiedener Aktien aus unterschiedlichen Branchen anzulegen, um wie es sprichwörtlich heißt, „nicht alle Eier in ein Nest zu legen.“

Martin Schilling, Leiter der Geschäftsstelle M.M. Warburg & CO Hannover.

Schillings Fazit:

Bei Beachtung dieser drei wesentlichen Aspekte lassen sich viele potenzielle Fehler bei der Aktienanlage bereits im Vorfeld der Investitionsentscheidung vermeiden. Dennoch ist es in der Realität gerade bei Neueinsteigern am Aktienmarkt stets Vorteil, sich fachkundig beraten zu lassen.

Text: Martin Schilling, Merle Haarstick

Foto: M.M. Warburg & CO, Beitragsbild: Pixabay/ StockSnap

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