Joerma Biernath erlebt mit einer Abenteuerreise hannoversche Geschichte

„Wir segeln mit einem Fass Gin nach England, trampen damit über Land nach Bristol, treffen dort den Bürgermeister und bringen das Fass dann wieder nach Hause.“ So hat Joerma Biernath im Sommer letzten Jahres von seinen Plänen erzählt. Alle abenteuerlustigen Zuhörer wurden schlagartig hellhörig und wollten mitfahren, aber Corona stand auf der Bremse. Jetzt wurde die „Schnapsidee“ Realität.

Text: Joerma Biernath   Fotos: Roland Schmidt

Es war ein kühler Morgen am Hohen Ufer der Leine, als ein Prinz sportlich die Böschung hinabkletterte, eine imposante Fahne entfaltete, in ein dort festgemachtes Holzboot stieg und sich von Kapitän Joerma Biernath eine Ginflasche reichen ließ. Seine Königliche Hoheit Heinrich Prinz von Hannover, Herzog zu Braunschweig und Lüneburg, Königlicher Prinz von Großbritannien und Irland war zur Schiffstaufe angereist und gab dem Kutter den Namen „Hannover Spirit of Niedersachsen“.

Tatkräftig unterstützt wurde er von Hannovers Bürgermeister Thomas Hermann und assistiert von Harriet Biernath, der Kapitänstochter. Bei der Fahne handelt es sich laut Aussage seiner Königlichen Hoheit um „die Seefahrtsflagge des Königreichs von Hannover bis zum Jahr 1867, allerdings ergänzt um das Niedersachsenpferd.“ Die Flagge könnte in internationalen Gewässern für einige Aufmerksamkeit sorgen. Die Kameraverschlüsse der Pressevertreter von nah und fern klickten im Stakkato, ein angenehmer Gin-Duft waberte durch die Luft. Die Damen und Herren der Hannoversch-Britischen Gesellschaft, viele Schaulustige und die Familien und Freunde der Bootsmannschaft applaudierten. Die Crew für den Start, den Tag Eins der Schiffsreise „on the way to Bristol“, waren sportliche Herren, Mitglieder des Rugby-Teams des TSV Viktoria Hannover-Linden, die sich kurz darauf an die Arbeit machten. Die „Hannover“ legte ab, wurde mit Muskelkraft erst ins tiefere Leinewasser geschleppt, und dann ging es tatkräftig an die Ruder.

Wer Joerma Biernath kennt, der weiß, dass er schon einige ungewöhnliche Aktionen durchgeführt hat – erfolgreich übrigens. Joerma Biernath ist ein bundesweit gefragter Landschaftsgärtner, der sehr kreative Ideen hat und sich bestens mit Pflanzen auskennt. Daraus entstand wohl auch sein zweiter Beruf, dem er ebenfalls mit Leidenschaft nachgeht. Er ist einer der bekanntesten hannoverschen Gin-Produzenten. Seine Destille hat ein originelles Zuhause am Weidendamm gefunden, und in den Brennkesseln wird so manches aromatische Pflänzchen zu „Hannover Gin“ verarbeitet.
Joerma Biernath ist bekennender Hannover-Fan, aber auch ein Weltbürger, der keine Grenzen mag, weder reale, noch die im Kopf. Und deshalb hat er seine Ginfässer auch schon an ungewöhnlichen Orten reifen lassen oder für die Sorte „Atlantic crossing“ 13000 Seemeilen übers Meer geschippert, um dem Reifeprozess des geistigen Getränks noch einen besonderen Kick zu verschaffen – Fernweh in Flaschen sozusagen.

Seine guten Beziehungen nach England wuchsen im Zusammenhang mit dem Hannover Gin „British Connection“. Bürger des Vereinigten Königreichs, Freunde und Wildfremde, haben Botanicals von der Insel gesammelt und nach Hannover geschickt. Joerma Biernath steckte sie gemeinsam mit Pflanzen aus der Eilenriede und Gärten und Landschaften der Region Hannover in seine kupfernen Brennkessel. Schon vor der hannoversch-britischen Gin-Connection gab es hier bekanntlich enge Beziehungen zu Großbritannien. Dass die historischen Beziehungen über 200 Jahre alt sind, ist aus dem Geschichtsunterricht bekannt, Stichwort „Personalunion“. Kurfürstin Sophies Sohn Georg Ludwig wird im Jahr 1714 King George I. und die Welfen, das „House of Hanover“, sitzen bis Mitte des 19. Jahrhunderts in London auf dem Thron. Dank der Briten wurde nach dem Zweiten Weltkrieg das Land Niedersachsen gegründet. Bristol, das Ziel der Seereise, ist seit 1947 Hannovers Partnerstadt. Wenn das Fass sein Ziel dort erreicht, wird es einen Festakt anlässlich des 75-jährigen Jubiläums der Städtepartnerschaft geben.

Wer gähnt da? Nein, Geschichte ist nicht langweilig, sagt Joerma Biernath. Aber man muss sie erlebbar und nahbar machen, für alle, die sich bisher noch nicht dafür interessiert haben. Und daher geht es jetzt los, auf nach England, mit einem Holzkutter, einem großen Gin-Fass, das vorne am Bug steht und wechselnden Crews an Bord, die auf alles gefasst sind. „Immer wieder werden wir am Wegesrand auf Hinweise treffen, die England mit unserer Heimat verbindet. Dabei lernen wir Orte und Menschen kennen, die wir ohne die Reise niemals kennengelernt hätten. Wir wollen wieder miteinander ins Gespräch kommen“, bekräftigt Kapitän Joerma.

Schiff ahoi, die Leine hinunter, Richtung Aller, dann auf die Weser, dann Nordsee, möglichst unter Segeln, dann Themse, große Empfangsparty in London und dann über Land nach Bristol – aber das sind noch Zukunftspläne. Je nach Wetter und Seefahrerglück wird während der Fahrt Halt gemacht, an Orten, die einen Bezug zur hannoversch-britischen Geschichte haben. So wurde in Marienwerder angelegt. Der dortige Hinübersche Garten wurde an 1766 nach englischem Vorbild als einer der ersten Landschaftsgärten in Deutschland angelegt. Weiter ging die Fahrt nach Neustadt, wo zu Füßen von Schloss Landestrost festgemacht wurde, und der Weg dorthin war, so berichten Joerma Biernath und seine Crew, ein magischer Trip: „Das sonnige Herbstwetter war ein Traum, wir haben Wasservögel und sogar einen Eisvogel beobachtet. Mitten in der Natur, in dieser Ruhe, allein über das Wasser zu gleiten – das war schon grandios.“ Auf einer Leineinsel wurde der Anker geworfen, Kaffee auf dem Campingbrenner gekocht und der Picknickkorb geöffnet.

Joerma Biernath und seine Mitfahrer werden die gesamte Reise dokumentieren und darüber berichten. Wer möchte, kann dabei sein und sich Etappenweise als Crewmitglied einkaufen, sowohl Damen als auch Herren. Es werde sogar hin und wieder reine Damen-Crews geben, verrät der Kapitän. Über die Verwendung der so eingenommen Gelder gibt es eine klare Aussage:
„Die Fahrt „Way to Bristol“ ist ein Non-Profit-Projekt. Der Gewinn der Reise und die eingesammelten Spenden werden zur Hälfte der Deutschen Kriegsgräberfürsorge und zur anderen Hälfte an Invictus Games, einer paralympischen Sportveranstaltung für kriegsversehrte Soldaten, überlassen“, zwei Charity-Projekte, die Joerma Biernath sehr am Herzen liegen. Die Reise ist ein Offenes Projekt, jeder kann mitmachen oder dafür Geld spenden, ob als Privatperson oder als Firma.
„Natürlich ist es unglücklich, dass jetzt der Winter vor uns liegt“, fährt er schulterzuckend fort. „Wegen der Pandemie mussten wir den Start ja schon monatelang verschieben, und der Picknickkorb geöffnet.

Joerma Biernath und seine Mitfahrer werden die gesamte Reise dokumentieren und darüber berichten. Wer möchte, kann dabei sein und sich Etappenweise als Crewmitglied einkaufen, sowohl Damen als auch Herren. Es werde sogar hin und wieder reine Damen-Crews geben, verrät der Kapitän. Über die Verwendung der so eingenommen Gelder gibt es eine klare Aussage:
„Die Fahrt „Way to Bristol“ ist ein Non-Profit-Projekt. Der Gewinn der Reise und die eingesammelten Spenden werden zur Hälfte der Deutschen Kriegsgräberfürsorge und zur anderen Hälfte an Invictus Games, einer paralympischen Sportveranstaltung für kriegsversehrte Soldaten, überlassen“, zwei Charity-Projekte, die Joerma Biernath sehr am Herzen liegen. Die Reise ist ein Offenes Projekt, jeder kann mitmachen oder dafür Geld spenden, ob als Privatperson oder als Firma.
„Natürlich ist es unglücklich, dass jetzt der Winter vor uns liegt“, fährt er schulterzuckend fort. „Wegen der Pandemie mussten wir den Start ja schon monatelang verschieben, und der Brexit hat es auch nicht einfacher gemacht. Aber wir lassen uns Europa nicht so einfach aus den Händen nehmen, Brexit hin oder her. Wir bleiben Nachbarn, und jetzt wollen wir nicht mehr warten.“
Man werde auf das Wetter achten, alles sehr gut organisieren und im Frühsommer am Ziel in Bristol sein – das ist der Plan. Die Hannoversch-Britische Gesellschaft schmiedet bereits Reisepläne, um zum Empfang in London und Bristol bereit zu stehen, gemeinsam mit Prinz Heinrich von Hannover und Thomas Hermann, der so heißt es, bereits fest zugesagt hat. Die sportlichen Clubmitglieder werden eventuell sogar mitrudern und -segeln.

Und wer nicht live dabei sein kann: Hier wird über die Reise fortlaufend berichtet:
www.hannover-gin.de/way-to-bristol