Im Design-Hotel Viktoria fährt nach langer Winterpause langsam alles wieder hoch – auch ein Betreiberwechsel bringt neuen Glanz in die Hütte.

Text: Marleen Gaida Fotos: Lorena Kirste

Ruhig wie ein Fels in der Brandung steht das Viktoria an der Ecke zur Herzog-Wilhelm-Straße 10 in Braunlage. Pandemie, Tourismusflaute und diverse Besitzerwechsel waren für das Haus nur laue Winde im Vergleich zu den stürmischen Zeiten der deutschen Geschichte, die das traditionsreiche Hotel, das vor dem Ersten Weltkrieg erbaut wurde, miterlebt hat. So lange gibt es die Herberge im Stadtzentrum schon. Seit Mai vergangenen Jahres wird sie vom Unternehmen Strandberg betrieben, das auch die Turmhäuser in Braunlage, die Harzchalets sowie weitere Unterkünfte in der Stadt betreibt. Geschäftsführer Christian Lindner sagt: „Wir feilen gerade noch an dem neuen Küchen- und Restaurantkonzept. Aber alles richtet sich nach der Kapazität des Personals.” Und dieses ist rar in Braunlage – wo man sich auch umhört in der Stadt. Lindner: „Eigentlich hätte ich die Öffnungszeiten gerne wie in der Kirche. Also ein Restaurant, das immer für seine Gäste da ist.” So gibt es zum Neustart nach der Winterpause erst einmal eine kleine, feine Karte mit ausgewählten Speisen. „Langfristig wollen wir auch vegane und vegetarische Speisen für die ernährungsbewusste Zielgruppe anbieten”, denn die werde immer wichtiger, weiß Lindner.

Barrierefreies Gästehaus

Zielgruppengerechte Angebote seien auch in einer traditionellen Destination wie Braunlage wichtig, und so gibt es neben dem Haupthaus Hotel Viktoria auch noch das barrierefreie Bachhaus, in dem sich auch Menschen mit Handicap gut aufgehoben fühlen. In der Bar des Viktorias treffen sich dann am Abend Jung und Alt auf ein Altenauer Bier oder eine Schorle. Auch Gäs­te des Ortes sind hier herzlich willkommen. „Das hier ist nicht nur eine Hotelbar, sondern soll ein Treffpunkt für alle sein.”

Christian Lindner ist mit seiner Vision des Miteinanders in Braunlage nicht alleine. Gemeinsam mit dem losen Verbund „Harz Rebellen“ will der Unternehmer die Destination Braunlage noch attraktiver machen und bundesweit stärker vermarkten. Zu der lockeren Männerrunde aus Hoteliers und Investoren gehören auch Meik Lindberg vom The Hearts Hotel, Florian Verfürth und Marek Triene vom Berg & Tal sowie Peter de Wit von der W-Lodge One und weitere. Lindner erklärt: „Wir haben alle dasselbe Ziel, wir wollen diesen Ort nach vorne bringen. Das Schöne ist, dass wir uns nichts wegnehmen, da wir alle denselben gehobenen Anspruch ans Produkt haben.” Und alle dasselbe Problem: den eingangs erwähnten Fachkräftemangel.

Im Hotel Viktoria ist seit dieser Saison Ute Rust als Leitung neu an Bord, sie kümmert sich neben Servicekraft Sarah Oehne und Rezeptionistin Andrea Glatzel um das Wohl der Gäste. Eingecheckt werden kann ab 99 Euro die Nacht für ein Doppelzimmer. Aber auch Superior-Zimmer und ganze Suiten, im Haupthaus oder im Bachhaus, stehen zur Verfügung. Für Spätaufsteher besteht am Abreisetag die Option auf einen Late-Check-out. Die Interieurlinie des Hauses könnte man als bodenständige Eleganz bezeichnen. Die Kronleuchter im Speisesaal bringen barockes Funkeln in die Räume, die Hirschgeweihe an den Wänden, passend zu den grün-braun-karierten Sofas, sorgen für rustikale Gemütlichkeit. Touristischen Highlights sind unweit des Hauses. Lindner: „Wir befinden uns in direkter Nähe zum wunderschönen Kurpark in Braunlage sowie zum Wurmberg und zahlreichen Wanderwegen.” Ein Haus also, für mindes­tens weitere 100 Jahre.