Sterne beobachten

Ob allein, mit dem Lieblingsmensch, Kind oder Hund

Wer eine außergewöhnliche Aktivität für seinen Heimaturlaub sucht, sollte einfach einmal am späten Abend den Blick nach oben wenden. Dort lassen sich im Juli und August mit etwas Glück Sternschnuppen und einige andere astronomische Phänomene beobachten.

Jedes Jahr in der ersten Augusthälfte kreuzt die Erde die Bahn eines Kometen, der den etwas sperrigen Namen 109P/Swift-Tuttle trägt. Bereits seit Jahrhunderten verliert er immer wieder kleine Teile seines Kerns und zieht sie als kleine Staub- und Gesteinsteilchen in seinem Kometenschweif hinter sich her. Die meisten dieser Staub- und Gesteinsteilchen sind nur einen bis zehn Millimeter groß, also gerade einmal so groß wie ein Reiskorn. Wenn wir genau aufpassen, können wir sie aber dennoch mit bloßem Auge erkennen, sobald sie in die Erdatmosphäre eintreten: Denn dann verglühen sie innerhalb von Sekundenbruchteilen – und werden so zur Sternschnuppe. In diesem Fall nennt sich der Sternschnuppenschwarm, verursacht vom Kometen 109P/Swift-Tuttle, die Perseiden. Das liegt daran, dass es so aussieht, als regneten all die Sternschnuppen direkt aus dem Sternbild Perseus auf die Erde hinunter.
Doch nicht nur für professionelle Sternegucker sind die Perseiden ein faszinierendes Spektakel: Auch alle Nicht-Astronomen finden im Sternschnuppenzählen eine spannende Aktivität, der sie meist unmittelbar vor der eigenen Haustür nachgehen können. Einige Tipps dafür hat Robert Schumann. Der 26-Jährige sitzt im Vorstand des Astronomie-Vereins Volkssternwarte Geschwister Herschel Hannover und beschäftigt sich mit den Vorgängen am Himmel, seit er acht Jahre alt ist.

Mutter und Tochter - Sterne beobachten

Sterne gucken im Raum Hannover

Aufgrund der Helligkeit, die in der Stadt herrscht, lassen sich die Sterne dort meist nicht gut beobachten. „Am besten fährt man raus aufs Land“, sagt Robert Schumann, „wo es sehr dunkel ist und wo man viel vom Himmel sieht.“ Etwa ein freies Feld biete sich hier an.

Wer nun nicht weiß, wohin genau er am besten fahren sollte, kann sich an einer Karte orientieren, die die Lichtverschmutzung anzeigt. Für den Raum um Hannover zeigt sie zum Beispiel an, dass es bereits im etwa 15 Kilometer entfernten Seelze wesentlich dunkler ist. Auch in dem umliegenden Dörfern um die Stadt Lehrte dürfte sich das ein oder andere geeignete Plätzchen finden, genau wie im Raum um die Stadt Sehnde. Wer auf Nummer sicher gehen will, kann auch die Gegend zwischen Burgdorf und Celle ansteuern – hier wird es nachts besonders dunkel.
Ist der ideale Ort erst einmal gefunden, steht der gemütliche Teil an. Von einem Liegestuhl oder eine Decke aus lässt sich in aller Ruhe der Nachthimmel betrachten. Dazu rät Robert Schumann: „Währenddessen sollte man nicht auf etwas Helles wie das Handy schauen, denn das stört die Dunkeladaption.“ Bis zu einer halben Stunde dauere es sonst, bis sich die Augen wieder vollständig an die Dunkelheit gewöhnt haben und einem der Nachthimmels wieder in voller Pracht erscheint.

Wenn der Himmel leuchtet

Besonders geduldige Beobachter können sich jedoch nicht nur an Sternschnuppen erfreuen:

Etwa bis Ende Juli tauchen an manchen Abenden zudem die sogenannten Leuchtenden Nachtwolken auf. Während die Erde bereits im Dunkeln liegt, schieben sich diese Wolken als silbrig glänzende Gebilde über den Himmel – ein beeindruckender Anblick. „Anders als gewöhnliche Wetterwolken, die in bis zu 13 Kilometern Höhe entstehen, bilden sich die leuchtenden Wolken in rund 85 Kilometern Höhe“, sagt Robert Schumann von der Volkssternwarte Hannover. Steigt aus den unteren Teilen Erdatmosphäre Wasserdampf auf, verwandelt er sich weiter oben durch die extrem dünne Luft und die sehr niedrigen Temperaturen schnell in Eiskristalle. Und auch wenn die Sonne bereits hinter dem Horizont verschwunden ist, treffen ihre Strahlen noch auf diese weit oben schwebenden Eiskristalle. Diese reflektieren wiederum das Licht – und erscheinen als geheimnisvolle Schleier am Firmament.

Darüber hinaus leuchten im Juli und August diverse Sommersternbilder am Nachthimmel auf. Um sie zu erkennen, empfiehlt sich eine drehbare Sternenkarte: Auf diese Weise lassen sich zum Beispiel die Bilder Schwan, Adler und Leier entdecken, zwischen denen sich wiederum das sogenannte Sommerdreieck aufspannt. Daneben strecken der Skorpion und der Schütze ihre Arme. Nahe des Schützen ist mit etwas Glück zudem die Sommermilchstraße zu sehen, die um einiges heller erstrahlt als die Wintermilchstraße. Das liegt daran, dass die Erde im Lauf eines Jahres ihren Winkel zum Zentrum der Milchstraße verändert. Denn die Milchstraße – unsere Galaxie – hat die Form einer flachen Scheibe und besteht aus Milliarden und Abermilliarden von Planeten, Sternen, Gas- und Staubpartikeln. Im Sommer steht die Erde so, dass wir im Prinzip seitlich auf ihr Zentrum schauen können. Es erscheint uns dann als längliches Band. Wer dagegen im Winter die Milchstraße sieht, schaut nicht auf ihr hell strahlendes Zentrum, sondern auf eins der äußeren Teile, das nicht ganz so hell leuchtet.

Doch egal, welche astronomische Entdeckung sich einem erschließt, eins ist sicher: „Es lohnt sich auf jeden Fall, den Blick nach oben zu richten und den schönen Sternenhimmel zu genießen“, sagt Robert Schumann. Denn selbst ohne professionelle Ausrüstung wie ein Teleskop oder ein Fernglas, gibt es dort noch immer genug zu entdecken.

Zur Person:

Robert Schumann ist Amateurastronom und Teil des Vorstands des Vereins Volkssternwarte Geschwister Herschel Hannover. In seiner Freizeit widmet er sich zudem der Astrofotografie
(zu sehen unter www.astrobin.com/users/Robert_Schumann/).

Licht aus!

Jedes Jahr nimmt die weltweite Lichtverschmutzung um einige Prozentpunkte zu. Das erschwert nicht nur das Sternegucken – sondern hat auch Folgen für Mensch und Umwelt: Bei uns Menschen kann sie den Tag-Nacht-Rhythmus und so den Hormonhaushalt stören. Zugvögel verlieren durch das Licht die Orientierung; Insekten sterben, weil sie die nachts leuchtenden Lichter bis zur Erschöpfung umkreisen. Als Einzelner kann man gegen die Lichtverschmutzung zumindest seine Garten- und Haus-Außenbeleuchtung entsprechend anpassen. Der Hobby-Astronom Robert Schumann verrät, wie:

  • warmweiße Lichter einsetzen, am besten in der Lichtfarbe „Amber“
  • generell eine geringere Helligkeitsstufe für alle Lichter wählen
  • Lichter nach unten richten statt in den Himmel
  • Lichter nicht dauerhaft brennen lassen – lieber eine Zeitschaltuhr oder einen Bewegungsmelder nutzen