150 wird man nur einmal – das gilt auch für das Hannoveraner Traditionsunternehmen Liebe. Anlässlich des Jubiläums verraten die Inhaber, wie sie es durch die Coronakrise geschafft haben, welche Highlights im Oktober im Geschäft warten und was das Geheimnis des langen Bestehens ist.

Text: Helene Kilb
Fotos: Stefanie Heitmüller

Auch nach genau 150 Jahren ist es noch immer die wahre Liebe, die das Hannoveraner Geschäft trägt. Zumindest im übertragenen Sinne: Denn seit der Kaufmann Wilhelm Liebe im Jahr 1871 in Hannover seine Parfümerie eröffnete, ist diese in Familienhand. Was für jede ernstzunehmende Beziehung gilt, scheint auch für das Traditionsunternehmen zu gelten – in guten wie in schlechten Zeiten hat Liebe Standhaftigkeit bewiesen. So auch während der Corona-Pandemie und insbesondere in den Lockdown-Phasen, in denen die Geschäfte geschlossen blieben. „Unsere Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen haben wir drei Tage vor Schließung informiert“, sagt Geschäftsführerin Caroline Prenzler. Kunden und Kundinnen hielt sie vor allem über die sozialen Medien auf dem Laufenden. So konnten sich diese darauf einstellen, dass ein Einkauf weiterhin möglich war – wenngleich in etwas anderer Art als zuvor. „Mit sehr viel Liebe haben wir das gemacht“, wirft Helga Prenzler ein, die bei allen Entscheidungen und Vorhaben genauso involviert ist wie ihre Tochter und ihr Mann.

Kurt Prenzler (2.v.l.) mit Schwester Margit und den Eltern Irmingard und Kurt Senior

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„Wir haben unseren Liebe-Kiosk eröffnet“, sagt Caroline Prenzler, „einen Tresen am Eingang. Unsere Kunden und Kundinnen haben per E-Mail Produkte bestellt oder kamen direkt mit dem Einkaufszettel an die Tür.“ Von den insgesamt 80 Mitarbeitern und Mitarbeiterinnen, verteilt auf vier Filialen, wurde niemand entlassen, „stattdessen haben wir versucht, die Sorge und Unsicherheit in Tatkraft umzuwandeln“, sagt Caroline Prenzler. So verteilte sie kurzerhand neue Aufgaben: Manche Arbeitskräfte führten dann beispielsweise Kunden und Kundinnen per Facetime durchs Geschäft, um diesen die Auswahl zu erleichtern, wieder andere packten die Bestellungen in Tüten und fuhren sie aus. Die Beauty-Workshops, die normalerweise in der Liebe-Filiale in der Luisenstraße stattfinden, wurden kurzerhand zu Online-Events.
Positiv bleiben und an allen Fronten noch ein bisschen mehr geben, lautete bei Liebe die Devise, „zum Beispiel in jede Tüte noch ein Pröbchen mehr packen und am Telefon noch ein wenig liebevoller beraten“, erzählt Caroline Prenzler. Mittlerweile sind die Türen natürlich wieder geöffnet. Eine Erleichterung für die Prenzlers – auch im Hinblick auf den Jahrestag der Eröffnung am 1. Oktober.

Ein Jubiläum unter besonderen Bedingungen

„Aktuell ist es ja leider problematisch, etwas feiern zu wollen“, sagt Kurt Prenzler. Dann schmunzelt er – denn zum 150-jährigen Bestehen haben er, seine Frau und seine Tochter sich trotzdem einiges ausgedacht. Die Woche vom 2. bis zum 9. Oktober haben die drei zur Jubiläumswoche auserkoren. „Als erstes haben wir für jeden Tag eine DJane organisiert“, sagt Caroline Prenzler. „Darüber hinaus gibt jeden Tag zwei bis drei Highlights in unserem Haus.“
So darf man sich unter anderem auf ein Visagisten-Team von Chanel freuen, das Produkte mitbringt, die sich sonst ausschließlich in den markeneigenen Stores finden. Auch verschiedene Parfümhersteller und Promis haben sich angekündigt, darunter die Geschwister Durante des italienischen Labels Parfumum Roma, die katalanische Parfümeurin Sara Carner, der Schauspieler Alexander Wüst und der Hamburger Lukas Görlitz, der als Model arbeitet und im vergangenen Jahr zudem seinen eigenen Duft „equality.fragrances“ lancierte.

Traditionelle Grundsätze und neue Ideen

Es sind auch solche Aktionen, die zeigen: Stillstand ist für das Unternehmen ein Fremdwort. Gleichzeitig hält man hier an den Grundsätzen fest, die seit Beginn der Unternehmensgeschichte bestehen. „Wir haben schon immer auf Qualität gesetzt – sowohl bei der Auswahl unserer Produkte als auch im Laden“, sagt Kurt Prenzler.
Dazu zählt beispielsweise, dass im Geschäft vergleichsweise viel Personal bereitsteht, das auf insgesamt vier Etagen empfängt, berät und verwöhnt. „Darüber hinaus sind wir stets auf der Suche nach dem Außergewöhnlichen – ähnlich wie ein Trüffelschwein spüren wir ständig neue besonders Ware für besondere Kunden auf“, sagt Caroline Prenzler. Rund 50.000 Produkte umfasst das Sortiment derzeit. Teilweise seien es so spezielle Sachen, dass selbst Kenner oft überrascht im Laden stünden, etwa wenn sie dort Düfte von Memo Paris, Bohoboco, Bdk oder Diptyque entdeckten.
„Und wir investieren in die Jugend“, ergänzt Kurt Prenzler. Drei oder vier Auszubildende nehme der Betrieb jedes Jahr auf. „Und diese füllen nicht nur Regale auf wie in anderen Betrieben, sondern üben sich von Anfang an im Kundenkontakt, beraten am Telefon, stehen am Tresen und leiten die Workshops für Teenager.“ Das Vertrauen in die Fähigkeiten jedes Einzelnen scheint sich auszuzahlen: „Die Mitarbeitertreue ist sehr hoch“, sagt Caroline Prenzler. Erst kürzlich habe wieder eine Mitarbeiterin ihr 50. Jahr bei Liebe gefeiert.
Alles in allem blickt die Familie Prenzler mit Stolz zurück auf die vergangenen Jahrzehnte – und freut sich auf eine Zukunft voller Liebe.