Wer in Zeiten wie diesen über ­ausreichend liquide Mittel verfügt, der braucht einen guten Plan. ­Reisen macht keinen Spaß mehr, denn die Welt ist nicht mehr so offen wie­ ­gewohnt. ­Sparen auf dem Bankkonto wird nicht mehr belohnt oder ­womöglich ­sogar durch Minuszinsen bestraft. Und ­Dagobert Ducks Geldspeicher ist auch keine Option. Was also raten die ­Experten in Sachen Geldanlage? nobilis hat nachgefragt.
Interviews: Beate Rossbach; Titelbild: eyetronic – stock.adobe.com

Torben Friedrichs-Jäger, Leiter Wealth Management und Direktor vom Bankhaus C. L. Seeliger, Wolfenbüttel:

Torben Friedichs

Foto: Bankhaus C.L. Seeliger

Aktuell können die Anleger, die nicht in absehbarer Zeit in der Lage sein müssen, auf ihr Geld zuzugreifen, eigentlich gar nicht anlegen. Es gibt im konservativen Anlagebereich, für den unser Haus steht, kaum Möglichkeiten, denn es gibt bekanntlich keine Zinsen. Es muss also ein langer Anlagehorizont sein, denn alles, was kurzfris­tige Laufzeiten hat, birgt gewisse Risiken. Da landet man dann im Grunde bei Aktien, Edelmetallen und Immobilien. Bitcoin bzw. Kryptowährungen sind hochspekulativ. Ich verweise dazu auch auf die deutlichen Warnungen des Bundesaufsichtsamts. Ursprünglich einmal auf Vertrauen gegründet, als Alternative zu allgemeinen Währungen, ist das ein total intransparenter Markt. Der Euro, der ja nicht mehr goldgedeckt ist wie früher, basiert mittlerweile auch auf Vertrauen, aber da steckt mehr Power dahinter. Er wird durch Wirtschaftskraft und Regierungen gedeckt. Diejenigen, die jetzt sagen, das ist ja alles nichts mehr wert, die gehen dann andere Wege und erfinden Parallelwährungen wie die Kryptos. Aber die haben mittlerweile Dimensionen angenommen, dass es ein Problem werden könnte. Zum Beispiel, wenn da irgendjemand den Stecker rauszieht. Totalverluste sind hier nicht ausgeschlossen. Wir raten unseren Kunden dazu nicht. Wer nicht an die Papierwährung glaubt, der sollte dann lieber auf Gold ausweichen. Andere Währungen – außer dem Euro – sollte man durchaus auch in Betracht ziehen, denn wir glauben, dass Kunden grundsätzlich diversifiziert sein sollten. Ich hatte Gold und Immobilien ja auch schon angesprochen. Man sollte sich mit dem Großteil seines Geldes ein sogenanntes robustes Portfolio aufbauen, mit dem man sachwertorientiert arbeitet. Da hat man einen bestimmten Gegenwert, egal in welcher Währung.

Carsten Klude, Chefvolkswirt vom Bankhaus M.M.Warburg & CO, Hamburg

Carsten Klude

Foto: Sven Wied

Nahezu alle Volkswirtschaften gerieten 2020 in eine schwere Rezession, und an den Kapitalmärkten kam es zu heftigen Turbulenzen mit panikartigen Verkäufen. Erst das beherzte Eingreifen der Geld- und Fiskalpolitik verhinderte Schlimmeres und sorgte dafür, dass sich die Situation an den Kapitalmärkten nach und nach wieder beruhigte. Obwohl die Wirtschaft nach wie vor unter den Corona-bedingten Einschränkungen leidet, haben sich die meisten Aktienmärkte von ihren zwischenzeitlichen Kursverlusten erholt. Einige Börsen, darunter der DAX und die großen US-Indizes, haben sogar neue Rekordstände erreicht. Wie ist diese Entwicklung trotz der vielen fundamentalen Probleme zu erklären? Zum einen haben die Zinssenkungen der Notenbanken dazu geführt, dass festverzinsliche Wertpapiere aufgrund immer geringerer Zinskupons für Anleger noch unattraktiver geworden sind. Gleichzeitig sorgt die anhaltende Liquiditätsschwemme aber dafür, dass viel Kapital angelegt werden muss. Das viele Geld, das die Notenbanken „drucken“, sucht daher nach immer weniger vorhandenen attraktiven Anlagemöglichkeiten, sodass die Bewertungen von Vermögensgegenständen immer größere Höhen erreichen. Ob Anleihen, Aktien, Gold und Silber, Kunstgegenstände oder Antiquitäten: Alles wird teurer. Fundamentale Gründe und Argumente, die für oder gegen den Kauf bestimmter Anlage­produkte sprechen, sind zuletzt in den Hintergrund getreten. Dank erster Corona-Impfstoffe, aber auch, weil die internationale Geldpolitik den eingeschlagenen Kurs fortsetzt, bleiben Aktien die bevorzugte Anlageform. Der DAX dürfte deswegen bald die Marke von 15.000 Punkten erreichen.

Heinz Franke, Geschäftsführender Gesellschafter Franke & Co. Depotstrategien GmbH, Emmerthal

Heinz Franke

Foto: Franke & Co Vermögenskonzepte GmbH

Sollten Anleger eine Investition in Bitcoins wagen? Henry Ford sagte einmal: „Würden die Menschen das Geldsystem verstehen, hätten wir eine Revolution noch vor morgen früh.“ Seit Satoshi Nakamoto im Jahr 2008 den Bitcoin erfand, sind viele hundert ähnlich funktionierende Währungen auf den Markt gekommen. Sie kommen ohne Banken oder sonstige Mittelsmänner aus und ermöglichen direkte und kostengüns­tige Zahlungen. Der Begriff Bitcoin wird oft für zwei Dinge verwendet: einerseits für ein weltweites, internetbasiertes Bezahlsystem, andererseits für die system­interne Währung. Die Bitcoin-Inflation ist im Gegensatz zu herkömmlichen Währungen streng reglementiert.

Hier ein Zitat aus dem Buch „Cryptocoins“ von 2018: „Das Weltwirtschaftsforum schätzt, dass im Jahre 2025 rund 10 % des weltweiten BIP auf Blockchains, also Cryptocoins, gehandelt wird … Ein Bitcoin würde dann rund 288.000 US-Dollar kosten.“

Trotz oder gerade wegen des aktuellen Booms gibt es jedoch viele Risiken wie Diebstahl, z. B. durch Hacking, der einen Totalverlust bedeuten kann. Zudem haben wir es hier mit einem sehr jungen Phänomen zu tun, das sich noch im Experimentierstadium befindet. Wer einfach drauflos investiert, sollte sich auf eine wilde Achterbahnfahrt gefasst machen. Eine solche Anlagestrategie erfordert einiges an Zeit, Geschick sowie Kapital und gehört in die Hände von Fachleuten. Wer hier also nicht bewusst auf Risiko setzt, der sollte sich von Experten gut beraten lassen, in welcher Größenordnung und auf welche Weise in Kryptowährungen investiert werden sollte.

Falco Fischer, Inhaber Mauck Juweliere, Hannover

Schmuck hat eine Bedeutung, die bereits in seinem Namen liegt. Schmuck soll schmücken, soll Schönheit und Freude vermitteln. Wer also nur den Geldwert eines Schmuckstücks betrachtet, muss ganz nüchtern den ideellen vom materiellen Wert trennen. Man hat einen Werterhalt, aber nicht unbedingt eine Geldanlage. Beim Verkauf eines gestalteten Schmuckstücks werden die Kalkulationskosten und die Umsatzsteuer herausgerechnet. Schöner, ausgefallener Schmuck wird immer wertvoll sein. Aber eine Wertanlage sollte zum Beispiel auch in Krisenzeiten noch Möglichkeiten bieten. Dann müssen die Stücke, wenn sie veräußert werden sollen, auf dem Markt Abnehmer finden. Wer Diamanten als sicheren Schatz für schlechte Zeiten sucht, der sollte Steine wählen, für die die Nachfrage auf dem Markt groß ist. Also lieber mittlere Qualität und kleiner als den hochwertigen, großen und ausgefallenen Stein. Aus Sicht unserer Branche kann ich sagen: Mit Gold liegt man in Krisenzeiten immer richtig, langfristig wird es immer steigen. Platin wird im Moment unterbewertet. Aber wenn die Nachfrage steigt, steigt auch wieder der Preis. Damit könnte man sich im Moment gut eindecken, im Gegensatz zu Gold, das aktuell sehr teuer ist. Es sei denn, man kauft sich beim Juwelier ein edles Stück, das einem gut gefällt, das man gern trägt, aber auch wieder abstoßen kann, wenn es denn sein muss.

Thorsten Straller-von Kersten, Niederlassungsleiter ­Degussa Goldhandel, Hannover

Thorsten Straller von Kersten

Foto: Degussa

Gold, in Form von Barren oder Münzen, stellt traditionell eine solide Alternative dar als vergleichsweise risikoarme Vermögensanlage, die auch langfristig eine Wertbeständigkeit bietet und sich dabei unabhängig von finanzpolitischen Unsicherheiten zeigt. Seit Jahren erleben wir eine wachsende Nachfrage beim Goldinvestment. Das hängt mit dem langfristig steigenden Goldkurs und der schwierigen wirtschaftlichen Lage weltweit zusammen. Gold dient Anlegern dabei als der „sichere Hafen“, da es nie seinen Wert verlieren wird und da in den nächsten Jahren ein weiterhin steigender Goldpreis zu erwarten ist.

Deshalb raten seriöse Goldhändler und Verbraucherschützer, das eigene Anlageportfolio mit einem Anteil von circa 20 Prozent mit physischen Edelmetallen abzudecken. Denn Gold kann als eine Art „Vermögensversicherung“ betrachtet werden. Selbstverständlich raten wir dazu, beim Kauf von Barren und Münzen stets ein bekanntes Unternehmen aufzusuchen, bei dem Seriosität garantiert ist. Die Verkaufspreise müssen sich immer am tagesaktuellen Goldkurs orientieren. Vertrauenswürdige Gold-Handelshäuser bieten ausschließlich Goldbarren an, die von der London Bullion Market Association (LBMA) zertifiziert sind. Goldbarren sollten in allen gängigen Gewichtsgrößen – von ein Gramm bis ein Kilogramm – im Sortiment vorhanden sein und durchweg die höchstmögliche Feinheit besitzen. Münzen sollten ebenfalls in verschiedenen Gewichtsgrößen angeboten werden.

Ein guter Goldhändler bietet auch den Ankauf von Edelmetall­produkten, zum Beispiel altem Schmuck, zu fairen Preisen an. Dabei ist die genaueste Prüfung der Stücke mithilfe modernster Messgeräte entscheidend. Nur so kann der Goldgehalt der jeweiligen Stücke und damit der aktuelle Wert exakt ermittelt werden.

Auch Immobilien und Kunst sind Möglichkeiten, um Geld sinnvoll anzulegen. Was unsere Experten dies­bezüglich raten, erfahren Sie in Teil zwei unseres Themas „Wohin mit dem Geld?“ – zu lesen in der April-Ausgabe der nobilis.