362 Tage im Jahr leben Verena Schindler und Christoph Elbert Gastronomie. Mit dem 11a, dem ­Boca, dem Ihmerauschen und dem Walk on the Wild Side. An Weihnachten genießen sie es, mit Familie und Freunden Zeit zu Hause zu verbringen. Gekocht wird natürlich trotzdem. Um zu sehen, was bei der Familie Weihnachten auf den Tisch kommt, durfte die nobilis einen Blick in die Stube des Paares werfen.

Text: Luisa Verfürth Fotos: Shino Photography

Weihnachten wurde bei Verena Schindler und Chris­toph Elbert in den vergangenen Jahren immer schon am 23. Dezember langsam mit Musik eingeleitet. Nicht nur die Familie reiste dann an. Auch Freunde aus Berlin waren gern dabei. In ihrer Weinbar Ihmerauschen gab es am Tag vor Heilig­abend meist ein kleines Konzert, bevor sich die Bar und ihr Restaurant 11a nebenan in eine kurze, festliche Feiertags­pause verabschiedeten. Im Plümecke in der List, der urigen Kneipe, die inzwischen Christophs Sohn David führt, ist es Tradition, dass am Tag vor Weihnachten der Weihnachtsmann samt Engel einkehrt und die Stammgäste ihnen Lieder und Geschichten vortragen.

Warenkunde foods friends

Das Gastronomen-Paar freut sich auf Weihnachten. „Es gibt immer reichlich zu essen, das ist mir komischerweise wichtig“, sagt Christoph und lacht, während er auf seiner weißen Schneidemaschine Schinken in hauchdünne Scheiben schneidet und liebevoll auf einen Teller legt. „Ich möchte, dass sich die Balken biegen an Weihnachten. Wir kommen dann immer aus einer Phase, die sehr anstrengend ist. Das Arbeitsjahr ist dann rum, das Fokussiertsein hat für einen Moment ein Ende – ein besonderer Zeitpunkt, an dem ich es genieße, für meine Familie und Freunde zu kochen.“

Von Rotkohl und traditioneller Deko

Man kann es sich bildlich vorstellen, wie in ihrem Zuhause, einer ehemaligen Polizeiwache in Linden, die die beiden seit einem Jahr mit Liebe zum Detail um- und ausbauen, weihnachtliche Atmosphäre einzieht. Wenn Verena vom Lindener Markt den größten Tannenbaum kauft und dieser vom Verkäufer direkt um die Ecke in die vier Meter hohen Räumlichkeiten gebracht wird. Man sieht Christophs 93-jährige Mutter Irene aus Düsseldorf davorsitzen und eine Geschichte vorlesen, sieht Verena, wie sie die lange Tafel vor dem Klavier deckt, an der später ihre erwachsene Tochter, wohnhaft in Berlin, samt Freund aus Amerika Platz nehmen wird, genau wie ihr gemeinsamer Sohn Aaron und ihr Hausmeister, der auch immer willkommen ist – wie alle, die sonst nirgendwo unterkommen. Auch zwei Katzen und eine Schar Hühner im Garten genießen die Gastfreundschaft der Familie.

Christoph kümmert sich derweil um das Essen, während im Hintergrund japanische Musik läuft. „Das beruhigt mich“, so der Gastronom, der selbst Gitarre und Klavier spielt. Seine Gans holt er vom Gänsehof Rust aus Ibsingen. Dem Rotkohl schenkt er besondere Aufmerksamkeit. „An Weihnachten muss alles passen. Was für mich aber enorm wichtig ist, ist der Rotkohl. Der muss top, top, top sein. Er hat diese feine Säure, aber auch etwas Flüssiges, Bissiges. Einen guten Rotkohl kannst du überall drauf machen, auf den Rosenkohl, die Klöße, das ist magisch. Ich mache ihn frisch. Er wird erst gehobelt, zwei Tage eingelegt und anfermentiert, bevor Früchte und Essig angereichert werden und er in Rotwein gekocht wird. Anschließend Gewürzbeutel rein und zum Schluss wird er mit Kartoffeln abgebunden, damit die Flüssigkeit etwas rausgenommen wird. Ein guter Rotkohl muss selbst gemacht werden und ja – das ist viel Arbeit. Am Essen sind Weihnachten schon Ehen gescheitert und Küchen auseinandergeflogen. Meine Mutter Irene hat für meine drei Geschwister, meinen Vater und mich immer Heiligabend Fondue gemacht, am ersten Weihnachtsfeiertag Gans und am zweiten Wild. Ich ziehe meinen Hut vor jeder Lady, die zu Hause drei Tage ihre Familie bekocht.“

Auch Verena merkt man die Vorfreude auf die Weihnachtstage an. Im Durchgang zum Wohnzimmer wird gerade noch ein XL-Mistelzweig aufgehängt. Dahinter wird der Tannenbaum stehen. „Mit echten Kerzen. Darauf besteht Chris­toph. Und meist steht der Baum dort auch bis Ostern. Dann machen wir auf dem Hof traditionell ein Osterfeuer und verbrennen den Baum.“ Traditionen sind den beiden wichtig. Aber kirchliche Besinnlichkeit brauchen sie nicht. „Wir stoßen hier zu Hause auf Jesus Geburtstag an.“

Das Fest in vollen Zügen genießen

Und genau damit startet auch ihr Heiligabend. Mit einem Champagnerempfang am riesigen Tannenbaum. „Es muss herausragende Weine geben, es muss genug zu trinken geben. Ich möchte, dass Weihnachten alles in Hülle und Fülle da ist. Es muss Champagner geben, in großen Flaschen, Weißwein und Rotwein aus Italien und Frankreich – ebenfalls in großen Flaschen.“

Nach dem Empfang wird gegessen. Vorspeise, Haupt­gericht, Dessert und Käse. „Ich esse das nie – aber Weihnachten habe ich immer Bock auf geräucherten Lachs mit Crème fraîche und Toast. Wir beziehen den aus einer Manufaktur in Berlin – die machen fantastischen geräucherten Lachs. Danach kommt die Gans. Das ist schon ein gehaltvolles Essen. Wir versuchen immer, am Tag darauf zu entschlacken.“

Danach erst gibt es die Geschenke. Bei Familie Schindler und Elbert nur eines pro Person. Verena verschenkt gern Konzertkarten. „Dinge, die man zusammen machen kann. Letztes Jahr waren wir zum Beispiel alle zusammen nach den Weihnachtstagen im Apollo und haben Star Wars geguckt mit der gesamten Familie. Bei aller Besinnlichkeit brauchst du ja auch immer etwas, das sexy ist und Spaß macht.“ Sexy sind die Großzügigkeit und Herzlichkeit, mit der Verena und Christoph bewirten, in jeder Hinsicht. Im Hintergrund läuft das Lied „Song to the Siren“ von The King. „Zu diesem Song haben wir vor ein paar Jahren einen Morgen fünf Stunden durchgetanzt“, so Christoph. Heute leben die beiden eine bunte Patchwork-Familie. Die Weihnachten genau hier zusammen kommen wird. „Uns geht es sehr gut, und zwar jeden Tag.“

Christophs Weihnachtsgans-Rezept

  • 1 Gans von 4,5–5 kg
  • 3 mittelgroße Zwiebeln
  • 3 mittelgroße Äpfel
  • 3 eingeweichte Brötchen oder altbackenes Brot
  • Rosinen
  • 1 rohes Ei
  • etwas Salz

Die Gans abwaschen, salzen, pfeffern. Zwiebeln und Äpfel schälen und würfeln. Brötchen würfeln, Rosinen und Ei untermischen. Auf Wunsch das Herz und die Leber der Gans kleinschneiden, ebenfalls dazugeben; Füllung mit Beifuß abschmecken. Die Gans ca. 100 Minuten bei 200 Grad garen, dann noch einmal 70 Minuten bei 170 Grad.