Klöster sind Rückzugsorte, Orte der Stille, der äußeren und inneren Einkehr. Das klingt gerade heute, in Zeiten, in denen ein hektischer, lauter Alltag für viele Menschen zur Belastung wird, verlockend.

Text: Beate Rossbach Fotos: Barbara Bönecke-Siemers

Tatsächlich haben viele dieser ursprünglich rein religiös ausgerichteten Gemeinschaften ihre Türen ein Stück weit geöffnet und bieten sich als Refugium auf Zeit an, um die unterschiedlichsten Bedürfnisse der Moderne zu erfüllen. So wie das Pilgern in den letzten Jahren eine Renaissance erlebte, gibt es heute eine Vielzahl von Angeboten für eine „Auszeit im Kloster“.

Dazu muss niemand in die Ferne schweifen, geeignete Adressen gibt es auch rund um Hannover. Viele der fünfzehn Frauenklöster und Damenstifte, die von der Klosterkammer Hannover in Niedersachsen betreut und unterstützt werden, bieten kulturelle, spirituelle Veranstaltungen und vieles mehr an. Die Lektüre der Jahresprogramme macht Lust, dabei zu sein und Vertrautes in einem neuen Umfeld kennenzulernen oder ganz neue Interessen zu entdecken.

Da lädt das Kloster Mariensee bei Neustadt zu Kursen in Kalligrafie ein oder dazu, das Sticken im Klosterstich zu erlernen. Naturfreunde können den Tageskurs „Sensemähen und Dengeln“ buchen. Oder wie wäre es mit Reiter-Exerzitien im Kloster Wülfinghausen? Auf freundlichen Pferden können die Gäste hier „reiten, beten, Zeit für sich haben, Natur und Stille genießen und mit dem Pferd zu sich selbst finden“.

Ein sehr vielseitiges und umfangreiches Jahresprogramm bietet das Kloster Wennigsen am Deister an. Mit seinem großen Garten bezeichnet es sich als „Haus der Stille und Begegnung“ und als eine „Oase der Ruhe und Kraft“. Ein besonderer Ort, um Meditationskurse, Feldenkrais und Qigong zu erleben oder Kräuterkunde im Klostergarten, Obstbaumschnitt und Gartenexerzitien, auch verbunden mit spiritueller und geistlicher Begleitung sowie Angeboten zu den Themen Familienaufstellung und Trauerbegleitung.

Die Auswahl fällt schwer, und der besondere Veranstaltungsort wirft viele Fragen auf. nobilis stellte sie der Äbtissin des Klosters Wennigsen, Mareile Preuschhof.

Frau Preuschhof, haben Sie dieses bunte und umfangreiche Programm selbst eingeführt?

Mareile Preuschhof: Nein, schon meine Vorgängerin hat hier vor zwanzig Jahren das Herzensgebet und die Meditation implementiert, mit dem Verein „Via cordis“ und dem Loccumer Arbeitskreis Meditation. Via cordis, der „Weg des Herzens“ ist eine Meditationsform, das sogenannte „Herzensgebet“, das als eine der ältesten Meditationsformen im Christentum bekannt und überliefert ist. Eine mantrische Meditation, die eine tiefere spirituelle Erfahrung ermöglicht.

Wer kommt denn zu ihren Kursen, zum Beispiel zu den sehr gefragten Meditationskursen?

Mareile Preuschhof: Es sind einerseits Menschen, die auf der Suche sind. Die eine Ahnung davon haben, dass es noch mehr gibt. Die eine Sehnsucht nach einer religiös-spirituellen Dimension haben, die größer ist als das Menschliche, und die glauben oder es schon wissen oder erfahren wollen, dass Meditation ein Weg auf dieser Suche nach dem Spirituellen ist. Eine weitere Gruppe ist die der Menschen, die erschöpft sind, die genug haben von der Hektik, der Schnelllebigkeit und dem Oberflächlichen. Sie wollen ins Kloster, um sich zurückzuziehen und mehr zu sich selbst zu finden mit der Intention: Ich muss mal raus aus dem Getriebe, muss eine Auszeit haben.

Brauchen die Teilnehmer bereits Grundkenntnisse?

Mareile Preuschhof: Wir haben hier Menschen, die schon jahrelang meditiert haben, zum Teil in buddhistischen Meditationen, und die hier in der christlichen Tradition diese meditative Kontemplation finden, aber auch Anfänger, für die wir unseren Grundkurs anbieten.

Wennigsen ist ein Damenstift. Kommen überwiegend Frauen zu Ihnen in die Kurse?

Mareile Preuschhof: Tatsächlich ist das so. Meine Erfahrung ist, dass es daran liegt, dass hier auch sehr viele Frauen anleiten und begleiten. Wenn das Team aus mehr Männern bestehen würde, wäre das vielleicht anders.

Und wie sieht es dabei mit der Altersstruktur aus?

Mareile Preuschhof: Auf jeden Fall in der Mehrzahl über 40, hauptsächlich um die 60 und bis zu einem Alter von 85. Viele fragen sich in den späteren Jahren: „Was ist der Sinn meines Lebens, und soll ich den Rest so weiterleben“? Solche Fragen werden natürlich gestellt.

Und jüngere Menschen, die vielleicht im Beruf Stress und Krisen erleben – etwa den viel zitierten Burn-out?

Mareile Preuschhof: Doch, solche Menschen, die derartige oder andere Krisen und Krankheitsphasen erlebt haben, kommen auch. Wir sind zwar keine therapeutische Einrichtung. Aber ich war in meinem Berufsleben jahrelang in der Hospizarbeit, in der Sterbe- und Trauerbegleitung tätig. Diese Erfahrung und Kompetenz bringe ich hier auch ein.

Der wunderschöne Klostergarten und seine Obstbäume tauchen auch im Programm auf. Warum?

Mareile Preuschhof: Der Garten ist ja eng mit der Schöpfung verbunden. So können die Menschen hier Garten und Natur, das Wohltuende der Gartenarbeit einmal anders erleben. In der Stadt ist das ja oft auch gar nicht möglich. Dann wird der Kopf frei, und man kann die Gedanken loslassen.

Mareile Preuschhof: Ich persönlich versuche, eine Sprache für Menschen zu finden, die nicht so sehr im Kirchlichen verortet sind, die verständlich und nachvollziehbar für alle ist. Wir haben hier auch schon zahlreiche Begegnungen und gute Gespräche gehabt, mit Menschen aus ganz unterschiedlichen Bereichen. Und unsere Intention ist überhaupt nicht das Missionieren! Jeder muss ohnehin selbst für sich herausfinden: „Was ist mein Weg?“ Aber wir machen allen ein Angebot, das sehr gut angenommen wird. Gerade jetzt, in dieser gesellschaftlichen Krisenzeit, zeigt sich das sehr deutlich.