René Oliver ist nicht nur Bäcker der Promis und Entertainer aus dem TV, vielmehr mausert er sich gerade zum seriösen Journalisten. Mit der sprach er über sein Leben auf dem Land zwischen Zwergkaninchen und Schützenvereinen und seinem prämierten Radiobeitrag über die Diskriminierung von Homosexuellen bei der Blutspende.

Text: Marleen Gaida Fotos: Filipp Romanovski

Die „backende Tunte“, wie sich René Olive noch selbst in einem Gespräch mit der Neuen Presse 2017 nannte, ist passé. „So würde ich mich heutzutage nicht mehr bezeichnen“, gibt er zu. Zu viele negative Kommentare aus der Regenbogen-Community hätte es gegeben, gesteht Oliver, der sich bereits mit 16 Jahren als homosexuell outete. Von 2014 bis 2018 war in der Republik als sogenannter Promi-Bäcker bei RTL unterwegs. Sowohl im TV als auch privat zu Hause bei den A- bis C-Promis dieser Welt buk er Buttercreme-Torte und allerlei anderes Naschwerk und amüsierte damit seine Auftraggeber und das Publikum vor den Fernsehern.

Ernste Themen auf der Agenda

Backen ist mittlerweile nur noch ein privates Hobby des 28-Jährigen aus Garbsen. René Oliver, der mit bürgerlichem Namen René-Oliver Nieschka heißt, hat einen Wandlungsprozess vollzogen, ist gereift. Schrille Outfits, Rouge-bepinselte Wangen, das kann es auch noch geben, muss es aber nicht – vor allem nicht, um Aufmerksamkeit zu erregen. Die bekommt er mittlerweile für ausgezeichnete Radiobeiträge und durch seine Tätigkeit als Reporter für RTL Punkt 12. Gerade wurde er für seinen Hörfunkbeitrag „Gibt es Blut zweiter Klasse? Das Blutspendeverbot für Homosexuelle“ mit dem Niedersächsischen Medienpreis 2021 in der Kategorie Nachwuchs ausgezeichnet. Die Begründung der Jury lautete: „Dieser Beitrag informiert nicht nur, er zeigt auch Haltung und ist ein Plädoyer gegen Diskriminierung von Homosexuellen beim Blutspenden.“ Und tatsächlich, René Oliver ist nicht nur telegen, sondern hat auch eine angenehm-belebende Radiostimme. Im Gespräch mit vielen verschiedenen Quellen beleuchtet er dieses Thema, das seit Jahren regelmäßig für Diskussionen sorgt. Warum liegt es ihm am Herzen? „Es ist ein Thema, was mich als offen Homosexueller selbst betrifft. Als ich den Beitrag produziert habe, galt für Schwule noch, dass sie zwölf Monate enthaltsam leben müssen, bevor sie Blut spenden dürfen. Das ist für mich die höchste Form der Diskriminierung!“ Mittlerweile wurde die Frist auf vier Monate runtergesetzt. Trotzdem – für den Radiojournalisten bleibt das Gesetz eine Ungerechtigkeit. „Es werden jeden Tag 15.000 Blutspenden benötigt. Es kann nicht sein, dass ganze Gesellschaftsgruppen ausgeschlossen werden, die Blut spenden wollen, aber nicht dürfen.“

Aber er wäre nicht René Oliver, wenn er den dunklen Seiten des Lebens nicht immer wieder einen Lacher entgegensetzen würde, wenn er zum Beispiel im TV öffentlich seinen Schabernack treibt. So kann man ihm als Reporter bei RTL dabei zusehen, wie er ein Fahrsicherheitstraining beim ADAC absolviert – „Ich bin der schlechteste Autofahrer der Welt“ – und dabei ordentlich in Stress gerät.Der pinke Cupcake, eintätowiert auf dem rechten Handrücken, verrät weiterhin seine Liebe zu süßen Naschereien und erinnert an seine Erfolge als offen-schwuler Bäcker im TV. „Ach, die Leute denken immer, da kommt der Bunte“. Aber René Oliver, der mit einer Schwester in Meyenfeld auf dem Bauernhof aufgewachsen ist, bietet mehr als das Klischee eines schwulen Bäckers, der gerne auffällt. „Familie ist für mich das A und O“. Das Angebot, für RTL nah Köln zu ziehen, lehnt

e er einst ab. Viel wichtiger sind ihm seine Liebsten und die Tiere. Die Familie züchtet auf ihrem großen Hof Zwergkaninchen, hat Hühner und Hunde. „Ich kann selber schlachten, Ställe reinigen, Tiere zerlegen“, all das sei Teil seines Alltags. „Ich liebe meine Region einfach unfassbar doll!“ Und so ist er auch Mitglied im örtlichen Schützenverein, wie er stolz zugibt. „Ich kann sogar Triade trinken, mit drei Korngläsern“, gibt er zu und zeigt sein verschmitztes Lächeln.

Zwischen Rampenlicht und ruhigen Phasen

Trotzdem. Eines ist klar: Bei aller Bodenständigkeit ziehen ihn der Ruhm und die Bekanntheit an. Auch vor einem Trash-Format mit Millionenpublikum schreckt er nicht zurück – im Gegenteil. „Ich würde gerne ins Dschungelcamp einziehen. Das macht mir gar nichts aus!“ Mehrmals hätte es schon Gespräche gegeben, aber bisher einfach nicht gepasst. Das ist die eine Seite, und wie so oft gibt es bei René Oliver eben auch diese ganz andere. Wenn er sich seinen weiteren Karriereweg aussuchen dürfte, sagt er: „Ich würde gerne Michael Thürnau bei ‚Bingo die Umwelt-Lotterie‘ ersetzen oder die NDR-Talkshow moderieren.“ Lachend gesteht, dass er die Musik der 70er-Jahre liebe, auch privat gerne backe und oft Klassik höre. Er sei eben nicht der typisch 28-Jährige, mental sei er wohl eher um die 60 Jahre alt. René Oliver ist der Typ, mit dem man gerne durch die Stadt zieht, um mit ihm Unmengen Schnaps zu trinken, aber dem man auch in seinen ruhigen Momenten gerne zuhört. Dann, wenn er sich Sorgen um die Gesellschaft macht, wegen der Corona-Leugner, die auch in Garbsen ihre Mahnwachen und Spaziergänge abhalten und den rauer werdenden Ton zwischen den Bürgern.

Und wenn ihm die Welt da draußen zu bunt wird, schafft er sich ruhige Momente, in denen er Kraft schöpft. Dann mietet er sich ganz alleine in einer Ferienwohnung auf Hallig Hooge ein, schläft, spaziert und liest er gerne. „Das glaubt mir keiner, aber ich würde gerne mal auf dem Wilhelmstein Urlaub machen. Ich finde die Einsamkeit schön!“ Sich intensiv mit sich selbst zu beschäftigen, sei für ihn essenziell, um sich kontinuierlich weiterzuentwickeln. Von der „Buttercreme-Prinzessin“, wie er sich auf seiner Webseite noch nennt, über die „backende Tunte“ hin zum ausgezeichneten Rundfunkjournalisten. Was kommt als Nächstes? Eines ist bei René Oliver sicher: Auch wenn es doch noch das Dschungelcamp wird, ist es nicht gesagt, das darauf im Anschluss nicht auch der Moderatorensessel bei den Öffentlich-Rechtlichen folgen könnte. Ein Talent, von dem das Publikum von Funk und Fernsehen in den nächsten Jahren noch etwas erwarten kann.

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