Voilà! Frankreichs gebackene Verführungskünste sind auch in Hannovers Altstadt zu haben: Murielle Feugou Keubou und Matthieu Sibenaler bieten in ihrer Patisserie Jadore Sibenaler edelstes Backwerk und haben bereits eine beachtliche Anhängerschar.

Text: Patricia Chadde Fotos: Lorena Kirste

In der Region, in der das Gersterbrot erfunden wurde und die Menschen nicht durch Überschwang auffallen, wird die spezielle französische Konditorkunst überraschend hoch geschätzt.

Brombeertörtchen

Das kleine Geschäft in der Kramerstraße 14 ist dabei so klein und süß gestaltet wie sein Sortiment. Die essbaren Kunstwerke entstehen jeden Morgen ab ein Uhr früh. Viennoiserie wie Croissants, Apfeltaschen und Rosinenschnecken, Galette Ardennaise, Macarons unterschiedlicher Geschmacksrichtungen und Mille-Feuilles wandern werktags dann ab 9.30 Uhr über den Tresen der Jadore Sibenaler.

So originell und unverwechselbar wie die Kreationen sind auch die beiden Urheber. Die Verbindung der Luft- und Raumfahrttechnikerin Murielle Feugou Keubou (33) mit dem französischen Chefpatissier Matthieu Sibenaler (37) erweist sich als erfolgreich. Ihr Projekt Jadore, inzwischen elf Monate alt, heißt übersetzt: „Ich liebe es“. Präsentiert Matthieu Sibenaler seiner Liebsten eine neu geschaffene Kreation, kommt nach dem ersten Bissen meist ihr begeistertes Urteil: „J’adore!“

In Garbsen-Berenbostel legte das Paar, das sich im Frankreich-Urlaub kennenlernte, mit Backstube und Ladenlokal einen Raketenstart hin. Die Produkte, die in Handarbeit hergestellt werden, finden immer mehr Liebhabende. Anlass für die Gourmet-Botschafter, in der Landeshauptstadt unweit von Historischem Museum ein zweites Geschäft zu eröffnen.

Ein feines Stück Frankreich in Norddeutschland

„Viele Menschen können ihre Frankreich-Sehnsucht gerade nicht so ausleben. Deshalb holen sie sich einfach ein kleines Stück vom kulinarischen Glück nach Hause“, berichtet Murielle Feugou Keubou. Ob der komplette Inhalt der weißen Transportkartons der Patisserie Jadore Sibenaler tatsächlich vollständig am geplanten Zielort ankommt, darf bezweifelt werden. Denn die kleinen, kunstvoll gestalteten Backkunstwerke sehen so großartig aus, wie sie schmecken. Da will man nicht widerstehen – und so schmelzen die zurückhaltenden Norddeutschen bei Tarte aux Framboises oder Fruits Rouge, Galettes d‘Ardennoise und Chocolat Royale dahin.

Die Rezepte entwickelt Matthieu Sibenaler, der aus Liebe zu seiner Freundin nach Hannover kam, selbst. Hochwertige Zutaten bilden die Basis seiner Produkte. Mehl, Butter, Eier und Zucker hat im Prinzip jeder selbst zu Hause. In den Händen des Patissiers werden sie allerdings mit größerer Erfahrung und einem besonderen Gespür für unterschiedliche Texturen kombiniert. Matthieu Sibenaler backt Mürbeteig und luftigen Biskuit, verarbeitet Mangos und Maracuja zur geschmeidigen Creme für ein Törtchen namens Exotica oder vereint Schokolade und Sahne, Ganache genannt.

Ein Leben für den Geschmack

Der Patissier wurde in der Champagne geboren und von Patissier-Weltmeister Pascal Caffet ausgebildet. Das öffnete Türen und den Horizont. Matthieu Sibenaler arbeitete als Patissier auf Korsika, in Nizza und Reims. Zehn Jahre kreierte er für große Champagnerhäuser individuellen Desserts. Traditionell bilden sie den krönenden Abschluss eines Fünf-Gänge-Menüs bei der Vorstellung eines ne

uen Champagnerjahrgangs. Auch der Moment, als Murielle Feugou Keubou das besondere Geschick ihres Partners erstmalig verkostete, hat mit einem Getränk zu tun: „Matthieu bereitete mir eine Trinkschokolade nach eigenem Rezept zu. Der Kakao war unfassbar lecker. Ich hatte den Eindruck, bisher mein ganzes Leben lang um echte Trinkschokolade betrogen worden zu sein. Das, was ich kannte, war nichts im Vergleich zu Matthieus Kakao.“

Macarons

Wer selber Geschmackserfahrungen sammeln möchte, wird der studierten Wissenschaftlerin gerne zustimmen. Matthieu Sibenalers Tarte au citron liefert so ein Beispiel für das kulinarische Potenzial von Butter, Mehl, Eiern und Zitrone. Unter gewöhnlichen Umständen macht man daraus einen Lirum-Larum-Löffelstiel-Zitronenkuchen auf Rührteigbasis.

Wer dagegen aus dem Backolymp grüßt, wie Matthieu Sibenaler, bildet mit Mürbeteig die Basis eines kleinen Kunstwerks. So überzeugt eine leichte Cremefüllung mit ihrem frischen Gleichgewicht aus Zitrone und fein dosierter Süße. Das weiße Baiserhäubchen mit den zart geschwungenen Bräunungsstreifen krönt das Minitörtchen. Délicieux!

Halt. Moment. Mit seiner Leidenschaft für unterschiedliche Texturen kreiert das Paar natürlich auch Tartes mit Biskuitboden, arbeitet mit Buttercreme, Caramel, Croquant aux amandes, also Mandelkrokant, Vanillemousse und frischen Früchten.

Ein besonderes Früchtchen ist La Mûre, was Brombeere heißt. Auf Biskuit folgt eine Mousse aus Brombeeren, dann eine aus Milchschokolade. Selbst die äußere Form der Beere wird zitiert. Eine dunkel glänzende Glasur vollendet das Gebäck, welches Vokabellernen einfach macht: Einmal La Mûre probieren, und schon ist es ein Leichtes, den Begriff für Brombeere im Gedächtnis zu behalten. Für immer, pour toujours.