Sie war eine gefeierte Primaballerina, er ist Sänger der Band Terry Hoax und singt als Juliano Rossi mit Band Jazz – gemeinsam sind sie unser Model-Paar für festliche Mode. Cassia Lopez und Oliver Perau über Leidenschaft für Musik, Kunst und gutes Hören.

Text: Luisa Verfürth Fotos: Filipp Romanovskij

Sind Sie sich vorher schon einmal über den Weg gelaufen?

Oliver Perau: Leider nicht. Aber tanzt du noch Cassia?

Cassia Lopez: Leider nein. Oliver Perau: Das heißt, ich könnte es leider auch nicht mehr nachholen, dich auf der Bühne zu sehen? Aber du mich!

Herr Perau, Sie sind gerade aus Frankfurt zurückgekommen vom Konzert mit Terry Hoax. Sie touren wieder?

Oliver Perau: Ja. Immer am Wochenende. Ich sag ja immer gern: Wir sind die professionellste Wochenend-Band der Welt. Immer Donnerstag bis Samstag. Dann brauchen wir auch immer drei, vier Tage Erholung, damit wir die Woche darauf auch wieder können. Es ist mir heute wirklich ein Rätsel, wie wir früher fünf oder sechs Tage am Stück mit Terry Hoax auf der Bühne sein konnten.

Frau Lopez, Sie haben nach mehr als 40 Jahren professionellem Ballett das Tanzen vor zwei Jahren aufgegeben. Für immer?

Cassia Lopez: Ja. Ich habe mit 8 Jahren angefangen und mit 48 Jahren meine Karriere beendet. Die Trennung vom Tanz hatte schon etwas eher begonnen. Zwei Jahre davor wussten wir, dass der Vertrag ausläuft und so konnte ich mich im Kopf auf die Entbindung von dieser tollen Welt vorbereiten. Aber mein Körper hat sehr lange gebraucht, bis er verstanden hat, dass es kein Training mehr gibt. Es ist aber auch eine tolle Erfahrung, morgens ohne Schmerzen aufstehen zu können. In den letzten fünf Jahren hatte ich mehr Schmerzen als Spaß bei der Arbeit. Oliver Perau: Stimmt denn das Klischee, dass ihr alle raucht? Cassia Lopez: Viele rauchen. Ich nicht.

Oliver Perau: Ich rauche abends. Ich habe mir immer vorgestellt, dass so viele Balletttänzer rauchen, weil sie viel Hunger haben und so schlank sein müssen. Ich zum Beispiel rauche abends, trinke viel Kaffee, weil ich immer Hunger habe, und mache auch gleichzeitig Intervallfasten. Ist bestimmt nicht so gesund, aber es funktioniert.

Herr Perau, bei Ihnen ist scheinbar noch ein bisschen Rockstar-Attitüde geblieben. Wenn man sich Udo Lindenberg anschaut oder andere Altrocker wie die Stones, dann machen alle gefühlt nur noch Sport und Low Carb. Sind die alle brav?

Oliver Perau: Ich rauche noch fünf oder sechs Rock‘n-Roll-Zigaretten jeden Tag. (lacht). Das ist das Überbleibsel. Sonst lebe ich sehr gesund und trinke auch keinen Alkohol mehr. Ich verliere ungern die Kontrolle. Schon gar nicht auf der Bühne.

Sie haben eine Verbindung: Frau Lopez hat sich zur Hörakustikerin umschulen lassen; Sie, Herr Perau, haben bei Ihren Auftritten mit „Klang und Leben“ mit Menschen zu tun, die nicht mehr unbedingt alles hören …

Oliver Perau (lacht): Das ist richtig. Da fiepen oft ein paar Hörgeräte im Publikum. Cassia Lopez: Ja, und wissen Sie, was interessant ist? Ich habe vor zwei Jahren bei einem Podcast mitgewirkt. Darin ging es um die Suche nach dem perfekten Klang. Als Tänzerin und Musikerin hätte ich früher wahrscheinlich gesagt: Es ist Musik oder ein schönes Stück, etwas, das dich berührt. Bis ich Hörakustikerin wurde. Heute weiß ich, dass der perfekte Klang manchmal einfach die Stimme deiner Mutter oder die deines Kindes ist. Das ist sehr relativ. Und auch so einfach und schön.

Stimmt es, dass man die schönsten Lieder schreibt, wenn man nicht glücklich ist?

Oliver Perau: Man verarbeitet unglaublich viel, wenn man unglücklich ist. Dann kann das Songschreiben sogar helfen. Das ist vielleicht das Geheimnis, warum viele darin so einen Antrieb finden. Cassia Lopez: Beim Tanz ist es genauso. Wenn man durch Krisen geht, ist man reifer als Künstler, weil man gewisse Gefühle anders und intensiver durchlebt. Oliver Perau: Verzweiflung ist schon eine große Triebfeder.

Cassia Lopez hat sich vom Ballett getrennt. Könnten Sie sich das mit Musik vorstellen, Herr Perau? Oliver Perau: Darüber nachdenken tue ich, seit ich Musik mache.

Cassia Lopez: Ich habe zwar mit dem Tanzen aufgehört. Aber Künstlerin bleibt man immer. Das ist etwas, was man nicht ablegen kann. Aber ich habe mir mit dem Ballett meine persönliche Hürde irgendwann so hoch gelegt, dass ich darunter einfach nicht mehr performen wollte.

Wer ist Ihr größter Kritiker bei Auftritten?

Oliver Perau: Ich würde sagen die Big Band. Wenn ich mit diesen zehn Musikern spiele, haben davon alle studiert. Und im Jazz legen alle Wert darauf, dass jeder Ton schön verpackt ist. Ich lege dann doch manchmal mehr Wert auf die Attitüde und den Vortrag als auf den Ton selbst, und da weiß ich, dass die Big Band das sofort hört.

Cassia Lopez: Ich war immer sehr nervös, wenn meine Kinder zugesehen haben, weil sie mich durchschauen und lesen können. Sie wissen, ob das real oder echt war, wenn ich spiele, oder nicht. Sie kaufen dir auch nichts ab, wenn es nicht wahrhaftig ist.

Oliver Perau: Das ist vergleichbar mit den Senioren. Die sind total ehrlich. Denn erstens sind die keine Fans und zweitens kennen die mich im Zweifelsfall auch gar nicht. Da kommt einfach einer und singt. Deshalb versuche ich immer, ihre Namen in die Lieder mit einzubauen, sie mit einzubeziehen. Damit sie dranbleiben, weil auch die Gefahr des Abschweifens aufgrund der Demenz groß ist. Am Ende ist es aber eine ehrliche Begeisterung. Wie bei Kindern.

Wie feiern Sie Weihnachten?

Oliver Perau: Wir feiern mit der ganzen Familie. Meinem Bruder und Schwester mit Anhang. Mit unserer Mutter und mit fürchterlich viel Essen. Meist Fondue oder Raclette. Gans gibt es schon lange nicht mehr. Dafür sind wir zu viele und reicht der Ofen nicht. Wenn es nach mir ginge, bräuchte man gar kein Essen. Da wird immer ein Riesenbohei drum gemacht. Gerade unter den Frauen bei uns in der Familie.

Cassia Lopez: Ich stamme aus einer großen Familie in Brasilien und dort haben wir den Heiligen Abend immer sehr zelebriert. Hier in Deutschland sind wir nur zu viert. Für mich ist das perfekte Weihnachten, wenn wir vier zusammen sind und diesem christlichen Fest gedenken. Ich bin sehr gläubig und lebe meine Religion. Der Heilige Abend ist für mich der schönste Abend. Wir bereiten das Essen zusammen zu, backen Kekse, wir singen zusammen und hören schöne Musik. Und wir halten auch einmal inne und denken zurück an das, was am 24. Dezember passiert ist. Für uns Christen gibt es nur eine Zeit davor und danach, es ist ein besonderes Fest.

Oliver Perau: Das Schöne bei mir ist, dass die Band und ich inzwischen das Ritual für andere zu Weihnachten geworden sind. Weil wir mit Terry Hoax sowie mit Juliano Rossi direkt vor Weihnachten unsere traditionellen Weihnachtskonzerte geben. Das ist sowieso unglaublich, dass man so Teil der Biografie anderer Menschen wird. Als Sänger von Klang und Leben haben wir uns oft in der Corona-Weihnachtszeit auch vor die Altenheime gestellt und deutsche Weihnachtslieder gesungen. Und es gibt wunderschöne deutsche Weihnachtslieder. „Oh du fröhliche“ zum Beispiel oder „Leise rieselt der Schnee“. Das sind auch Lieder, bei denen ich mich immer richtig zusammenreißen muss.