Von ihrer Reise nach Japan hat sie eine spannende Idee mit gebracht: Ein Café als Treffpunkt für Künstler aller Art, mit kostenlosen Workshops und frischer Kost von vegetarisch bis vegan und das mitten in der Südstadt.

Text & Foto: Ellen Ressmann

Ein Jahr lang ins Ausland reisen – immer mehr Menschen erfüllen sich diesen Traum und lernen dabei neue Kulturen kennen und lieben. Lisa Edelmann ist so eine Weltenbummlerin. Mit 29 Jahren entschied die Fränkin, dass sie ihre Heimat verlassen möchte, zumindest für einige Zeit. Kurzerhand stieg sie in einen Flieger nach Neuseeland und bereiste den Inselstaat fünf Monate lang mit dem Auto. Anschließend ging es nach Japan. Auch jetzt noch ist die 33-Jährige, die sich selbst als Weltbürgerin bezeichnet, tief beeindruckt von ihren Erfahrungen auf der anderen Seite der Erdhalbkugel. So sehr, dass sie ihre Eindrücke in Hannover erlebbar machen möchte. Genauer gesagt: in der Südstadt, in Form eines multifunktionalen Cafés.

Inspirationen aus Fernost

Ihr Konzept hat sogar schon einen Namen: Passion. „Ein Wort, das in vielen Sprachen verstanden wird“, erklärt die studierte Kostümbildnerin, die unter anderem auch Verkleidungen für die Sesamstraße entworfen hat. Passion soll vieles gleichzeitig sein: ein Café, ein Ort für Workshops, eine Galerie, ein Pop-up-Geschäft, ein Raum für Veranstaltungen sowie zum Arbeiten. Und das alles ohne Mietpreise, Anmeldungen oder Verpflichtungen.

Um dieses Konzept besser zu verstehen, lohnt sich ein Blick auf Edelmanns Erlebnisse in Japan. Ursprünglich wollte sie dort nur eine neuseeländische Freundin besuchen, die ausgewandert war. Aus dem kurzen Besuch wurde jedoch über ein Jahr Aufenthalt. Ihren Langzeiturlaub finanzierte sie eine Zeit lang mithilfe einer offenen Deutschstunde auf Spendenbasis. In einem kleinen Café in Niigata namens „Pegasussou“ unterrichtete sie regelmäßig alle interessierten Besucher kostenfrei in ihrer Muttersprache. Sie wechselte sich ab mit Gitarrenlehrern, fahrenden Friseuren oder Künstlern, die das Aktzeichnen lehrten. Für all das gab es Platz im Pegasussou, das je nach Bedarf anders eingerichtet wurde. Die einzige Bedingung, um einen Kurs zu leiten oder an einem teilzunehmen: der verpflichtende Erwerb eines Getränks pro Stunde. „Durch die vielen angebotenen Kurse und Workshops merkte ich, dass wirklich jeder Mensch etwas hat, das er teilen kann“, so Edelmann. „Den meisten fehlt nur die Möglichkeit dazu, besonders in Deutschland. Meine Freundin Aoi brachte mich dann auf die Idee: Warum bringe ich nicht dieses Konzept nach Deutschland?“

Foto: Privat

Gesagt, getan. Im Dezember 2020 kehrte die Wahl-Hannoveranerin aus Japan zurück und setzt nun alles daran, ihren Plan in die Tat umzusetzen. Am 15. Mai startete die Crowdfunding- und Finanzierungsphase ihres Projekts über Startnext. Wenn alles nach Plan läuft, will sie Passion schon im September eröffnen.„In erster Linie wird Passion ein Ort sein, an dem wir jeder Person gerecht werden können. Wir werden jede Art von Sitzmöglichkeit haben, egal ob hohe Stühle für die Älteren unter uns oder gemütliche Kissen auf dem Boden. Das Café soll japanische Einflüsse haben, und es wird auch zuckerfreie, weizenfreie und vegane Kost geben“, erläutert Edelmann ihre Idee. „Außerdem wird es einen großen Raum geben, der flexibel von allen genutzt werden kann. Ich plane, dass ich dort Japanisch lehren werde. Zudem werden ein Burlesque-Kurs und ein Nähkurs für nachhaltige Wäsche stattfinden.“

Die Wände sollen zudem als Ausstellungsort für Werke verschiedener Künstler aus Hannover genutzt werden. Aber das Wichtigste: Eingeladen ist, wer Lust hat – und ein Getränk genießen möchte. Eine Webseite wurde erstellt. Das Logo für Passion hat Edelmann auch bereits in der Tasche. Der japanische Künstler Yohei cocologue Sakai hat es für sie entworfen. Es mag aussehen wie Kunst, doch es sind japanische Schriftzeichen im Kreis angeordnet. Übersetzt heißt es: „Wenn du mit Leidenschaft vorangehst, werden deine Träume wahr. Leidenschaft ist die Brücke zwischen Mensch und Mensch.“