Vor 30 Jahren startete das GOP-Varieté seine neue Erfolgsgeschichte. Ein Blick zurück nach vorn.

Text: Heike Schmidt  Fotos: Heike Schmidt/GOP Archiv

Es war Winter 1947. Es war kalt. Wilhelm Hirte hatte gerade im Georgspalast ein Varieté eröffnet. Geld war knapp. Kaum jemand konnte es sich leisten, Karten für einen Varietéabend zu kaufen und dann noch Speisen und Getränke zu bestellen. Doch mit der Bewirtung wollte Hirte Umsatz machen. Sein Plan: Statt einer gekauften Eintrittskarte brachten die Menschen Kohlen zum Heizen mit. So hatten es alle schön warm und die Besucher konnten das Geld in Speisen und Getränke investieren. Seine Idee ging auf. Bis zu eintausend Menschen gingen fortan jeden Abend ins GOP-Varieté, um sich zu amüsieren und zu feiern. Das GOP schrieb seine erste Erfolgsgeschichte.

Mut zum Neuanfang

Diese Geschichte ist nicht nur eine der Lieblingsgeschichten von Bobo Weinzierl, der selbst seit zehn Jahren für das Marketing der GOP-Varietés zuständig ist. Sie kann auch sinnbildlich für eine Geschichte voller Mut stehen, die Hubert und Hubertus Grote vor 30 Jahren neu auflegten. Sie hatten einen Neuanfang in der Georgstraße 36 gewagt. Denn das sehr erfolgreiche Varieté der Nachkriegsjahre hatte gegen das Fernsehen keine Chance mehr gehabt. „Die Stars, die im TV auftraten, verlangten hohe Gagen, die vom Varieté nicht mehr tragbar waren“, erklärt Weinzierl.

Zu Tausenden dicht gedrängt

In den Nachkriegsjahren hatten Zarah Leander, Marika Rökk, Heinz Erhardt oder auch James-Bond-Bösewicht Gert Fröbe das Publikum begeistert, das sich an kleinen Sechsertischen im Saal drängte. Sie ließen sich einen Abend lang mitreißen von ihren Stars, die sie nahezu hautnah erleben konnten – so dicht und nah saßen sie an der kleinen Bühne. Unvergessen blieb dieser Generation der Auftritt Zarah Leanders 1960 im GOP. In einem weißen Cadillac ließ sie sich ganz diven-like vom Kastens Hotel Luisenhof in das nur etwa 200 Meter entfernte GOP chauffieren. Auf dem Opernplatz war es so voll, dass das exklusive Fahrzeug kaum vorankam. Jeder wollte ein kleines Stück vom Star erhaschen.

Der Neuanfang

Die 60er-Jahre kamen. Mit dem GOP ging es bergab. Stars gab es im Fernsehen, nicht mehr auf der Bühne. Jahrzehntelang wurde versucht, an die glorreichen GOP-Zeiten anzuknüpfen. Ein Bayernlokal, eine Disco – alles war gescheitert. Als Hubert und Hubertus Grote 1992 das GOP übernahmen, stand es nicht gut um das traditionsreiche Haus. Das erste halbe Jahr lief es gar nicht gut. Man trennte sich von dem Direktor, den man eingesetzt hatte, und holte einen jungen
Mann ins Team, dessen Namen später jeder kennen sollte, der GOP sagt: Werner Buss. Doch auch er hatte es schwer. Es lief nicht so richtig. Er bat die Eigentümerfamilie um einen Aufschub um zwei Monate. Wenn es bis dahin nicht gelungen sein sollte, dem GOP neues Leben einzuhauchen, sollte es das gewesen sein.

Der Erfolg: Es war geschafft

„Es war aber gar nicht nötig: Plötzlich war das Haus voll“, erklärt Bobo Weinzierl. Werner Buss, der im vergangenen Jahr seinen Abschied als kreativer Kopf der GOP Entertainment-Gruppe feierte, hatte es geschafft. Denn inzwischen gibt es nicht nur das Haus in Hannover. GOP-Varietés sind inzwischen deutschlandweit an sieben Standorten zu finden: Ob München oder Münster, Bremen, Bad Oeynhausen, Essen oder Bonn – überall sind die Shows der GOP Entertainment- Group in umgebauten Kinosälen, alten Theatern oder auch einem ehemaligen Kurhaus zu sehen. Krisen hat das GOP schon viele gesehen. Überstanden hat es alle. Auch Corona. „Wir haben die Pandemie hinter uns gelassen“, betont Bobo Weinzierl: „Herbst und Winter sind weiterhin Varieté-Zeiten und wieder gut besucht. Das freut uns sehr.“ Die Aussichten sähen sehr gut aus. Lange habe man mit einer Auslastung von 50 Prozent gespielt. 70 Prozent sind nötig, um einen Gewinn zu erwirtschaften. „Aber lieber 50 Prozent als 0 Prozent“, meint der Marketingchef. Besonders erfolgreich verkauft sich gerade das neunte Kinderweihnachtsmusical. Vom 28. Oktober bis 8. Januar wird im Stammhaus an der Georgstraße „Der Zauberer von Oz“ gespielt. Für Regie und Musik ist ein Erfolgs-Duo zuständig: Knut Gminder, der bereits viele Produktionen für das GOP wie die aktuelle 30 Jahre Jubiläumsshow inszeniert hat, und Jens Eckhoff, bekannt als Schlagzeuger und Komponist der Band „Wir sind Helden“ und Dozent der Deutschen Popakademie. „Die Schul- und Kindergartenvorstellungen im Dezember sind schon fast ausverkauft“, erklärt Weinzierl.

Die Technik unterstützt immer mehr

Etwas Bauchschmerzen machen dem Marketingleiter die steigenden Energiekosten. Naturgemäß leuchten in einem Theater zahlreiche Scheinwerfer die Bühne aus. Zwar sind es oftmals LEDs, die sparsamer im Verbrauch sind, aber auch diese benötigen Strom. Zudem werde in den Showkonzeptionen immer mehr auf Technik gesetzt. Natürlich gibt es noch klassische Bühnenbilder. Doch Videoproduktionen unterstützen die Inszenierungen öfter zusätzlich, Hologramme lassen Räume in Räumen entstehen. Das Youtube-Zeitalter hat auch das Varieté beeinflusst und verändert. Natürlich sind es noch die Menschen und ihre Leistungen, die im Mittelpunkt stehen. Doch diese Leistung wird heute anders präsentiert. So wie vor 20 Jahren noch regelmäßig ein Moderator durch die abendliche Show führte, gehören seit 10 Jahren sogenannte Konzept-Shows zum Repertoire. Shows, die eine Geschichte erzählen „In diesen Shows gibt es statt eines Moderators
einen roten Faden, eine Geschichte, die erzählt wird“, erklärt Bobo Weinzierl. So wird es auch bei „Changes“ sein, dem neuen Wintervarieté-Stück, das vom 18. November 2022 bis zum 22. Januar 2023 in der Orangerie in Herrenhausen zu sehen sein wird. Darin geht es um ein uraltes GOP-Thema, das aktueller denn je zu sein scheint: von der Vergangenheit und dem Jetzt, vom Festhalten und vom Loslassen – und von einer ganz großen Liebe.

Wollen Sie mehr über das GOP in Hannover erfahren? Dann schauen Sie hier: www.variete.de