Das Museum Wilhelm Busch präsentiert im Januar und Februar einen Ausstellungsreigen der speziellen Art.

Text: Jörg Worat  Fotos: Wilhelm Busch – Deutsches Museum für Karikatur und Zeichenkunst und Photo-Atelier Claudia Reiter

Gerade in Zeiten wie diesen hat der Mensch ein ausgeprägtes Bedürfnis, sich auch mal amüsieren zu können. Wer das gern durch den Besuch von Ausstellungen tut, ist in den kommenden Monaten besonders gut im Museum Wilhelm Busch aufgehoben.

»Die drei ??? und der Super-Papagei«, 1972 © Wilhelm Busch – Deutsches Museum für Karikatur und Zeichenkunst

Noch bis zum 23. Januar läuft die Schau über die Jugendbuchserie „Die drei ???“, genauer gesagt über Aiga Rasch (1941–2009), die das einzigartige Design der deutschen Bücher und Hörspiele entwarf: farbstarke Illustrationen auf schwarzem Grund. Ebenso mutig wie selbstbewusst stellte Rasch 1969 den Verlags-Lektoren das für die damalige Zeit ungewöhnliche Konzept vor – mit der Ansage, bei Nichtgefallen auf ein Honorar zu verzichten. Und setzte damit eine Erfolgsstory in Gang. Einer der vielen interessanten Aspekte in der umfangreichen Ausstellung ist die Präsentation von Alternativvorschlägen, die Rasch dem Verlag unterbreitet hat und die sich zum Teil deutlich unterscheiden: So gab es für die Folge „Die drei ??? und die Geisterinsel“ sowohl einen Entwurf, der vor allem auf gruslige Schattenwirkungen setzt, als auch eine eher konventionelle Darstellung à la Bettlakengespenst.

Die Serie über die jugendlichen Detektive Justus, Peter und Bob ist fraglos Kult: „Und zwar einer, der viele Generationen umfasst“, betont Busch-Direktorin Dr. Gisela Vetter-Liebenow. „In unserem Haus waren alle sofort Feuer und Flamme. Und als ich meinem Physiotherapeuten davon erzählte, musste er das gleich an seinen Sohn und die Nachbarin weitergeben.“ Nicht zuletzt bei eigenen Führungen hat die Direktorin Erstaunliches erlebt: „Sobald ein Titel erwähnt wird, können einige Besucher die komplette Geschichte dazu erzählen.“

Die Macht der Moneten

Pericoli Tullio: Geldfänger

Parallel sind in der oberen Etage unter dem Titel „Bürgerliche Idyllen“ Karikaturen von Honoré Daumier (1808–1879) zu sehen, der hier mit spitzem Strich häusliche Szenen ebenso darstellt wie Politiker oder Juristen. Daumier wird auch bei einer der beiden neuen Ausstellungen eine Rolle spielen, die am 5. Februar an den Start gehen: Sie trägt mit „Ohne Moos nichts los“ eine unbestreitbare Wahrheit im Titel und handelt von der Macht des Geldes in der Karikatur. Die hier vertretenen Arbeiten stammen aus der hauseigenen Sammlung.

„Wir haben drei große Themenblöcke“, erläutert Vetter-Liebenow. „Einmal geht es um die Politik, dann um die Welt der Banken und Börsen. Schließlich um das Geld im täglichen Leben: Welche Wünsche gibt es, und wie sieht die Realität aus?“ Bei Politikern ist Einfallsreichtum gefragt, wenn es darum geht, Wahlversprechen umzusetzen; daher lässt Walter Hanel 1991 Helmut Kohl eine Bank plündern, auf dass die Einheit finanziert werde. Aber nicht nur die CDU bekommt hier eins mit: Helmut Schmidt betätigt sich in der Sicht von Horst Haitzinger als Leierkastenmann, um den Haushalt unter Dach und Fach zu bringen.

Die Verquickung von Politik und Geld ist wahrlich nichts Neues. Auch bei James Gillrays Druckgraphik „The Lover‘s Dream“ von 1795 geht es eben darum: Man sieht den späteren König Georg IV., damals noch Prince of Wales, in seligem Schlummer. Gilt seine träumerische Liebe aber der Braut in Gestalt der über ihm schwebenden Caroline von Braunschweig, oder dem Geldsack zu seiner Linken? Das Gerücht, der Prinz habe sich vor allem auf die Ehe eingelassen, um seine beträchtlichen Schulden zu begleichen, sollte zumindest Bestätigung finden: Das Ehepaar, das sich erst wenige Tage vor der Hochzeit erstmals persönlich begegnete, fasste umgehend eine heftige Abneigung gegeneinander.

In der Rubrik „Banken und Börsen“ kommt dann unter anderem Daumier wieder zur Geltung: „Keiner hat die Hektik an der Börse so gut einfangen können wie er“, schwärmt Vetter-Liebenow. Und besonders vielfältig geht es dann in weiten Feld der persönlichen Wünsche und Möglichkeiten zu. Denn nicht jedem ist wie auf einem Blatt von Gerhard Glück das Schicksal beschieden, unvermittelt zum in diesem Fall männlichen Sterntaler  zu werden. Ein Bettler bekommt bei Robert Gernhardt wenigstens eine Münze, deren Spender sich dann allerdings auch gleich vom göttlichen Funken berührt wähnt. Und „Hades“ alias Gerhard Haderer weist auf den Verlust sinnlicher Freuden durch neuere Entwicklungen der Geldwirtschaft hin: Wer wie Dagobert Duck ein Bad in Münzen und Scheinen nehmen will, muss heutzutage feststellen, dass sich auf dem Boden des Speichers nur noch ein paar Scheckkarten befinden.

Leichtigkeit und Absurdität

Peter Gaymann – Von Hühnern und Menschen

Genug vom schnöden Mammon. Die ursprünglich für jetzt geplante Ausstellung mit dem Karikaturisten-Paar Greser & Lenz musste das Museum zwar aus organisatorischen Gründen ins Jahr 2023 verschieben, doch hat man kurzfristig für besonders vergnüglichen Ersatz gesorgt: Die Ausstellung „Von Hühnern und Menschen“ mit Arbeiten von Peter Gaymann wurde aus dem Buchheim-Museum in Bernried übernommen. Das Konzept stammt vom Künstler selbst in Zusammenarbeit mit Kurator Reinhard G. Wittmann und bietet mehr als eine Aneinanderreihung von Cartoons, weil es Gaymanns Lebensweg nachzeichnet. Der gebürtige Freiburger verdiente sein Geld zunächst als Sozialpädagoge, lebte später im Rom und Köln, bevor er 2017 an seinen jetzigen Wohnort zog, das oberbayrische Schäftlarn. Zu sehen ist hier unter anderem das (mäßige) Abiturzeugnis ebenso wie der Wehrpass (mit dem Vermerk „Verweigert“), dazu kommen Reiseskizzen, Briefe und anderes interessantes Material. Eine ungewöhnliche Zutat ist auch, dass Gaymann direkt auf die Wände des Museums zeichnen und somit einen temporären Beitrag zur Ausstellung liefern wird.

Und dann natürlich die Cartoons. Die berühmten Hühner, deren zwei schon mal einen Elefanten bestaunen, der auf einem dünnen Zweig sitzt: „Ich denke, es ist eine Frage der Atemtechnik!“, lautet die fachmännische Analyse. Oder die aus der BRIGITTE bekannten „Paar Probleme“: „Unser Hochzeitstag fällt dieses Jahr auf den Totensonntag“, konstatiert der Ehemann – trockener Kommentar der Gattin: „Es gibt keine Zufälle.“

„Bei Gaymann gibt es immer wieder eine spezielle Leichtigkeit und Absurdität, ohne dass er banal würde“, fasst Gisela Vetter-Liebenow zusammen und liefert ein schönes Schlusswort: „Er hilft uns, den Alltag aushaltbar zu machen.“

Peter Gaymann -Photo-Atelier Claudia Reiter / www.foto-reiter.de

Museum Wilhelm Busch

bis 23. Januar:

Aiga Rasch: Die drei ???

Honoré Daumier – Bürgerliche Idyllen

5. Februar bis 19. Juni 2022:

Peter Gaymann – Von Hühnern und Menschen

Ohne Moos nichts los. Die Macht des Geldes in der Karikatur