In der Käpt’n-Christiansen-Straße 9 betreiben Stefan (43) und Eileen Pflug (36) die Seekiste. Eileen Pflug hat nur kurz Zeit, die gelernte Hotelfachfrau steht unter Druck. Pausenlos klingelt das Telefon, und die Gastronomin muss allen Gästen dieselbe Antwort geben: „Wir sind heute und morgen ausgebucht, bitte rufen sie wieder an.“

Text: Marleen Gaida  Fotos: Lorena Kirste

Aber eigentlich sind die Reservierungsbücher für die nächsten drei Wochen voll, nur wenn jemand absagt, wird ein Tisch frei. Gegessen wird hier aktuell im Schichtbetrieb. Um 17:30 Uhr kommt die erste Garde, um 20:15 Uhr bereits die zweite Rutsche. Die Inselgastronomie ist voll! Urlaub daheim ist gefragt wie nie und traditionelle Nordseeküche, wie sie in der Seekiste serviert wird, ebenfalls. Das Gastronomen-Ehepaar Pflug, das die Seekiste im siebten Jahr betreibt, freut es. Die Frage ist nur, wohin mit den vielen Gästen? „Manche nehmen sogar in Kauf, im Regen auf der Terrasse zu essen“, erzählt sie. Besonders beliebt seien die Sylter Miesmuscheln aus Hörnum, eine Delikatesse aus dem Meer (siehe Seite 46). „In einer Curry-Sahne-Sauce mit gebuttertem Friesenbrot von der Bäckerei Abeling um die Ecke.“ Auch sonst bezieht die Küche ihre Zutaten wenn möglich aus der Region. „Das Rinder- und Lammfilet kommt aus Husum, die Weine alle aus deutschen Anbauregionen wie Baden und Rheingau.“

Gespeist wird übrigens traditionell im nautischen Inte­rieur. Die blau-weißen Kacheln an den Wänden kreieren den Friesencharme. Traditionell ist nicht nur die Einrichtung, sondern auch der „Enten-Dienstag“. Dann kommt der Vogel ofenfrisch auf den Teller und wird mit Klößen, Rotkohl und Sauce serviert. „Das ist tief verankert in der Geschichte der Seekiste, das war schon immer so.“ Und was auch immer so ist und bei dem ganzen Andrang auch so blieben muss: „Der Sonntag ist frei. Das ist unser wichtigstes Ritual: der Familien­tag“, sagt Eileen Pflug, und ein Lächeln huscht bei diesem Gedanken über ihr Gesicht.