Zum Anziehen Verfürth: Die Fashion-Kolumne von Luisa

Text und Foto: Luisa Verfürth

Es wäre famos zu bezeichnen, Sarah Jessica Parker hätte meine modische Entwicklung nicht beeinflusst. Natürlich hat sie das. Beziehungsweise ihre Stylistin am Set von Sex and the City: Patricia Field. Und so gab es um die 2000er herum einen Moment, der mich erneut aus den Socken hieb. Nachdem Mr. Big und Carrie im Central Park am Bootshaus in den See gefallen waren, lieh Big Carrie zu Hause sein weißes Hemd. Und sie ging, als wäre es das Normalste der Welt, nur mit diesem Hemd, einem Hermes-Gürtel darum und High Heels durch New York nach Hause. Dieser Look begeisterte mich immens und findet 2021 seinen hemdsärmeligen Höhepunkt.

Aus männlich wird weiblich

Natürlich hat ein oversized Männerhemd immer den Part an Würze, den man nach einer Nacht bei einem Fremdneu-Mann vermutet und in dessen parfümiertem Hemd man sich dann, mit verwuschelten Haaren, gut riechend wie jeden Morgen, mit oder ohne etwas darunter einen Kaffee machen lässt um teenagermäßig barfuß durch die Wohnung zu schlendern oder gemeinsam Pancakes zu machen – wie auch Ana Steele ihrem Christian Grey in Shades of Grey. Oder man denke an Pretty Woman. Zack Richards Geres Oberhemd über das Rotlicht-Minidress geworfen und ab ging es Arm in Arm Shoppen auf den Rodeo Drive. Par Excellence war Vivian abgestreift und der Gang Richtung High Fashion drin.

Man kann die Sexyness eines weißen Hemdes nicht genau definieren. Aber sie steht wie eine Eins. Gut gesteift und frisch gebügelt haut sie so manchen Betrachter aus dem Business-Look. Das ist natürlich auch eines der Geheimnisse. Dieses weiße Hemd, welches wir Frauen, immer gekonnt nonchalant über eine Schulter rutschen lassen, schräg drapieren, oder in zwei oder drei Nummern größer kaufen, damit es wirklich oversized sitzt, ist natürlich niemals aus dem Schrank des Ehemannes oder Freundes. Zum einen haben diese Hemden meist doch eine Tallierung, die wir nicht wollen (die aktuellen Trendhemden sind 100 % gerade geschnitten) zum anderen haben wir keinen Bock auf die lästigen Diskussionen à la: „Hast du etwa mein Hemd angezogen ohne mich zu fragen?“ Diese sexy Illusion funktioniert nur bei einem ersten Date, wo noch das letzte Hemd gegeben wird. Auf allen Ebenen. Sonst gibt es schnell wieder Flecken auf der weißen Weste des harmonischen Alltags und das will ja keiner. Schließlich sagte schon Coco Chanel: „Die meisten Frauen wählen ihr Nachthemd mit mehr Verstand als ihren Mann.“ In sofern kaufen wir Damen uns das „Männerhemd“ dieses Jahr selbst. Und das ist auch keine Kunst, denn in New York auf der Fashion Week haben von The Row, über Bevza, Maryam Nassir Zadeh, Tibi bis hin zu dem Newcomer „Monse“-Maison alle Variationen des weißen Allrounders gezeigt. Und ja, natürlich gibt es ihn auch bei den günstigeren Labels.

Das passende Outfit

Das Lustige ist – früher wurde das Männer-Hemd sogar als Unterwäsche getragen: oh lá lá. Erst in der Renaissance avancierte es mit opulenten Krägen zum Fashion-Statement der Gut-Betuchten. Seither haben sich nur die Kragenformen weiterentwickelt. In St. Tropez war mein Männerhemd eines der besten Begleiter. Ich habe es mit zurück gegelten Haaren zu einer transparenten Hose und Goldkette an den Strand in den Beachclub getragen, genauso wie über dem Bikini und Glitzerkleid in den Club Casa Amor. Am Freitag wird meine beste Freundin 40. Dann werde ich es wieder tragen. Mit High Heels und mit einem dünnen Gürtel. Als Hommage an Carrie Bradshaw, denn auch über sie wurden schon wieder Bilder des neuen Films vom Set gespoilert. Natürlich mit Männerhemd. Sie trägt es 2021 oversized, offen, wie eine Jacke über einem Blumenkleid. Und sie trägt es mit 56. Und mit Humor. Denn der ist der Knopf, der verhindert, dass uns der Kragen platzt.
Viel Freude mit diesem wundervollen Trend.

Allerliebst,

Eure Lou