März-Ausgabe 2015

Sparen wird bestraft

story

Negativzinsen – das Reizwort für Sparer macht die Runde. Bisher sind es nur wenige Banken, die ZINSEN AUF GUTHABEN verlangen – und auch nur auf hohe Einlagen. Doch betroffen ist eigentlich jeder von uns.

Nachdem sich die Europäische Zentralbank erst kürzlich und wiederholt zu ihrer Niedrigzinspolitik bekannt hat, liegt der Schluss sehr nahe: Der Kunde wird in Zukunft für sein Bankguthaben nicht wie bisher Zinsen kassieren, sondern er wird im Gegenteil dafür bestraft, dass er sein Geld „hortet“ und nicht hemmungslos konsumiert. Mit solchen – für den Sparer unerfreulichen – Maßnahmen soll erreicht werden, dass das Geld nicht auf den Konten geparkt, sondern genutzt wird, um die schwächelnde Wirtschaft in der Eurozone zu befeuern. Ohne Zögern und sehr direkt geben die Banken also einfach die Kosten weiter, die aus der Notenbankpolitik resultieren. Derzeit werden in der Regel nur für große Guthaben ab 500 000 Euro Negativzinsen erhoben. Aber auch Anleger mit niedrigen Anlagebeträgen können indirekt betroffen sein: Zum Beispiel über Anlagen in Investmentfonds. Denn auch Investmentfonds unterhalten meist hohe Bankguthaben, die ebenfalls mit den sogenannten „Strafzinsen“ belegt werden können.

Darüber hinaus sind real negative Zinsen – also Zinsen nach Abzug der Inflationsrate – für den Privatkunden mit niedrigeren Anlagesummen im Festgeldbereich bereits seit vielen Monaten traurige Realität. Berücksichtigt man dazu auch noch die Tatsache, dass zusätzlich in der Regel Gebühren für Konto- und Depotführung berechnet werden, sieht die Rechnung für den Sparer sogar noch schlechter aus. „Schleichende Enteignung“, nennen Fachleute diesen Vorgang: Offiziell gibt es für Privatkunden in den meisten Fällen zumindest nominal noch Zinsen, wenn auch sehr niedrige. Viele Sparer machen sich den daraus resultierenden realen Verlust nicht klar.

Schlagzeilen wie: „Rettet die Sparer“ oder „Fürs Sparen bestraft werden“ haben die meisten Bankkunden allerdings aufgerüttelt, und das Vertrauen in den Banksektor, das durch Bankenpleiten, undurchsichtige Spekulationen und andere Machenschaften schon auf einem Tiefpunkt angelangt ist, sinkt weiter. Doch damit wird man dem komplexen Sachverhalt nur ungenügend gerecht. Die großen privaten Geldvermögen steigen unaufhaltsam – genauso wie die Staatsschulden. Es scheint, dass mit Geldpolitik allein die globalen Finanzprobleme nicht gelöst werden können. Die Politik ist also gefragt. Und die meisten Experten sind sich einig: Die politischen Entscheider werden auf mittlere Sicht keine andere Wahl haben, als in der Rückführung der ausufernden Staatsverschuldungen auch die privaten Geldvermögen zur Kasse zu bitten. Wie das geschehen wird? Man darf gespannt sein. Bis es soweit ist, gilt es sein Vermögen möglichst umsichtig anzulegen und zu verwalten.

nobilis befragte dazu Mirko Albert, Vorstand der banken-unabhängigen Value Experts Vermögensverwaltungs AG (VALEXX) in Hannover: 

Sind Sparer jetzt eigentlich gezwungen, quasi „Spekulanten“ zu werden – verbunden mit einem höheren Risiko –, um ihr Vermögen zu erhalten?

Mirko Albert: Ein klares Nein. Um allerdings einen realen Gelderhalt oder die gewohnte Geldvermehrung der Ersparnisse auch in der Zukunft zu realisieren, darf man nicht einfach so weitermachen wie bisher und die tatsächlichen Entwicklungen ignorieren. Zu einer verantwortungsvollen und zukunftsorientierten Kapitalanlage gehört vor allem auch die Investition in Produktivkapital (bspw. Aktien). Nach wie vor sind in diesem Bereich hervorragende Ergebnisse zu erzielen. Entscheidend dafür sind nach unserer Erfahrung allerdings ein fundierter Auswahlprozess sowie ein laufendes permanentes Controlling. In diesem Bereich kommen wir als unabhängiger Vermögensverwalter ins Spiel. Viele unserer Kunden vertrauen uns hier bereits seit über 15 Jahren ihr Kapitalvermögen an oder bitten uns um gezielte Unterstützung im Rahmen ihrer Anlageentscheidungen. 

Ist Geld „unter der Matratze“ oder im privaten Tresor zurzeit eine Alternative?

Eine Alternative vielleicht. Aber aus unserer Sicht ganz sicher keine sinnvolle. Sofern sich ein Kapitalanleger für einen bestimmten Teil seiner Anlagesumme entscheidet, diesen „flüssig und jederzeit verfügbar“ zu halten, sollte er sein Geld allerdings von einer teuren Bank mit niedrigen Zinsen zu einer preiswerten Bank mit höheren Zinsen bringen. Auch hier helfen wir als unabhängiger Vermögensverwalter gern weiter.

Das große Geld geht in Staatsanleihen, Immobilien und Aktien – welche Chance haben Anleger mit kleinen Sparbeträgen? 

Die gute Botschaft ist: Selbst mit kleinen Anlage- oder Sparbeträgen ist es heute möglich, auch in diese Anlagen zu investieren. Somit haben sogenannte Kleinanleger nahezu identische Chancen. Aber auch hier kommt es immer auf die richtige Auswahl sowie die Beobachtung der Anlage an, um im Bedarfsfall Veränderungen herbei zu führen. Hier sollte man sich gut beraten lassen und die Empfehlungen auch kritisch hinterfragen. Leider beobachten wir im Rahmen unserer neutralen Depot-Gutachten immer wieder, dass dem hauseigenen Produkt von Banken häufig der Vorzug vor deutlich leistungsstärkeren Anlagen des Marktes gegeben wird. 

Stellen Negativzinsen nicht einen (weiteren) großen Vertrauensverlust für den Bankensektor dar?

Ja, das ist durchaus schon zu beobachten. Daran haben aber ganz sicher auch teilweise sehr „reißerische“ Medienberichte ihren Anteil. Titel wie „Rettet die Sparer“ erfüllen zwar oftmals den Zweck der Aufmerksamkeit, werden aber der Sache nur ungenügend gerecht. Dennoch ist eindeutig festzuhalten, dass real negative Zinsen (also Zinsen nach Abzug der Inflationsrate) oftmals auch für den Privatkunden mit niedrigen Anlagesummen im Festgeldbereich in Deutschland bereits seit vielen Monaten traurige Realität sind. Berücksichtigt man dazu noch den Tatbestand der zusätzlich häufig berechneten Gebühren für Konto- und Depotführung, verschlechtert sich die Rechnung für den Sparer noch weiter.

Kann bei diesem Thema die Bankenaufsicht eingreifen?

Meiner Meinung nach ist das kein Thema für die Bankenaufsicht. Sollte dagegen ein Institut die Situation nutzen, um Negativzinsen in „unanständiger Höhe“ zu erheben, wäre das ggf. etwas anderes. Da ein solches Vorgehen das Vertrauen der Kunden des betreffenden Institutes allerdings nachhaltig erschüttern würde, glaube ich nicht, dass dieses Szenario Realität wird.

Negativzinsen sind eine Art der Enteignung. Niedrige Zinsen, die nicht einmal die Inflation ausgleichen, sind eine andere, die es schon lange gibt. Haben sich die Sparer vielleicht bereits daran gewöhnt?

Wir haben es hier mit einer sogenannten „schleichenden Enteignung“ zu tun. Denn offiziell gibt es für Privatkunden in den meisten Fällen ja zumindest nominal noch, wenn auch sehr mickrige, positive Zinsen. Viele Sparer bemerken somit den daraus resultierenden realen Verlust nicht. Ist sich ein Anleger dieses Tatbestands irgendwann bewusst, handelt er meist auch. 

Die meisten Geldinstitute verlangen inzwischen auch schon Gebühren für Girokonten …
Gebühren sind natürlich nicht gleichzusetzen mit Negativzinsen. In der Auswirkung allerdings schon, denn beide Faktoren mindern natürlich den realen Anlageerfolg oder zehren diesen vollständig auf.

Große Unternehmen, die umfangreiche Cash-Bestände haben müssen, z.B. für ihren Einkauf – was bedeuten Negativzinsen für sie?

Geringere Einnahmen! Und daraus resultieren ggf. schlechtere Geschäftsergebnisse – allerdings sollten sich die negativen Auswirkungen hier eher in Grenzen halten. Im Einzelfall wird daraus aber vielleicht auch eine Investitionsentscheidung entstehen und damit ein Cash-Bestand in Produktivkapital umgewandelt.

Wer hat überhaupt etwas von Negativzinsen?

Die hier diskutierten Negativzinsen sind eine direkte Auswirkung der Notenbankpolitik. Diese verfolgt damit unter anderem das Ziel, bei den Banken gehortetes Geld in den Wirtschaftskreislauf zu bringen, um die Wirtschaft zu stärken. 

Einerseits steigen die privaten Geldvermögen, andererseits aber weltweit auch die Staatsschulden. Mit Geldpolitik allein lässt sich das Problem nicht lösen. Was sollte die Politik tun?

Meiner Meinung nach wird die Politik auf Sicht keine andere Wahl haben, als in der Rückführung der ausufernden Staatsverschuldungen auch die privaten Geldvermögen „zur Kasse zu bitten“. Es wird interessant sein, zu beobachten, auf welchem Durchführungsweg das geschieht.

Depot-Check 
nobilis-Lesern macht die Value Experts Vermögensverwaltungs AG (kurz: VALEXX AG) ein besonderes Angebot: Bis 31. Mai 2015 einen kostenlosen und neutralen Profi-Depotcheck vom bankenunabhängigen Experten (Voraussetzung: Depotwert größer 250 TEU). Bei Interesse schreiben Sie bitte eine Mail an info@valexx.de

Die VALEXX AG  
... wurde als einer der ersten bankenunabhängigen Vermögensverwalter bereits 1996 gegründet und gehört zu den Top 20 der Branche. Das Unternehmen möchte seinen Kunden deutliche Mehrwerte und Vorteile gegenüber der üblichen Betreuung bei Groß- und Privatbanken bieten. Zwar betreut es nationale wie auch internationale Kunden, hat aber seine Wurzeln in Niedersachsen und Nordrhein-Westfalen. In Hannover ist die Value Experts Vermögensverwaltungs AG mit einer Niederlassung präsent, die gleichzeitig auch Sitz des Vorstandes ist. Vorstandsvorsitzender ist seit 2012 Mirko Albert.