Aleksandra Pristin veranstaltet in ihrem Garten Kunstausstellungen, begleitet von Konzerten, Theatervorführungen und Lesungen.

Text: Beate Rossbach Fotos: Aleksandra Pristin

Was für ein wundervoller Garten! Wer hat ihn geplant?“ Solche Begeisterungsausrufe hört Aleksandra Pristin von ihren Gästen regelmäßig. Dann lächelt sie ganz fein und sagt: „Das habe ich alles selbst gemacht“.

Seit 1996 lebt sie mit ihrem Mann Hans-Dieter Pristin in Groß Munzel, einem Ortsteil von Barsinghausen. Zuerst haben die beiden ihr schönes Haus gebaut, danach war der Garten an der Reihe. Aleksandra Pristin ist gebürtige Polin und flüchtete 1983 aus politischen Gründen nach Deutschland. Die Psychologiestudentin begann hier ein neues Leben, mit einem neuen Beruf und später auch einer neuen Ehe. Heute sagt sie: „Seitdem wir hier in Groß Munzel leben, ist mein Leben so, wie ich es mir wünsche.“

Sie und ihr Mann haben viele gemeinsame Interessen und die Möglichkeiten, ihnen nachzugehen. „Der Garten ist meine Leidenschaft, Kunst ist meine Faszination und Lyrik ist meine Seele“, sagt Aleksandra Pristin, die selbst Gedichte schreibt. Seit dem Jahr 2000 öffnet das Paar seinen Garten für Besucher. Im Sommer 2018 wurde hier die erste Skulpturenausstellung eröffnet.

So ein grünes, blühendes Paradies, das beachtliche 4500 Quadratmeter groß ist und vorher eine baumlose Schafwiese war, entsteht nicht von heute auf morgen. Ein Gang durch die gepflegte Anlage hinter dem Haus führt vorbei an hohen Bäumen, um die sich dekorativer Efeu ringelt, und prachtvollen bunten Staudenbeeten. Überall lockern kleine Sitzecken mit geschmackvollem Gartenmobiliar die Architektur auf. Es gibt sonnige Plätze und schattige Nischen und jede Menge Möglichkeiten und Vorrichtungen, um bei den alljährlichen Ausstellungen Skulpturen aufzustellen.

Die Gartenanlage ist bereits ein Kunstwerk an sich. Aleksandra Pristin zeigt auf ihre Buchsbaumkugeln, die wie Murmeln über die Beete rollen und die sie energisch gegen Schädlinge verteidigt. Eine mächtige, wellenförmig geschnittene Eibenhecke umhüllt den Garten und unterteilt seine Bereiche.

Nach einem Durchgang öffnet sich der Blick auf die „Prärie“, mit unzähligen Gräser-Arten. Eine kleine Wiese mit naturbelassenen Arealen lockt im Sommer die Bienen und andere Insekten an. Beete, die wie Ornamente im Rasen gestaltet wurden, explodieren im Frühling als Blütenmeer, denn hier hat Aleksandra Pristin im Herbst 2500 Blumenzwiebeln gesetzt.

Inspiration aus Hannovers Berggarten

Inspirationen aus Hannovers Berggarten

Solch ein prachtvoller Garten entsteht natürlich nicht von heute auf morgen. Beim Teetrinken vor dem Kamin erzählt Aleksandra Pristin, wie alles begann. „Ich habe ohne jegliches Wissen begonnen und jede Möglichkeit genutzt, um in anderen Gärten Ideen zu sammeln.“ Bei Reisen quer durch Europa steuerte das Paar berühmte Gärten und Festivals an, und „ich war unzählige Male im Berggarten in Hannover und habe alles aufgeschrieben, was mir wichtig war“, erinnert sie sich. Die Büchersammlung zum Thema Garten und Gartengestaltung in ihren Regalen ist umfangreich, und auch beim letzten Weihnachtsfest lagen wieder neue inspirierende Bildbände unter dem Baum.

„Bei der Planung habe ich genau aufgezeichnet, wie ich mir die Anlage vorstelle, zum Beispiel welche Form die Blumenbeete haben sollen, entworfen nach meinem Gefühl, und dann vor Ort ausprobiert, ob der Maßstab korrekt ist und vom Platz her alles passt, etwa damit der Rasenmäher problemlos überall entlangfahren kann.“

Hans-Dieter Pristin, der Techniker, ist seiner Frau bei allem die größte Hilfe: „Ich wünsche mir etwas, und schon hat er es gemacht“, sagt sie und strahlt ihn liebevoll an. Das perfekte Bewässerungssystem und die kunstvolle Beleuchtung, die am Abend den Garten in eine Feenlandschaft verwandelt, hat er gebaut. Ebenso die Häuschen am Rand des Grundstücks, in denen Feuerholz, Inventar und Utensilien gelagert werden. Und nicht zu vergessen: Die meisterhaften Beeteinfassungen aus historischen Steinen. „Als wir das Grundstück gekauft hatten, sagten die Nachbarn, wir seien ‚steinreich‘. Vorher hatte hier ein altes Fachwerkhaus gestanden. Nach dessen Abriss wurden die Steine einfach untergepflügt. Mühsam haben wir sie geborgen und bergeweise gesammelt. Zum Glück – heute bekommt man solche historischen Ziegel gar nicht mehr.“

Buchsbaumkugeln

Buchsbaumkugeln und malerischer Efeu wetteifern mit den verschiedensten Skulpturen um Aufmerksamkeit.

Kulturveranstaltungen mit hohem Anspruch

Mittlerweile ist der Garten Pristin weit über die Grenzen der Region Hannover hinaus bekannt. Pro Jahr kommen bis zu 1500 kunst- und gartenbegeisterte Besucher aus ganz Europa zu Besuch. Ein Ehepaar, das sich so für Kunst begeistert wie die Pristins, hat dann irgendwann den Wunsch, selbst aktiv zu werden. „Im Jahr 2018 organisierten wir die erste Skulpturenausstellung in unserem Garten, unter anderem mit dem mittlerweile leider verstorbenen Künstler Waldemar Otto aus Worpswede.“ Weitere bekannte Namen folgten, stets begleitet von Konzerten, Lesungen und Theateraufführungen. „Bei all diesen Ausstellungen haben wir einen hohen Anspruch sowohl an die Kunst als auch an das Begleitprogramm. So konnten wir in der Vergangenheit als Redner für die Ausstellungen Ulrich Krempel, Ronald Clark, Claudia Schüßler und Doris Schröder-Köpf gewinnen“, berichtet Aleksandra Pristin. Unterstützt wurden die Ausstellungen von der Region Hannover, von Stiftungen, von der Stadt Barsinghausen und zu einem nicht geringen Teil von den Pristins selbst, die „ein Leben mit der Kunst und für die Kunst“ führen.

„FUN!“ hieß die Ausstellung im letzten Sommer, bei der bunte Skulpturen, Berggipfel-Anmutungen und überdimensionales Gemüse der Künstler Ralf Klement und Patrick Preller emporwuchsen.

Für den Sommer 2022 ist „Himmel und Erde“ geplant. Die Würzburger Bildhauerin Angelika Summa und die Tschechin Veronika Psotková, zwei Künstlerinnen, die mit Draht und drahtähnlichen Materialien arbeiten, werden den Garten drei Monate lang mit ihren Objekten bespielen. „Offenheit und Geschlossenheit. Grenzenlosigkeit und Bodenständigkeit. Zwei Gegensätze und zwei Welten, die nicht voneinander zu trennen sind“, beschreibt die Veranstalterin das Konzept und fügt voll Freude hinzu: „Die Einführung übernimmt Adam Budak, der Direktor der Kestner Gesellschaft Hannover. Als Musiker konnte ich für die Vernissage Ulrich Wedemeier, Laute und Gitarre, gewinnen.“

Die Vernissage ist für den 28. Mai 2022 um 15.00 Uhr im Garten Pristin vorgesehen. Das Wetter wird gut. Versprochen! Und wenn nicht, werden Regenschirme verteilt.