Die Golfplätze in der Region sind jetzt wieder geöffnet. Autor Christian Bendig trifft sich mit Reisegepäckhersteller Axel Bree auf eine Runde Golf. Diesmal im Burgdorfer Golfclub.

Text: Christian Bending, Fotos: Tim Schaarschmidt

Was wäre Ihre Alternative, wenn wir Sie nicht am frühen Morgen zu einer Golfrunde gebeten hätten?

Axel Bree: Wie an jedem Wochenende wäre ich früh morgens durch die Isernhägener Feldmark gejoggt.

Wie fühlt es sich an, zehn Kilometer von Ihrer ehemaligen Wirkungsstätte entfernt eine kleine weiße Kugel zu schlagen?

Axel Bree: Sehr vertraut. Ich verbinde mit diesem Platz viele persönliche Erinnerungen. Mein Vater wohnte hier gegenüber und ich war früher Mitglied im Club. Die Tatsache, dass es hier um die Ecke mehr als 30 Jahre lang ein erfolgreiches Taschenunternehmen gab, erfüllt mich mit Stolz.

Nur mit Stolz – oder vielleicht auch mit einer Spur Wehmut?

Axel Bree: Nein, überhaupt nicht. Ich habe viele schöne Erinnerungen. Dazu zählt auch die schöne Tradition unseres vor gut zweieinhalb Jahren verkauften Familienunternehmens Bree.

Die Woche über arbeiten Sie in Rodgau bei Frankfurt und krempeln dort als Miteigentümer den Reisegepäckhersteller Stratic behutsam um. Wie kam es dazu?

Axel Bree: Nach der Bree-Insolvenz hatte ich mich um einen Rückkauf bemüht. Im Bieterprozess lernte ich ein Family Office aus Hamburg kennen. Die privaten Investoren verspürten so wie ich bei der in die Jahre gekommenen Marke Stratic einen großen Reiz. Nun sind wir Co-Inhaber.

Wo liegt für Sie der Reiz dieser Aufgabe?

Axel Bree: Wir stellen technisch grundsolides, hochwertiges Reisegepäck her. Die Marke besteht seit 1946, ist mit den Jahren etwas eingestaubt und bedarf einer durchgängigen Aktualisierung. Darin liegen für mich Reiz und Herausforderung.

Wie ist die Perspektive für einen Hersteller mit Tradition, wo doch seit Monaten das Reisen in der Welt stillsteht?

Axel Bree: Reisen steht für Emotionen, positive Bilder und Erlebnisse. Das Gefühl, sich mit der Natur angelegt zu haben, muss schnell wieder dem Gefühl für Sicherheit und Vertrauen weichen. Dann wird auch die Lust auf das Reisen zurückkehren.

Bree war über die Jahre auf dem Weg zu einer echten Lifestyle-Marke. Planen Sie mit Stratic eine Wiederholung dieser Reise?

Axel Bree: Die Reise wird nicht in Richtung Lifestyle gehen. Ich verfolge das Ziel einer nachhaltigen Qualitätsmarke. Wir wollen, wie wir es zurzeit mit unserem Koffer aus Stroh und Polypropylen erfolgreich unter Beweis stellen, den Weg zu einer designbasierten, nachhaltigen Qualitätsmarke gehen.

Was hat eigentlich mehr Esprit, „made in Isernhagen“ oder „made in Rodgau“?

Axel Bree: Im Herzen bin ich Isernhägener. Mein Beitrag aus Rodgau für die Genesung unseres Landes lautet aber made in Germany für alle.

Was vermissen Sie an Hannover?

Axel Bree: Das norddeutsche Understatement, die Coolness und Gelassenheit sowie die Vielfalt Hannovers auf überschaubarer Fläche.

Und was hat das hessische Rodgau, was Hannover und Isernhagen nicht haben?

Axel Bree: Eine seit 1946 bestehende Koffermarke, meine unique Wochenherberge „Die Wolfsschlucht“ mit dem Wasserturm als Wahrzeichen der Stadt und natürlich die Monotones.

Im Herzen Isernhägener: Axel Bree auf dem Golfplatz nahe seiner ehemaligen Wirkungsstätte.

Und wie stellen sich dort im Rhein-Main-Gebiet die Möglichkeiten zum Golfspielen dar?

Axel Bree: Die Plätze in Hanau, in Frankfurt, in der bayerischen Nachbarschaft und natürlich rüber nach Rheinland-Pfalz bieten, was das Golferherz begehrt. Abends spiele ich zur Entspannung gerne auf der Anlage in Seligenstadt am Kortenbach.

Welches ist Ihr absoluter Traumplatz in der Welt, den Sie schon einmal gespielt haben oder den Sie unbedingt einmal spielen wollen?

Axel Bree: Der Mauna Kea Golf Course auf Hawaii direkt am Pazifischen Ozean ist die größte Golferinnerung meines Lebens.

Überlegen Sie einmal: Wenn Sie sich drei MitspielerInnen für Ihren Flight frei wünschen dürften, mit wem würden Sie auf eine Runde auf den Golfplatz gehen?

Axel Bree: Ich würde mir einen gemischten Flight mit Alicia Keys, Kylie Jenner und – in Erinnerung – mit Karl Lagerfeld wünschen.

Wäre Golfgepäck für die Zukunft vielleicht eine Option für eine Erweiterung Ihrer Produktpalette?

Axel Bree: Das würde ich als Spezialprodukt gerne einmal machen. Im Design ist da noch vieles zu optimieren. Es ist allerdings die ultimative Herausforderung, denn die Vertriebswege bei Golfausstattung sind sehr kompliziert. Aber schauen wir einfach mal.

Werden Sie sich mit Ihrem neuen Unternehmen in irgendeiner Art im Golfsport engagieren?

Axel Bree: Wenn das im Marketingmix in Betracht käme, dann als Ausstattungspartner im Nachwuchsbereich.

Wo wünschen Sie sich persönlich und als Unternehmer, in drei Jahren zu stehen?

Axel Bree: Persönlich möchte ich weiterhin offen für viele Ideen mitten in einem aktiven Leben stehen. Unternehmerisch wünsche ich mir, dass ich eine neue Ära im Gepäckmarkt eingeleitet habe, indem ich die Marke Stratic zum Innovationsführer bei nachhaltigem und modernem Qualitätsgepäck gemacht habe.

Wie lautet Ihr Rat für diejenigen, die sich einmal von Hannover abgewendet haben, aber stets wieder zurückkehren?

Axel Bree: Es ist immer gut zu wissen, wo deine Wurzeln sind. Hannover ist immer einen längeren Aufenthalt wert, denn der Charme der Stadt entfaltet sich stets auf den zweiten Blick. Weltweit habe ich wenige Plätze mit einem höheren Lebenskomfort kennengelernt.

Verraten Sie uns: Wie lautet Ihr persönliches Lebensmotto?

Axel Bree: Stets offen sein für Neues zu sein und neugierig bleiben, um immer den Blick um die nächste Ecke zu werfen.

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