Im Kulturzentrum bauhof Hemmingen werden durch ehrenamtliches Engagement kulturelle Veranstaltungen in den Ort geholt. Jemand, der sich seit Jahren für die Bekanntheit des Kulturzentrums einsetzt, ist Klaus Grupe. Jetzt wurde er ausgezeichnet.

Text: Beate Rossbach

Engagierter Einsatz

Kultur ist sein Leben. Im September wurde Klaus Grupe deshalb in Anerkennung seiner besonderen Verdienste um das Allgemeinwohl mit dem Verdienstkreuz am Bande des Verdienstordens der Bundesrepublik Deutschland geehrt. Damit wurde sein außerordentliches, langjähriges und überaus erfolgreiches ehrenamtliches Engagement für die Kultur gewürdigt. Grupe ist der 1. Vorsitzende des Trägervereins des Kulturzentrums bauhof Hemmingen.

Er ist seit der Gründung des Vereins im Jahr 1999 in gleicher Funktion dabei. „Damals war ich gerade mit der Familie nach Hemmingen gezogen und wurde angesprochen, man wolle ein Kultur­projekt starten. Wir waren ein paar ‚Kulturverrückte‘, und ich habe gern mitgemacht, habe den Verein mit aufgebaut, wurde zum Vorstand gewählt, und seitdem ist es so geblieben. Im letzten Jahr haben wir den 20. Geburtstag gefeiert.“

Klaus Grupe hat, so heißt es in der Laudatio anlässlich der Ordensverleihung, „den bauhof hemmingen zu dem gemacht, was er heute ist – eine überregional anerkannte und vielbeachtete Kleinkunstbühne mit einer hohen künstlerischen Qualität“.

Die Gründer hatten sich den Richtigen ausgeguckt. Klaus Grupe, heute 68, war in der gehobenen Beamtenlaufbahn bei der Landeshauptstadt Hannover in verschiedenen Fachbereichen tätig. Zwischen 1989 und 1998 war er persönlicher Referent der beiden Kulturdezernenten Karl-Ernst Bungenstab und Harald Böhlmann und stieg danach in den höheren Verwaltungsdienst auf. Kultur und Marketing sind Bereiche, in denen sich Klaus Grupe bestens auskennt. Kenntnisse und Erfahrungen, die jetzt seinem Ehrenamt im Kulturzentrum zugutekommen.

Grupes Augen blitzen, wenn er über seine Aktivitäten in Hemmingen erzählt. Das Kulturzentrum ist in einem historischen Gebäude untergebracht, einer alten Hemminger Hofstelle, die lange der Gemeinde als Bauhof diente und dem Verein als Veranstaltungszentrum zur Verfügung gestellt wurde.

Das alte Gebäude des heutigen bauhofs Hemmingen

Foto: Bauhof-Archiv

Das liebevoll sanierte alte Haus ist heute ein gepflegter Kulturtreff mit Foyer, Bühne und Sitzplätzen für rund 100 Zuschauer. Rund ums Jahr finden hier attraktive Veranstaltungen aus allen Bereichen der Kleinkunst statt, vorgetragen von regionalen und internationalen Künstlerinnen und Künstlern: Konzerte, Lesungen, Kabarett, Comedy, Poetry Slam und vieles mehr.

Das Kulturzentrum heute

Foto: Peter von Drathen

Ein Programm, das ein Publikum quer durch die Generationen anspricht, und die Besucher kommen nicht nur aus Hemmingen, sondern aus der ganzen Region und darüber hinaus.

Klaus Grupe ist der Talentscout, der nah und fern Augen und Ohren offenhält. Er sucht und findet Künstler, die dem Kulturzentrum-Publikum gefallen, die gut sind und – last, but not least – bezahlbar, mit Gagen, die es erlauben, sie nach Hemmingen einzuladen. Rund 700 Veranstaltungen mit 50.000 Besuchern hat das gut eingespielte Team des Vereins seit der Gründung bis zum 20-jährigen Jubiläum im letzten Jahr organisiert. Dabei tauchten im Programm einige sehr bekannte Namen auf.

Klaus Grupe erinnert sich an seine persönlichen Höhepunkte: „Auf unserer Bühne standen schon die regionalen Berühmtheiten Matthias Brodowy, Juliano Rossi, der Zauberer Desimo und das Saxophonquartett Sistergold. Sehr gut gefallen hat mir die englische A-cappella-Gruppe ‚The London Quartet‘. Oder Ulla Meinecke und der Liedermacher Michael Fitz und Jazz mit Abi Wallenstein. Ganz großartig waren auch die Lesungen mit Max Moor, Linda Zervakis und dem Schauspieler Miroslav Nemec.“

Kulturzentrum bauhof bietet ein vielfältiges Programm

Alles starke Persönlichkeiten, die er und das Kulturzentrum-Team aus der Nähe kennen und schätzen lernen konnten. In Hemmingen gibt es für die Künstler eine Rundum-sorglos-Betreuung. Sie werden bei der Anreise abgeholt, gut untergebracht und versorgt, das technische Equipment rund um die Bühne ist vom Feinsten, und nach der Vorstellung gibt es immer ein Get-together mit Gesprächen und Häppchen. „Daher kommen die Künstler gern zu uns und geben ihr Bes­tes, da ihnen die Atmosphäre gefällt.

Das Publikum ist begeistert, und in der Regel sind wir ausverkauft“, versichert Klaus Grupe. „Unsere Philosophie lautet ‚Kultur ist Vielfalt‘, und danach richtet sich auch die Programmauswahl. Wir wünschen uns Qualität auf der Bühne und Atmosphäre im Raum“, sagt er.

Das Kulturzentrum bauhof bietet ein vielfältiges Programm

Foto: Peter von Drathen

Das gelingt hervorragend, was umso beachtlicher ist, da die Vorstandsmitglieder und alle Helfer ehrenamtlich arbeiten, allerdings mit sehr professionellem Anspruch. Lediglich in der Technik sind Profis am Werk. Auf die Frage, wen er und sein Team sich im bauhof noch wünschen würden, denkt Klaus Grupe nicht lange nach: „Sissi Perlinger, Sebas­tian Pufpaff, Vince Ebert und Maybebop. Vielleicht lesen das jetzt Sponsoren, die uns helfen könnten, sie hierher zu holen.“

Bisher sind das noch Träume, denn im Moment hat Corona die engagierte Programmplanung leider geschreddert. „Wir sind schon in die Aulen benachbarter Schulen ausgewichen, wo wir bestens die Abstände einhalten konnten. Durch den erneuten Lockdown ist das nun auch vorbei“, bedauert Klaus Grupe und fügt hinzu: „Alles sehr bedauerlich, denn Kultur ist systemrelevant.“

Wir drücken die Daumen, dass es im Februar mit Veranstaltungen weitergehen kann. Die aktuelle Programmübersicht wird auf jeden Fall aktuell auf der Homepage angezeigt werden. Wenn es wieder losgeht, wird ein Run auf die Karten einsetzen. Vereinsmitglieder haben ein Vorkaufsrecht, und ihre moderaten Beiträge helfen mit, das Kulturzentrum zu finanzieren.

Weitere Infos unter www.bauhofkultur.de