Miami oder Minneapolis? Hauptsache America Unlimited. Timo Kohlenberg hat mit nur 35 Jahren sein Reiseunternehmen zu einem Marktführer der Branche entwickelt und ist nebenbei noch Podcaster geworden. Wie es dazu kam, was seine Traumdestination ist und auf welche Kontinente es noch gehen soll, hat er im Interview mit der nobilis erzählt.

Text: Luisa Verfürth  Fotos: privat

Wenn ich an Timo Kohlenberg denke, denke ich an einen Hünen in Latzhose, an den Füßen hohe Turnschuhe, stets der neueste Style-Schrei, die blauen Augen stark fokussierend und unterm Hintern immer eine flotte Karosse.
Während in den Neunzigern hippe Jungunternehmer in oft zu großen, schlecht sitzenden Anzügen herumgejettet sind, steht Timo Kohlenberg für den neuen Typus eines frechen Durchstarters. Er ist direkt aus den Kinderschuhen reingewachsen in die perfekt sitzende Baggy Pants eines erfolgreichen Reiseunternehmens, das die Staaten mit der Muttermilch aufgesaugt hat: „America Unlimited“.

Glück im Unglück

Timo und seine Schwester Julia Kurz wurden durch ein Unglück mit Anfang zwanzig in die frisch gegründete Firma des Vaters katapultiert. „Mein Vater war, bevor er America Unlimited gegründet hatte, 20 Jahre Co-Inhaber eines anderen Reiseveranstalters, bis er mit 54 Jahren plötzlich verstarb.“
Kohlenberg war zu dem Zeitpunkt gerade im Kommunikationsstudium, seine Schwester hatte eine Ausbildung im Unternehmen durchlaufen. „Wir haben damals hin und her überlegt was wir machen, aber wir hatten zu dem Zeitpunkt schon eine überwältigende Mehrheit von Partnern, die sagten: „Ihr müsst weitermachen.“ Damals hatte die Firma zwei Mitarbeiter. Heute zählt sie 21. Und vor sieben Jahren hat Kohlenberg noch „Feinreisen“ gegründet, einen Zweig der Firma, der sich neben Amerika um High-End-Reisen nach Australien, auf die Seychellen, Malediven oder auch nach Dubai oder in den Oman kümmert.

Timo Kohlenbergs Podcast mit Prominenten wie Frauke Ludowig befindet sich im Moment in den Top 3 aller deutschen Reisepodcasts.

Traumziele gesucht – und gefunden

Den Oman besuchte Kohlenberg vor Kurzem mit seinem Ehemann Alex und entdeckte durch Zufall seine Traumdestination. „Wir testen oft neue Hotels, um sie für unsere Kunden beschreiben zu können. Mit dem „Alila Jabal Akhdar Resort“ im Oman habe ich einen Ort gefunden, zu dem ich gern sage: „ Das ist etwas, was du nie gesucht hast, aber wenn du es siehst und gefunden hast, wiederhaben willst.“ Das Besondere an dem Resort ist, dass es mit das einzige seiner Art im Oman ist und in dieser besonderen Umgebung nur umgesetzt werden durfte, weil es landestypisch gebaut ist. Wenn er vom Resort erzählt, leuchten Kohlenbergs Augen. „Es ist ein Träumeerfüller-Hotel. Man kann dort die Canyons hinuntersteigen mit einer geführten Climbing-Tour, Sunset-Yoga und angeleitete Meditationen machen, jahrhundertealte Fossilien entdecken oder in die Sterne gucken. Nachts ist es hier stockdunkel, weil aus Rücksicht vor der Natur und den Tieren keine große Beleuchtung die Natur um das Hotel illuminieren darf.“

Neue Projekte

Während der Pandemie, als das Reisen unmöglich wurde, kam ihm eine neue Idee: das Podcasten. Anfangs interviewte Kohlenberg Insider der verschiedenen Reiseziele, die den Zuhörern Tipps rund um das vorgestellte Land mit auf den Weg gaben. Inzwischen sind viele Prominente dazugekommen. Der Erste war Star-DJ „Alle Farben“ – alias Frans Zimmer. Der verriet, dass reisen und auch schlafen in den besten Hotels für ihn während der Sommermonate zum größten Teil nur Mittel zum Zweck während der Gigs geworden seien. Wirklich erholen würde er sich in den Wintermonaten auf Bali im „Bancha Sramanora Resort, in Thailand, in einem Hotel mitten im Dschungel, wo man Glück hat, wenn man WLAN hat, manchmal die Elektrizität ausfällt, und das Schönste ist, wenn man beim Kaffee morgens den Dschungel erwachen sieht, und die Affen auf der Suche nach Kokosnüssen. Dort tankt der DJ sich mit Energie auf. Inzwischen sind viele weitere Prominente wie Frauke Ludowig, Jasmin Wagner und Ralph Morgenstern dazugekommen, und damit hat sich der Reisepodcast auf Platz drei aller deutschen Reisepodcasts katapultiert.

Immer wieder nach Amerika

Als Kind musste Kohlenberg gefühlt ständig nach Amerika oder Kanada reisen. Während seine Freunde Club-Urlaube auf Mallorca buchten, war er meist dem Unternehmen des Vaters geschuldet in den USA. „Erst mit 18, als ich das erste Mal wieder allein dort den Urlaub verbrachte, kam die Liebe zu dem Land zurück.“
Heute fliegt Kohlenberg bis zu sieben Mal pro Jahr über den Großen Teich und beneidet Menschen, die im Flieger schlafen können. „Ich hasse Menschen, die das können“, sagt Kohlenberg augenzwinkernd. Meistens arbeite er am Laptop oder gucke Filme. Die kontinuierliche Weiterbildung vor Ort im Land ist es auch, was America Unlimited ausmacht. „Die Menschen können sich noch so viel im Internet über Amerika durchlesen, sie werden nie die Insiderinformationen bekommen und die Expertise, über die unsere Mitarbeiter verfügen, die ständig vor Ort sind und Locations neu entdecken und prüfen.“ Das ist Kohlenberg auch sehr wichtig: „Wir sind kein Reisebüro. Wir sind ein Reiseveranstalter. Das bedeutet, dass wir unsere Reisen alle direkt einkaufen und auch andere Reisebüros bei uns buchen.“

Auch die Moderatorin und südafrikanisch-deutsche Tänzerin Motsi Mabuse konnte Kohlenberg für seinen Podcast „Keine Reise. Ein Erlebnis. Der Insider Reise-Podcast“ gewinnen.

Geheimtipps für die USA

Wo fährt man denn als Erstes hin, wenn man noch nie in den USA war und das Land entdecken möchte? „Die jungen Leute möchten meistens nach New York. Das funktioniert bei uns auch mit Flug schon ab 900 Euro. Wer das richtige Amerika erleben möchte, dem empfehle ich eigentlich immer die Südwest-Küste und zum Start einen Trip von Kalifornien über Nevada, Utah, dann über San Francisco den Highway Number One an der Küste entlang nach Los Angeles und von dort in Richtung Las Vegas, und dazu die National Parks mitnehmen sowie den Grand Canyon. Das ist die klassische Einsteigertour, die man sportlich in zwei Wochen schafft, entspannter in drei oder vier Wochen. Das andere Zielgebiet wäre sonst Florida.“
Aber auch Hawaii kann der 35-Jährige sehr empfehlen. „Hawaii finde ich ultracool. Da sind wir auch sehr stark drin. Es ist ganz anders als der Rest der USA, sehr exotisch und bekannt für seine grünen Canyons. Man kann dort Wale beobachten, aktive Vulkane, sogar Lava sehen, die ins Meer rauscht und verdampft. Pearl Harbour ist ein Muss, genauso wie man seine Füße einmal auf den Waikiki Beach gestellt haben sollte.“
Ob er selbst überhaupt noch Träume und Destinationen hat? „Auf jeden Fall. Ich möchte unbedingt noch nach Afrika, das fehlt mir noch komplett, genauso wie Australien. Aber da kann ich auch schon ein bisschen spoilern. Das wird nämlich unsere nächste Marke: Australia Unlimited. Damit werden wir dann hier stark vertreten sein.“
Timo Kohlenberg scheint nicht aufzuhalten zu sein. Die Ziele sind gesteckt: ohne Grenzen.